Meine Enkeltochter, 22 Jahre alt, hat sich von der Vegetarierin zur Veganerin entwickelt und sie hat den dazu passenden Freund gefunden. Beide verzichten seit zwei Jahren auf alles, was tierische Produkte enthalten könnte und sie pflegen einen Lebensstil der „Vegan Straight Edge“ heißt und der aus der amerikanischen Musikszene stammt: kein Alkohol, keine Zigaretten und keine Drogen, nicht mal Kaffee oder Tee, d.h. Verzicht auf alles, was „zudröhnt“. Wechselnde Partner sind ebenfalls ausgeschlossen.
Nun gut, die Ernährung ist das eine, der Lebensstil und die Lebenseinstellung das andere. Aber wie lebt es sich ohne Milch, Butter, Eier, Käse und Lederschuhe? Ich gebe zu, dass mich die veganen Ernährungsfragen sehr beschäftigen, wenn ich die Zwei bei mir zu Besuch habe. Was kann ich ihnen anbieten? Vegan einzukaufen ist ja inzwischen kein Problem mehr, wenn man mal von der Verpackung absieht. Die Regale in den Discountern sind voller veganer Produkte, die komischerweise aber fast alle „Fleischtitel“ haben (wie z.B. vegane „Würstchen“), veganen Käse gibt es auch. Das Internet ist voller veganer Modeanbieter, alles aus Baumwolle eben. Der Markt entwickelt sich. Immerhin gibt es in Deutschland etwa 800 bis 900 Tsd. Veganer.
Auf einen Selbstversuch, mich eine Zeitlang vegan zu ernähren, habe ich als Oma verzichtet. Vielleicht bin ich dazu einfach zu alt, mich ohne Milch im Kaffee, ohne Eierspeisen, Nudeln, Joghurt oder Käse zu ernähren, vielleicht verstehe ich den (ziemlich fundamentalen) veganen Hype auch nicht, zumal die vegane Ernährung in ihrer Wirkung auf die Gesundheit ja nicht unbestritten ist. Gegen Massentierhaltung und Tierquälerei und für gesunde Ernährung bin ich auch.
Nun habe ich doch für die Besuche meiner Enkeltochter ein veganes Kochbuch gekauft und darin viele leckere, durchaus abwechslungsreiche Rezepte gefunden. Damit gibt es hoffentlich keine (nervigen) Diskussionen mehr, ob die von mir servierten Gerichte vegan sind oder nicht.