Biker Werner vom Busch prüft, wo er mit seinem Motorrad über die Alpen kommt. Foto: Michael Matejka

Biker Werner vom Busch prüft, wo er mit seinem Motorrad über die Alpen kommt.
Foto: Michael Matejka

Viele Freunde und Bekannte runzelten die Stirn, als ich (67) es tat. Aus ihremGesichtsausdruck las man den Kommentar: »Jetzt spinnt er!« Ich hatte mir eine Honda-Deauville gekauft. Für Unwissende: Es handelt sich um ein Motorrad, eine Reisetouring-Maschine, benannt nach einem berühmten französischen Badeort. Dem Kauf vorausgegangen waren die stundenlange Lektüre einschlägiger Internetseiten, innere Kämpfe und Prüfungen, vergleichbar denen vor einer Verlobung: »Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bess‘res findet.«
Am Ende aller Überlegungen wurde es also eine Honda, vor allem, weil eine BMW mein Budget sprengen würde, von Harley-Davidson mal ganz zu schweigen. Nach Jahren motorradlerischer Enthaltsamkeit (aber immer Vespa), möchte ich es noch einmal wissen. 2500 Kilometer durch Österreich, Slowenien, Italien und zurück – diesen Traum habe ich mir inzwischen erfüllt. Das »Moped« – so heißt das bei uns Bikern (keiner sagt »Motorrad« allenfalls mal »Maschine«) – läuft wie eine Nähmaschine, nur lauter.
Bevor es losging, habe ich in der Fahrschule ein paar Probestunden mit Kurvenfahren, Bremsen auf Sand und so weiter absolviert – und ja, ich geb’s zu, einmal ist mir meine Honda, rund 240 Kilogramm schwer, auch mal umgekippt. Leute wie mich, die nach Jahren wieder auf ein Motorrad steigen, gibt es viele. Das merke ich auf meiner langen Tour in Richtung Süden. Auf einem Rastplatz bei Villach treffe ich Heinz und Rosi, beide über Sechzig, er stilgerecht mit eisgrauem Schnauzer und, jawohl, Nieten auf der Lederjacke mit Fransen dran, seine Ehefrau im Partnerlook. Die beiden fahren seit Jahren, sind routiniert und erzählen gerne von ihren Touren nach Spanien, Italien und sogar nach Griechenland. Solche Riesentrips tun sie sich heute allerdings nicht mehr an. »Das ist uns einfach zu viel Stress« , meint Heinz, während er seine verspannte Schulter mit Rollübungen lockert. Eine Woche bis zehn Tage, das erfahre ich auch von anderen Bikern, ist die durchschnittliche Touring-Zeit. Alles, war darüber hinausgeht, ist eher die Ausnahme.
Warum? »Zu anstrengend! Außerdem müssen wir da zu viel mitschleppen«, sagt Sepp (63) aus der Nähe von Landshut, den ich kurz hinter Bled in Slowenien auf einem Rastplatz treffe. Außerdem müsse man ja auch gelegentlich nach dem eigenen Haus schauen, fügt seine Frau Petra hinzu, sie wolle außerdem nicht zu lange weg von den Enkeln sein. Die beiden sind vor ein paar Jahren wieder auf den Geschmack gekommen, fahren jetzt eine BMW 1000er-Reisetouring und wollen noch biken, solange es geht. Und es geht wunderbar, wie auch ich immer wieder spüre. Beim Fahren rieche ich
die frischgemähten Wiesen, sehe die Berge in ihrer ganzen Pracht und nicht nur im Ausschnitt des Autofensters. In Italien kommt dann noch der würzige Duft der Pinien und ein süßer Hauch dazu, wenn ich an einem Feigenbaum vorbeifahre – und am Meer dann der salzige Geruch der See.
Natürlich ist Biken anstrengender als Autofahren, es hat seine Nachteile. Zum Beispiel ist es nicht jedermanns Geschmack, in Tunnels an lärmenden Lastern vorbeizuziehen. Dauernd muss der Motorradfahrer die Fehler anderer Verkehrsteilnehmer vorausberechnen, schließlich hat er als Knautschzone nur seine Nase. Ich selbst habe den Rückenprotektor zu Hause gelassen – wohin damit, wenn ich mal unterwegs was anschauen will? Außerdem rede ich mir dieses Manko mit folgendem Argument schön: Früher hat es das auch nicht gegeben!
Wohin man auch kommt, ein paar andere Mopeds sind immer schon da. Es gibt sie schließlich noch, die Bikergemeinde, die untereinander Tipps austauscht, Tourenvorschläge macht, mal ein Bier zusammen trinken geht und sich auf offener Strecke mit Handzeichen grüßt. Easy Rider in der Senioren-version. Ich kann nur sagen: Es macht Spaß!
Werner vom Busch
Foto: Michael Matejka
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