Foto: DVR-Pressedienst Fahrrad

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Immer mehr Elektrofahrräder sind auf deutschen Straßen unterwegs, darunter auch viele Pedelecs. Diese dürfen ohne Fahrradhelm gefahren werden und erreichen mühelos bis zu 25 Stundenkilometer. Bei Unfällen mit diesen Rädern sind vor allem Senioren betroffen. Sie können oft auf plötzlich auftretende Gefahren nicht mehr so schnell reagieren wie jüngere Verkehrsteilnehmer. An der TU Kaiserslautern arbeiten Forscher jetzt daran, Radfahrer frühzeitig vor möglichen Gefahren zu warnen und in kritischen Situationen zu helfen – etwa mithilfe optischer Signale und unterstützenden Funktionen.

Über zweieinhalb Millionen E-Bikes sind Schätzungen zufolge auf deutschen Straßen unterwegs – mit steigender Tendenz. Auch die Anzahl der Unfälle ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt sind im Jahr 2014 insgesamt 39 Pedelecfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen – 32 davon waren älter als 64 Jahre. „Bei Senioren sind die motorischen Fähigkeiten eingeschränkter als bei jungen Radfahrern“, weiß Professor Brunsing vom Institut für Verkehr und Mobilität an der TU Kaiserslautern. „In bestimmten Situationen können sie nicht mehr schnell genug reagieren. Sie erkennen zum Beispiel ein plötzlich auftretendes Hindernis zu spät.“ Sind Senioren dann in einen Unfall verwickelt, sind ihre Verletzungen meist auch schwerwiegender.

Gemeinsam mit Juniorprofessor Daniel Görges, der an neuen Technologien für das assistierte und automatisierte Fahren forscht, wollen Brunsing und sein Team hier Abhilfe schaffen: Die Kaiserslauterer Forscher arbeiten an einer neuen Technik, die Radfahrer künftig vor möglichen Gefahren warnen und in kritischen Situationen unterstützen soll. „Ähnlich wie beim Auto möchten wir ein Fahrerassistenzsystem entwickeln, das riskante Situationen rechtzeitig erkennen kann“, erklärt Brunsing das Vorhaben. „Solche Fahrerassistenzsysteme werden im Auto seit vielen Jahren sehr erfolgreich eingesetzt, sind für Fahrräder allerdings bislang weitgehend unerforscht. Hier besteht ein erhebliches Forschungspotential“, erläutert Görges.

Bei der Technik sollen unter anderem Sensoren zum Einsatz kommen, die zum Beispiel die Umgebung erfassen und schneller Hindernisse aufspüren als der Fahrer, beispielsweise wenn der Radfahrer von der Straße auf einen Bürgersteig wechselt, dieser aber deutlich höher ist als die Straße. „Das System könnte den Fahrer in der Folge mit einem Farbsignal warnen. Denkbar ist aber zum Beispiel auch ein akustisches Signal“, so Brunsing weiter. „Der Fahrer soll in kritischen Situationen nicht nur gewarnt, sondern auch gezielt unterstützt werden. Hierdurch sollen sowohl Alleinunfälle als auch Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern verhindert werden. Angedacht sind beispielsweise Funktionen wie Antiblockiersysteme und elektronische Stabilitätsprogramme sowie Brems-, Spurhalte- und Spurwechselassistenz“, ergänzt Görges.

Das Forschungsvorhaben „Sicherheitsorientierte Fahrerassistenzsysteme für Elektrofahrräder“ wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für die kommenden drei Jahre aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans mit rund 400.000 Euro gefördert.