Kreuzfahrten sind wie Fliegen oder SUV-Fahren: Sie gelten als Symbol für klimaschädigendes Verhalten, und doch schadet das ihrer Beliebtheit nicht – im Gegenteil: der Boom hält an. Gerade Seniorinnen und Senioren sehen darin oft die beste Art, Urlaub zu machen, barrierefrei und gut durchorganisiert in Hotelatmosphäre die schönsten Orte der Welt zu erkunden. Wenn eben nur nicht die Schattenseiten wären. Ein Grund, dieses wichtige Thema auf der inviva aufzugreifen. Am Sonntag, 1. März, werden ein Vertreter des Bundes Naturschutz und ein Reiseexperte über die Folgen des Reisetrends von 14 bis 14.45 Uhr auf der sechs+sechzig Bühne diskutieren.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat die Schattenseiten aufgezählt: Ein Kreuzfahrtschiff stößt pro Tag so viel CO2 aus wie fast 84.000 Autos, so viel Stickoxide wie etwa 421.00 Autos, so viel Feinstaub wie etwa über 1 Million Autos und so viel Schwefeldioxid wie gut 376 Millionen Autos. Mittlerweile gibt es kaum eine Ecke auf der Erde mehr, die sie nicht befahren – und gerade auch das macht den besonderen Reiz aus: die Passagiere können anstrengungslos Sehenswürdigkeiten bestaunen, die sie sonst nie erreicht hätten. Den betroffenen Gegenden wiederum sieht man auch an, dass die Riesenschiffe hier waren: Abgase hinterlassen ihre Spuren. Ob neben den Touristen auch die Einheimischen von dem Boom profitieren, und zwar finanziell, ist nicht leicht zu sagen. Laut Nabu können vor allem Bewohner ärmerer Länder von den Landgängen profitieren, in Städten wie Venedig, Barcelona oder Reykjavik ist das eher nicht der Fall.

Die meisten Reedereien sind dabei, ihre Kreuzfahrt-Flotten auf umweltfreundlichere Antriebe umzurüsten. Solange Schweröl verfeuert wird, ist das nur bedingt erfolgreich. Nur die Aida Nova wird bereits mit Flüssiggas betrieben, weitere sollen dazu kommen. Zunehmend bieten Häfen Stromanschlüsse an, damit die Schiffsmotoren nicht auch noch während der Liegezeit laufen müssen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, die durch Kreuzfahrten verursachten Treibhausgase zu kompensieren. Das geht zum Beispiel bei a tmosfair. Mit dem Geld werden Klimaschutzprojekten finanziert. Außerdem sollte man nicht auch noch mit dem Flugzeug anreisen, sondern Kreuzfahrten bevorzugen, die mit Bahn oder Auto erreichbar sind.

Herbert Fuehr