Damals schick, heute wieder im Kommen und dank Internet in allen möglichen Varianten verfügbar: das Schnittmuster. Foto: Gillitzer

Kaufen Sie Kleidung noch im Laden? Oder gehören Sie zu den Menschen, die sich inzwischen den Großteil ihrer Garderobe per Online-Versand nach Hause liefern lassen? Wer ein neues Outfit sucht, hat viele Möglichkeiten, an modische Ware zu gelangen. Sogar per Video kann man sich im Internet den gewünschten Look ansehen, in aller Ruhe auswählen und bestellen. Zurückschicken ist jederzeit möglich, die Umtausch-Welle rollt längst.

An die 24-Stunden-Öffnungszeiten der Geschäfte im Netz haben wir uns gewöhnt und dabei fast vergessen, dass es mal Zeiten gab, in denen nicht alles immer und überall verfügbar war. Vor allem war der aktuelle Trend für viele nicht erschwinglich. Da half zum Beispiel die »Neue Mode« weiter: Die »Zeitschrift, die Frauen anzieht«, so die Eigenwerbung, erschien monatlich nicht nur mit bunten Hochglanzseiten der neuen Kollektion, sondern enthielt auch einen Sonderteil mit Schnittmustern. Damit konnten sich die Kundinnen angesagte Kleider, Röcke, Mäntel, Hosen oder Kostüme nachschneidern. 

Lila war die Trendfarbe der Saison

»88 Schnitte der schönsten Herbst- und Wintermode« lagen zum Beispiel im Oktober 1976 bei. Lila war zur Trendfarbe der Saison auserkoren worden. Wem es nicht gefiel, der kaufte sich den Stoff eben in einer anderen Farbe und war trotzdem »en vogue«: Zuhause am Küchentisch schnippelten die Hobby-Schneiderinnen ihre gewünschte Größe aus unzähligen Linien und Konturen aus dem dünnem Schnittmuster-Papier und hefteten sie an den Stoff. Danach ratterte die Nähmaschine ohne Unterlass, bis auch die allerletzte Naht richtig saß. Günstiger als die Ware von der Stange war die Selfmade-Variante allemal.

Natürlich hatten auch »Brigitte«, »Burda« und all die anderen Magazine die Zeichen der Zeit erkannt und legten jede Menge Schnittmuster bei. Nach der Hochphase in den 60er und 70er Jahren ebbte die Bewegung der Heim-Näherinnen zunächst ab. Heute ist das Schneidern wieder richtig »schick«, Schnittmuster in jeglichen Formen sind im Internet erhältlich, auch Videos, die jeden einzelnen Nadelstich zeigen, sind abrufbar. Wer Lust hat, kann sich sogar die »Neue Mode« von 1976 auf Ebay ersteigern, die 88 Schnittmuster inklusive.

Text: Elke Graßer-Reitzner
Foto: Wolfgang Gillitzer

Eine Sammlung von Seiten, die kostenlose Schnittmuster anbieten, finden Sie zum Beispiel auf amenita.de.