Beliebt auch bei älteren Netflix-Nutzern: The Kaminski Methode. Foto: Netflix

Serien gibt es fast so lange, wie es Fernsehen gibt – und sie erfreuten sich schon immer großer Beliebtheit. Als in den 60-er Jahren die Verfilmungen der Krimis des britischen Autors Francis Durbridge im deutschen Fernsehen liefen, wurde der Begriff »Straßenfeger« geprägt – weil die Republik geschlossen vor den Geräten saß. Ähnlich war das in England zum Beispiel mit »The Prisoner« (in Deutschland bekannt als »Nummer 6«).

Die modernen TV-Serien werden über das Internet gestreamt – auf Online-Filmportalen wie Netflix. Und auch hier gilt: Wer mitreden will, sollte zumindest schon mal von »Game Of Thrones«, »Mad Men« und »Breaking Bad« gehört haben – auch, weil einem sonst diverse Zitate und Anspielungen im Alltag entgehen.

Serien entwickeln Charaktere

Anders als frühere Serien wie »The Avengers« (»Mit Schirm, Charme und Melone«), die jüngst ihren 60. Geburtstag feiernden Western-Saga »Bonanza« oder »Ein Colt für alle Fälle«, wo jede Folge ein abgeschlossenes Abenteuer markierte, erzählen moderne TV-Serien eine fortlaufende Geschichte in Häppchenform über mehrere Staffeln – oft mit einem klassischen Cliffhanger am Ende. Da die Laufzeit anders als bei einem Kinofilm nicht an die Uhr gebunden ist, können sich die Drehbuchautoren intensiv der Charakterentwicklung widmen. Der fehlende zeitliche Rahmen kann aber auch zum Problem werden: Da das Format open end angelegt ist, findet sich nicht immer eine stimmige Auflösung.

Das Setting ist oft die halbe Miete und lässt den Zuschauer tief in eine andere Welt eintauchen, nimmt ihn zum Beispiel mit hinein in eine Rockergang (»Sons Of Anarchy« – übrigens nach Motiven von Shakespears »Hamlet«) oder in eine britische Aristokratenfamilie vor dem Hintergrund des aufziehenden Ersten Weltkriegs (»Downton Abbey«). Es gibt Serien, die spielen Genres wie Fantasy (»Game Of Thrones«) und Mystery (»Stranger Things«) oder greifen auf bekannte Szenarien zurück wie das einer Zombie-Apokalypse (»The Walking Dead«).

Andere gehen zurück in der Geschichte, etwa in die Zeit der Wikinger (»Vikings«), in den Wilden Westen (»Deadwood«) oder in die Ära der amerikanischen Prohibition (»Boardwalk Empire«). Oder sie erfinden Geschichte neu wie in »The Man In The High Castle«, wo die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und zusammen mit dem japanischen Kaiserreich Nordamerika besetzt halten. Manchmal werden auch erfolgreiche Kinofilme von früher als Serie neu aufgelegt – wie das in einem futuristischen Freizeitpark spielende »Westworld« (nach dem Genreklassiker von 1973 mit Yul Brynner).

War das Qualitätsfernsehseriengeschäft lange fest in der Hand der Amerikaner, so drängt Europa inzwischen nach. Selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland reüssierte zuletzt mit der aufwändigen Weimarer-Republik-Revue »Babylon Berlin«, oder der dunkelkomischen Bavaria Noir-Politpersiflage »Hinda­fing«.

Geguckt wird, wann und wie es gefällt

Erfolgreich sind die TV-Serien im neuen Jahrtausend aber vor allem deshalb, weil sie nicht mehr an Sendezeiten gebunden sind und auch nicht an einen physischen Träger. Sie sind jederzeit im Internet verfügbar – on demand, wie es so schön heißt. Geguckt wird via Stream wann und wie es einem gefällt und gerne auch mal am Stück. So haben sich neue Wortschöpfungen wie »netflixen« oder »binge-watching« (eine Serie am Stück weggucken) längst in den deutschen Wortschatz geschlichen.

Text: Stefan Gnad; Fotos: Netflix

Information: Besonders beliebte Netflix-Serien bei der Generation 50+: Grace and Frankie, The Kominsky Method, Sein letztes Rennen, Honig im Kopf, Tanz ins Leben, The last Laugh, Unsere Seelen bei Nacht, Hampstead Park, Die Liebenden.

Zum Weiterlesen: Oliver Schütte: Die Netflix-Revolution. Midas Verlag, 24,90 € oder über die Hintergründe von Netflix im Web beim Wirtschaftsmagazin Capital.