Hello All,

meine Rasierschaumdose outete sich heute Morgen als vegan. Ich habe bisher beim Nassrasieren Tierschutzgedanken sträflich vernachlässigt; ebenso ökologische Überlegungen. Doch ausgerechnet mein veganer Rasierschaum lässt Zweifel an der erfreulichen Absolution aufquellen. Ist nur der Behälter vegan oder der Schaum oder beides? Verdächtig: kein Wort darüber, ob sich das Treibgas ohne Feinstaub und Aromen in die Stratosphäre zu den Ozonlöchern pustet. Früher hatte ich mir Rasierschaum mit Pinsel und Rasierseife in einem Tiegel angerührt; bewusst in uriger Naturburschenart. Doch naturnah vor 50 Jahren kollidiert offensichtlich mit der aktuellen Version von Naturnähe. Ich befürchte, dass damals Tierhaare im Pinsel, Wildgeweih im Griff und gar Knochenextrakte in der Seife steckten. Der selbstangemachte Schaum verbrauchte gewiss mehr Trinkwasser als meine jetzige Praxis mit Schaum aus der Sprühdose. Keine Lappalie! Seit dem 18. Lebensjahr habe ich mich ca. 19.000 Mal rasiert; abzüglich der 3 kratzigen Versuche, die Bartstoppel elektrisch und trocken abzuernten. War jener elektrische Apparat nicht sogar ein verkannter veganer Pionier, frei tierischer Opfer? Wassersparender als mein heutiges nasses Treiben vor dem Spiegel allemal. Falls ich dem elektrischen Rasieren nochmals eine Chance einräumen sollte, dann aufgrund des Vegan- Hinweises auf der Sprühdose. Ein Eigentor der Nassrasierlobby.

Ich bin mir nun unsicher, ob ich meine Aftershafe-Lotion gegen Olivenöl eintauschen sollte. Ich würde morgens etwas nach mediterranem Salat duften; fast kein Problem. Aber dürfte ich mir bedenkenlos ein Lebensmittel ins Gesicht schmieren? Kamen die Oliven sozialökologisch fair vom Baum ins Biofaß? Oder soll ich auf die alten Tage mir einen Rübezahlbart wachsen lassen? Die neue Achtsamkeit ist noch anstrengender als gedacht.

Ihr Global Oldie