Sozialreferent Reiner Prölß plant eine Umstrukturierung der städtischen Pflegeheime. Foto: Kat Pfeiffer

Für manche Menschen wirft das Thema Pflege viele Fragen auf. Selbst ein Fachmann wie Nürnbergs Sozialreferent Reiner Prölß gehört zu ihnen. Viele Betroffene und Angehörige der Generation 70 plus schauen oft mehr mit Frust als mit Zuversicht auf die Versorgung im Alter.

Was hilft wirklich, um die Situation zu verbessern? Darüber informierte die Veranstaltung »Bessere Pflege: Wer soll das bezahlen?« im Nürnberger Seniorenzentrum Bleiweiß, die vom Magazin sechs+sechzig in Kooperation mit dem städtischen Sozialreferat am 14. September durchgeführt wurden. Für manchen Gast war es eine Gelegenheit, einen Hilferuf abzusetzen. Und für den Sozialreferenten, eine neue Ausrichtung der städtischen Heime anzukündigen.

Was nützt mir eine höhere Bezahlung der Pflegekräfte in der Zukunft oder ein Systemwechsel hin zu einer einheitlichen Pflege- und Krankenkasse, in die alle einzahlen, wenn ich bereits jetzt Hilfe benötige? Diese Frage treibt vor allem diejenigen um, die Mitte 70 bis Mitte 80 sind und nicht mehr so lange warten können, bis die notwendigen Korrekturen alle umgesetzt sind. Sie allein können die Situation mit ihrem Engagement und ihrer Kritik an der aktuellen Situation keinesfalls verbessern. Das wurde in allen Beiträgen sowohl der Referenten als auch von Besuchern deutlich.

Geld fehlt nach wie vor bei pflegenden Angehörigen und den Betroffenen. Die hohen Kosten der stationären Pflege sind gerade für Selbstzahler kaum zu stemmen. Besonders dramatisch ist die Situation, wenn ein Partner noch zu Hause zurechtkommt und der andere aber Pflege benötigt. Angesichts steigender Mieten, relativ niedriger Rentenerhöhungen und wenig Chancen, die Einkommenssituation nach dem Ende der Berufstätigkeit zu verbessern, steigt die Altersarmut.

Hier helfen weder die Rezepte aus der Vergangenheit, wie Riesterrente, oder der Ruf nach privater Vorsorge oder betrieblicher Altersabsicherung. Es ist ganz klar ein generationenübergreifendes Thema mit einem größeren Zeithorizont.
Die Beschäftigten müssen für einheitliche Tarifverträge in der Pflege, für eine angemessene Bezahlung, für gerechte Dienstpläne, weniger Bürokratie und mehr Zeit für menschliche Zuwendung kämpfen. Wobei schon mehrfach angemerkt wurde, dass ein so reiches Land wie Deutschland eigentlich die dringendsten Probleme in kurzer Zeit lösen können sollte. Der Blick in Nachbarstaaten wie Schweden oder die Schweiz zeigt, wie es besser gehen könnte.

Jahrzehntelange Diskussionen

Es ist zudem notwendig, Verständnis für die Forderungen der Pflege in der Bevölkerung zu schaffen. Das Image müsse stimmen, meint eine Zuhörerin. Die Arbeit mit Menschen mache Freude. Das sollte stärker in den Vordergrund rücken.
Hier setzt eine Initiative des Nürnberger Sozialreferats an, die im Herbst 2017 mit dem Ziel gestartet ist, mehr Transparenz und eine verbesserte Pflegequalität zu erreichen. Dazu gehört auch die Einbeziehung von positiven Aspekten der Pflegeeinrichtungen. Sozialreferent Reiner Prölß ist bereits seit längerem nicht mehr davon überzeugt, dass der Slogan »ambulant vor stationär« wirklich die Bedürfnisse der Menschen trifft. Es wird ein Konzept zum Aufbau neuer Beratungsstrukturen in Pflegeheimen entwickelt.

In den nächsten Jahren soll sich die Landschaft der städtischen Altenpflegeheime in Nürnberg deutlich verändern, kündigt der Sozialpolitiker an. Derzeit gibt es Pläne, die bestehenden Heime neu auszurichten. Das gilt für das Heim in der Johannisstraße ebenso wie für das Anwesen in der Regensburger Straße. Auch auf dem Gelände des Sebastianspitals in der Veilhofstraße wird sich einiges tun. Die Details liegen den Fachgremien zum Teil zur Beratung vor.

Überrascht ist Prölß, dass sich für die Vermittlung häuslicher Hilfen keine zentrale Stelle in Nürnberg zuständig fühlt, die ältere Bürger hinsichtlich der Kostenstruktur und Dienstleistung berät und Anlaufstelle ist, falls Probleme auftauchen. Dieser Mangel, den einige Teilnehmer an der Pflegeveranstaltung von sechs+sechzig am eigenen Leib erfahren haben, soll möglichst schnell behoben werden, erklärt der Sozialreferent, den das Thema Pflege übrigens nach eigenem Bekenntnis in den letzten Jahren immer mehr auch emotional beschäftigt.

Das trifft auch auf die übrigen Referenten zu. Manfred Lang vom Nürnberger Stadtseniorenrat ist deutlich anzumerken, wie ihn die jahrzehntelange Diskussion über eine Verbesserung der Situation Betroffener ärgert. Er erkennt jedoch ebenso wie Christine Limbacher, ehemalige Stadträtin der SPD und Vertreterin des Sozialverbands VdK sowie Organisatorin des Pflegestammtischs, dass man die Gunst der Stunde intensiv nutzen muss, die durch die große Aufmerksamkeitswelle für das Thema Pflege momentan vorhanden ist. Jetzt ließen sich Verbesserungen nicht nur fordern, sondern auch durchsetzen, sind sie alle der Meinung. Und den Fehlentwicklungen, von denen es etliche gibt, wie die Vermarktung von deutschen Pflegeheimen als renditestarke Kapitalanlage durch Internationale Konzerne, sollte stärker entgegengewirkt werden.

Text: Petra Nossek-Bock
Foto: Kat Pfeiffer

Reiner Prölß will vor der Haustür in Sachen Pflege viel verändern.

Christine Limbacher und Manfred Lang werten die derzeitige Aufmerksamkeit für Pflege positiv.