vignette_nosseck_bockEs ist schon erstaunlich, was inzwischen alles möglich ist. Während die Menschen in Deutschland in den zurückliegenden Jahrhunderten auf Friedhöfen bestattet wurden, hat sich im 21. Jahrhundert eine ungewöhnliche Vielfalt der Bestattungsrituale entwickelt. Es gibt inzwischen Baumbestattungen, das Verstreuen der Asche aus dem All, im Fluß oder neuerdings, auf dem heiligen Rasen des Fußballclubs, dessen Fan man ein Leben lang war. Ich bin gerade über ein solches Angebot gestolpert. Schalke 04 hat jetzt extra ein Stück auf dem Gelände abgetrennt, um dort die Fans zur ewigen Ruhe zu betten. Wie man hier nachlesen kann.
Es handelt sich sicher um Urnengräber. Das heißt, die Asche der Toen ist handlich verpackt. Von ihr geht keinerlei Gesundheitsgefahr mehr aus. Aber trotzdem finde ich es erstaunlich, wozu wahre Liebe fähig ist. Den Fußballclubs beschert das zusätzliche Einnahmen. Die meist städtischen Bestattungsmitarbeiter sehen sich plötzlich einer neuen Konkurrenz ausgesetzt.
Wenn man bedenkt, wie viele Menschen in ein Fußballstation passen, ist es eine Frage der Zeit, bis ein großes Gräberfeld das Stadion umrahmt. Noch ist die Zahl der Gräber begrenzt. Aber da sich eine eigene Firma unter dem Dach von Schalke 04 um das Geschäft kümmert, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Kapazitäten ausgeweitet werden.
Ich persönlich finde das eher geschmacklos. Einen Mensch auf sein Dasein als Fußballfan zu reduzieren. Ob die Angehörigen wohl sehr glücklich mit dem Wunsch des Verstorbenen sind, sich dort beisetzen zu lassen? Der Bericht, auf den ich mich beziehe, verschweigt auch, ob es ein anonymes Gräberfeld in den Farben des Fußballclubs ist oder eine Gedenktafel wenigstens die Namen der Getreuen aufführt.
Mich iritiert der zunehemdne Wunsch, anonym von der Welt zu verschwinden.
Wie heißt es so schön auf den Trauerkarte. Jeder Mensch hinterlässt Spuren. Das war früher sogar ein Trost. Heute wollen immer mehr Menschen, diese Spuren gleich verwischen.