Es ist schon einige Zeit her, dass DER SPIEGEL  das Thema “Späte Eltern”  zum Haupttitel seiner Ausgabe (Nr.17 v. 19.4.14)  gemacht hat. In dem Artikel geht es um “das Kinderkriegen in der zweiten Lebenshälfte”, also um Frauen, die älter als 40 Jahre sind, wenn sie ihr erstes Kind gebären. Dabei ist der Mann zumeist auch schon jenseits der 50 Jahre.
vignette_mielenzUnsere Tochter ist 44 Jahre alt und seit einigen Jahren geschieden, ihre Ehe ist kinderlos geblieben. Wir waren darauf eingestellt, dass wir nicht mehr Großeltern werden, denn unsere Tochter hat ja das biologischen Alter für eine Erstgeburt weit überschritten. Nun hat sie einen 54-jährigen Lebensgefährten, der unbedingt noch eine Familie mit Kindern möchte. Seither möchte dies unsere Tochter auch und ist im 4. Monat schwanger. Da eine so späte Schwangerschaft durchaus Risiken hat, lässt sie sich regelmäßig untersuchen, um Komplikationen auszuschließen.
Natürlich haben wir uns Sorgen gemacht, aber gelernt, dass so späte Eltern heutzutage nicht mehr ungewöhnlich sind. Während die Zahl der Geburten von Frauen unter 30 Jahren sinkt, steigt die der über 40-jährigen.. Mehr als 4 % der Neugeborenen haben Mütter, die älter als 40 Jahre sind und fast jedes 20ste neugeborene Kind hat einen Vater, der älter als 50 Jahre ist.
Damit wird ein gesellschaftliches Phänomen deutlich, mit dem niemand gerechnet hat und das durchaus widersprüchlich betrachtet wird. So sagen die einen, dass späte Eltern in ihrem Lebenslauf “gefestigt” sind, also nicht mehr das Gefühl haben, etwas versäumt zu haben, meistens ein gutes Einkommen haben und damit ihrem Kind  mehr bieten können als junge Eltern. Späte Eltern leben zumeist in einer stabilen Partnerschaft  und empfinden  es als großes Glück, einer bislang gelungenen Biografie mit einem Kind eine neue Qualität zu geben. Hans Bertram sagt: “Späte Eltern seien vor allem eins, bessere Väter und Mütter” (zit. nach DER SPIEGEL).
Nachteile aus der Sicht insbesondere der älteren Mütter werden auch gesehen. Die wesentlichen sind, dass ältere Mütter nicht mehr unbefangen sind, sich zu sehr um ihre Kinder kümmern, sie zu sehr “behüten”, ihnen zu wenig Freiraum lassen. Sie befürchten darüber hinaus, mit zunehmendem Alter Ihr Kind nicht mehr zu “verstehen” und auch nicht mehr fit genug für gemeinsamen Aktivitäten zu sein. Überdies ist fraglich, wie sie Kind über  Schulzeit und (eventuell) Studium bringen und wie sie auf die immer wiederkehrende Frage im Kontakt mit sehr viel jüngeren Müttern im Kindergarten, auf dem Spielplatz, in der Grundschule und in den Ferien reagieren: “Ach, Sie sind die Oma?” Da muss man nicht viel drauf geben, aber dieser Eindruck bei anderen macht das eigene Alter schon mal recht deutlich.
Großeltern fehlen häufig, wenn die Kinder erst spät Eltern werden. Sie sind vielleicht schon verstorben, pflegebedürftig oder zu alt, noch intensiven Kontakt zu den Enkelkindern zu entwickeln. Na, soweit sind wir noch nicht, aber wir wissen sehr wohl, dass es fraglich ist, ob wir unser künftiges Enkelkind noch bis zum Erwachsenenalter begleiten können. Wie dem auch sei, erst mal freuen wir uns sehr, dass wir bald Großeltern werden.