Nur wenige pflegende Angehörige nehmen Kuren in Anspruch. Foto: epd

Nur wenige pflegende Angehörige nehmen Kuren in Anspruch. Foto: epd

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland betreuen ihre pflegebedürftigen Angehörigen in den eigenen vier Wänden – zum Teil unter enormen psychischen und körperlichen Belastungen. Vor allem für diejenigen, die Beruf und Pflege miteinander vereinbaren müssen, ist die Belastungsgrenze schnell erreicht. Einer aktuellen Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zufolge, leiden knapp 60 Prozent der erwerbstätigen Pflegenden in Vollzeit unter Erschöpfungszuständen. Bei den Befragten, die in Teilzeit beschäftigt sind, fühlt sich immerhin fast jeder zweite erschöpft. Die mangelnde Inanspruchnahme von Entlastungsangeboten hat auch Folgen für die Gesundheit: Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen leide wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge an Muskelverspannungen. Jeder fünfte zeige sogar depressive Symptome oder Schlafstörungen, so Suhr.
Die Frage, warum pflegende Angehörige eher selten Angebote der Entlastungspflege in Anspruch nehmen, ist bislang noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht worden. Es gibt lediglich Hinweise. Nach Einschätzung des ZQP wissen viele pflegende Angehörige nicht, wie sie sich eine kurze „Auszeit von der Pflege“ organisieren können. Eine erste Anlaufstelle bei Fragen zur Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege sowie spezielle Urlaubstipps bietet beispielsweise die Pflegeberatung. Hier erhalten Ratsuchende unabhängige und kostenlose Informationen. Damit die
Suche nach einer wohnortnahen Beratung leichter fällt, hat die Stiftung auf ihrer Internetseite eine Datenbank zu den deutschlandweit rund 400 Pflegestützpunkten und der aufsuchenden
Pflegeberatung veröffentlicht.
Umfangreiche Informationen zur Entlastungspflege und den Zugang zur Pflegeberatungsdatenbank finden Sie unter www.urlaub.zqp.de.
Zum Hintergrund:
Pflegende Angehörige haben unterschiedliche Möglichkeiten, um sich eine kurze Auszeit von der Pflege zu nehmen: Soll die Betreuung im eigenen Zuhause – beispielsweise während der Urlaubszeit – fortgesetzt werden, kann die sogenannte Verhinderungspflege beantragt werden. Die Verhinderungspflege kann durch eine vertraute Person (Angehörige, Freunde, Nachbarn), durch einen ambulanten Pflegedienst oder auch in stationären Einrichtungen erfolgen. Eine weitere Alternative ist die Kurzzeitpflege, die von Pflegeheimen oder Seniorenresidenzen angeboten wird. Sie kann im Anschluss
an eine stationäre Behandlung oder in sonstigen Krisensituationen, in denen häusliche Pflege nicht möglich ist, erfolgen. Sowohl für die Verhinderungs- als auch für die Kurzzeitpflege zahlt die Pflegekasse für längstens vier Wochen im Jahr einen Betrag in Höhe von maximal 1550 Euro. Neben traditioneller Verhinderungs- und Kurzzeitpflege gibt es
zunehmend mehr Urlaubsangebote, die Pflegebedürftige mit ihren pflegenden Angehörigen gemeinsam wahrnehmen können.