Helmut Schmidt. Foto: epd

Helmut Schmidt. Foto: epd

Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler und Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“, hat sich für die Rente ab 70 ausgesprochen. Der 91-Jährige erklärte dies bei der Vorstellung seines neuen Buches „Unser Jahrhundert“. Bei den politischen Kommentatoren stieß er damit auf Unverständnis – wie auch bei uns.

Dass einen Rentenbeginn mit 70 Jahren zu fordern viel öffentliche Aufmerksamkeit bedeuten würde, hat sich der Altbundeskanzler sicher vorher gedacht. Seinem Buch wird diese Aufmerksamkeit sicher nicht schaden. Und da die Forderung weder politisch noch gesellschaftlich durchsetzbar ist, macht Helmut Schmidt damit einstweilen auch nichts kaputt. Außer eigentlich einer „Kleinigkeit“: dem verbliebenen Restvertrauen, das die Arbeitnehmer dieser Republik noch in die Regierenden haben. Wer heute 50 ist, wird sich jetzt vielleicht noch mehr fragen als zuvor, ob Vater Staat ihm seine verdiente Rente tatsächlich auszahlt wie versprochen.

Schon die Rente mit 67 war ja so eine Mogelpackung: Nur die allerwenigsten arbeiten wirklich bis in dieses hohe Alter. Für den großen Rest bedeutet eine nominelle höhere Lebensarbeitszeit nur eines: eine massive Rentenkürzung. Und mit genau dieser werden die älteren Menschen in diesem Land wohl rechnen müssen, wenn Helmut Schmidts Forderung eines Tages verwirklicht wird. Realistisch und weitsichtig war der Ex-Bundeskanzler immer. Es steht zu befürchten, dass er es noch ist.