Ab einem bestimmten Alter bedarf es oft neuer Karrierewege in einem Unternehmen, die besser auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer zugeschnitten sind. Foto: epd

Ab einem bestimmten Alter bedarf es oft neuer Karrierewege in einem Unternehmen, die besser auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer zugeschnitten sind. Foto: epd

Wie kann man die Kompetenzen und Erfahrung älterer Mitarbeiter im Betrieb halten, wenn die nachlassenden Kräfte eine Weiterbeschäftigung auf dem ursprünglichen Arbeitsplatz nicht mehr ermöglichen? Erziehungswissenschaftler der Universität Stuttgart gehen dieser Frage nach und wollen den Maschinen- und Anlagenbau „demographiefest“ machen.
Angesichts des demographischen Wandels ist diese Frage gerade für den personalintensiven Servicebereich von Industrieunternehmen eine große Herausforderung. Erziehungswissenschaftler der Universität Stuttgart erforschen gemeinsam mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wirtschaftspartnern Lösungen dazu. Ihr Ziel ist ein Lern- und Transferkonzept, das altersspezifischen Bedürfnissen gerecht wird und den Wissensaustausch zwischen älteren und jüngeren Servicetechnikern im Bereich industrieller Dienstleistungen unterstützt.
Industrielle Dienstleistungen wie Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten sind für den Maschinen- und Anlagenbau zu einem zentralen Geschäftsfeld geworden. Die Mitarbeiter müssen neben fachlichem Können verstärkt auch methodische und soziale Kompetenzen mitbringen – Fähigkeiten also, die in der Branche bisher weniger im Fokus standen. Zudem muss man für den Job in hohem Maße mobil und belastbar sein – Anforderungen, die viele erfahrene Servicetechniker ab einem bestimmten Alter nicht mehr erfüllen können oder wollen. In einer älter werdenden Gesellschaft führt dies immer häufiger zur Frühverrentung oder zu einem Wechsel in neue Aufgabenbereiche. In beiden Fällen gehen wertvolle Kompetenzen für den Servicebereich verloren. Es besteht daher ein dringender Bedarf an Transfer- und Entwicklungskonzepten, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter zu sichern, ihre Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln, neue Karrierewege innerhalb des Unternehmens zu schaffen und den Kompetenztransfer zu den Jüngeren sicher zu stellen.
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Verbundprojekt mit dem Titel „Lebensphasenorientiertes Kompetenzmanagement und Arbeitsgestaltung im Bereich industrieller Dienstleistungen“ (EPO-KAD) das Ziel, Maschinen- und Anlagenbauer auf den demografischen Wandel im Bereich industrieller Dienstleistungen vorzubereiten. Hierzu haben sich das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Stuttgart sowie das International Performance Research Institut (IPRI) zusammengetan. Zu den Praxispartnern gehören die Firmen Voith Industrial Services und TRUMPF sowie das IHK-Bildungshaus der IHK Region Stuttgart und das Festo Lernzentrum Saar. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, wobei sich die Gesamtkosten des Projekts auf rund 2,9 Millionen Euro belaufen.
Für die Umsetzung der Projektziele müssen neue Lern- und Transferumgebungen geschaffen werden. Diese sollen einerseits dazu anregen, das technologische Fachwissen weiterzuentwickeln und auch die sozialen Kompetenzen fördern. Wichtig ist dabei, dass alle Mitarbeiter befähigt sind, ihr spezifisches Wissen im Kontext industrieller Dienstleistungen weiterzugeben. Die Kompetenz des Lehrens ist daher ebenso angesprochen wie die des Lernens. Für beides soll ein ServiceLernLab entwickelt werden, das altersspezifischen Bedürfnissen gerecht wird und insbesondere den Wissenstransfer zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern unterstützt. Hierfür wird das erfolgreiche Konzept der Lernfabrik des Lehrstuhls Berufspädagogik mit Schwerpunkt Technikdidaktik (BPT) auf industrielle Dienstleistungen übertragen.