Elke Bollmann weiß, dass es vielen schwerfällt, selbst zur Tafel zu kommen.

Das Leben ist vielfach schwieriger geworden. Besonders betroffen sind oftmals ältere Menschen mit kleinem Budget. Manche von ihnen würden gern das Angebot der Tafeln annehmen, scheuen aber den Weg und die Wartezeiten. Die Tafel Erlangen, die auch für Herzogenaurach zuständig ist, bietet einen Lieferservice insbesondere für Ältere an. Wie das so genannte Tafel-Mobil der Diakonie-Einrichtung funktioniert, erläutert Elke Bollmann. Sie ist die Leiterin der Sozialen Dienste der Diakonie Erlangen und stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Tafel-Verbandes. 

Frau Bollmann, an den Ausgabestellen der Tafel bilden sich oft lange Schlangen. Das Stehen fällt aber gerade Älteren schwer, doch bei Ihnen gibt es seit 2017 einen Lieferservice. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Das Ganze begann im Herbst 2016, damals hatten wir vermehrt Senioren, für die der Weg zur Tafel einfach zu beschwerlich war oder die so große körperliche Einschränkungen hatten, dass sie nicht lange stehen konnten. Dann kam in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt dazu, dass uns Frauen und Männer gemeldet wurden, die eigentlich zur Tafel gehen könnten oder sogar müssten, aber dazu nicht in der Lage waren. So haben wir uns zu einem Lieferdienst entschlossen. Seit Januar 2017 ist er am Start, und der Kundenkreis steigt jedes Jahr. Dabei sind 80 Prozent davon mindestens 60 Jahre alt und älter, der Rest sind Jüngere, die ebenfalls zu krank oder zu beeinträchtigt sind, die Ware abzuholen.

Wie funktioniert das Prinzip des Lieferdienstes?

Über die Anmeldung wissen wir ja, wie groß der Haushalt ist. Im persönlichen Kontakt mit dem Kunden fragen wir dann genau ab, was er möchte und was er verträgt. Manche haben ja Diabetes, manche eine Gluten-Unverträglichkeit und andere wiederum essen aufgrund ihres Glaubens kein Schweinefleisch. Dann wird für jeden Kunden eine individuelle Packliste gestaltet, die zu den Kisten gelegt und nach deren Regeln die Lieferung jede Woche neu gepackt wird. 

Oft sind die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter, die den Älteren die Lebensmittel bringen, der einzige Kontakt am Tag oder in der Woche. Die Betroffenen gehen meist kaum mehr aus dem Haus.

Ja, das ist ganz häufig so, weil die Kunden von Grund auf immobil und häufig auch einsam sind, sonst könnten sie ja jemanden beauftragen zur Tafel zu kommen und für sie die Ware abzuholen. Es ist aber wirklich oft so, dass es Menschen sind, die wenige Freunde in ihrem Umfeld haben. Die Ehrenamtlichen bauen da schon auch ein Vertrauensverhältnis auf, sie gehen zum Beispiel auch bei Gehbehinderten in die Küche und räumen die Lebensmittel gleich in den Kühlschrank ein. Da entsteht für eine kurze Zeit immer eine gute Beziehung. 

Senioren, die ihr Leben lang gearbeitet haben und von einer winzigen Rente leben müssen, haben oft große Hemmungen, sich an der Tafel anzustellen. Ist das beim Tafel-Mobil auch ein Punkt?

Ja, auf jeden Fall. Der Lieferdienst ist ein Schutz für Ältere, der es ihnen doch leichter macht, Lebensmittelspenden anzunehmen. In der Corona-Zeit haben wir den Lieferservice auch noch ausgebaut. 

Wollen Sie das Tafel-Mobil noch weiter ausbauen?

Wir haben mit zwei Touren begonnen und sind seit Sommer 2021 bei drei Touren. In der Innenstadt fahren unsere Ehrenamtlichen die Lieferungen mit einem Elektrolastenrad aus. Damit können wir mit der schwierigen Parksituation gut umgehen. Wir wollen das Ganze in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Seniorenbeirat in Erlangen und in Herzogenaurach noch ausbauen, damit wir die Menschen erreichen, die unser Angebot brauchen. 

Gibt es ähnliche Angebote auch bei anderen Tafeln?

Es gibt ein solches Angebot noch in anderen Städten, aber nur punktuell, beispielsweise in Niederbayern und in der Oberpfalz. In unserer Metropolregion gibt es aber keine weitere Tafel, die einen Lieferservice anbietet. 

Der Bedarf wäre sicherlich da. 

Ja, der Bedarf ist auf jeden Fall da. Aber der Punkt ist, dass beispielsweise in Nürnberg die Tafel eine ganz andere Dimension und auch viel mehr Ausgabestellen hat. Außerdem arbeiten dort viele ältere Ehrenamtliche, die Scheu haben, mit der Ware herumzufahren und in die Haushalte zu gehen. Bei uns sind viele Freiwillige 50 Jahre und jünger, die sich gerne für den Lieferservice melden, allerdings gegen Entgelt. Das ist dann auch eine Kostenfrage. Wir hier in Erlangen haben das Glück, dass uns die Bürgerstiftung regelmäßig unterstützt und wir damit einen Fahrer auf 450-Euro-Basis anstellen können, der das Tafel-Mobil mit betreut. 

Interview: Sharon Chaffin
Foto: Stephan Grumbach/Diakonie ­Erlangen
Foto: Homepage: Bundesverband der Tafeln