aaa-vignette Hello All, zum Glück gibt es oberste Gerichte. In Kolumbien sind das die „Cortes“. Die haben nun alle Zweifel darüber vom Tisch geräumt, ab wann sich Kolumbianer als echt alt im Sinne des „dritten Lebensabschnitts“ (tercera edad) fühlen dürfen– oder entsprechend behandeln lassen müssen. Das sind ja zwei Paar Stiefel, die auf denselben Fuß passen. Mal freut sich der Mensch, wen er in den Genuss von altersbedingten Preisreduzierungen und Sitzplätzen kommt; mal ärgert sich der selbe Mensch, so er genötigt wird, das kalendarische anstatt des inszenierten Alters anzugeben; und das womöglich auch noch in aller Öffentlichkeit. Die Richter der Cortes haben zunächst der naheliegenden Versuchung widerstanden, jemanden allgemein schon mit Anwartschaft auf Rente zu den Alten zu zählen; diese Ansprüche entstehen dort zwischen dem 57. und 63. Lebensjahr. Man darf sich in Kolumbien also gänzlich unbeschwert von Vorurteilen Rentner nennen, ohne deswegen als alt zu gelten.
Sagen Sie hier mal, „ich bin Rentner / Pensionär“. Begriffe, die eine ganze Kaskade an nicht nur schmeichelhaften oder praktischen Klischees auslösen.
Die weisen Richter in Kolumbien hingegen wählten einen unkonventionellen Weg zur Definition des wahren Alters. Sie orientierten sich an der mittleren Lebenserwartung ihrer Landsleute. Demnach überwindet die Hürde zum dritten Lebensabschnitt, dem wahren Alter, wer die durchschnittliche Lebenserwartung von 72,1 Jahren als Mann und 78,5 Jahren als Frau überschritten hat. *
Erklärt vielleicht diese Einsicht ins wahre Alter die Lebensfreude jener Südamerikaner? Für die Jüngeren Grund zur Freude, dass ihnen bis zum Alterseintritt noch gut Zeit bleibt; weit über den Rentenbeginn hinaus. Und auch für die wahren Alten jenseits jener Schwelle bleibt Grund zur Freude: sie leben schon länger als der Durchschnitt ihrer Landsleute. Wahre Alte sind echte Sieger.
So machen oberste Rechtsprechung und Altern noch richtig Spaß; ein wichtiger Beitrag zur Hochkultur in der Neuzeit.
Ihr Global Oldie