vignette_nosseck_bockIn letzter Zeit sehe ich in unserer Siedlung immer häufiger alte, meist gebrechliche Menschen in Begleitung von Frauen, die sehr freundlich grüßen. Ich vermute mal, es handelt sich bei ihnen um Pflegekräfte aus Osteuropa. Sie strahlen häufig eine große Geduld aus. Eine von ihnen schiebt eine ältere Dame, die im vergangenen Jahr noch aus eigener Kraft die Runde schaffte, im Rollstuhl an unserem Haus vorbei. Es sind immer wieder andere Frauen, doch der Typ ähnelt sich: nicht mehr ganz jung, meist gestandene Frauen. Und das soll jetzt mein neues Feindbild sein?
Diese Frauen sind bestimmt nicht schlecht bezahlt und leisten einen wertvollen Dienst, zumal der gebrechliche Mensch in seiner Umgebung bleiben kann.
Nun hoffe ich, dass nicht bürokratische Spitzfindigkeiten dafür sorgen, dass den betroffenen Familien dieser Weg der Entlastung und zugleich Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen auf mittlere Sucht versperrt wird.
In dem eingangs zitierten Artikel erklären Verbraucherschützer, dass es sehr schwierig für Privatpersonen sei, alle Vorschriften einzuhalten, wenn sie eine pflegekraft aus Osteuropa beschäftigen. daher werden sei sehr schnell straffällig, wenn sie gegen eine dieser arbeitsrechtlichen oder anderen Bestimmungen verstoßen, heißt es.
Ich finde es traurig, dass man Menschen, die wegen der Situation ohnehin schon unter einem hohen moralischen Druck stehen, auf diese Weise noch mehr die Daumenschrauben anlegt.
Sicher war das von den im Artikel zitierten Verbraucherschützerinnen nicht so gemeint. Aber letztlich bleibt der Leser, die Leserin mit der Erkenntnis zurück, dass sich die Angehörigen entweder selber bis zum Zusammenbruch um den Kranken kümmern können. Das ist legal. Oder sie geben ihn in ein teures Heim, das ist ebenfalls rechtlich unbedenklich.
Ich finde, man sollte endlich aufhören, immer neue Vorschriften zu erfinden, die solche pragmatischen Lösungen wie die polnische Pflegekraft zuhause, erschweren und den Menschen es eher erleichtern, eine solche Kraft zu beschäftigen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich im Alter eine solche Pflegekraft mit meinen Nachbarn gemeinsam beschäftige. Das wäre sicher eine gute Lösung und nicht teurer als ein Heimplatz. Hoffentlich ist das bis dahin nicht illegal, so dass ich im hohen Alter noch kriminell werde.
uebrigens hatte der Welt/ Artikel innerhalb weniegr Stunden mehr als 90 Kommentare. Meiner gefiel vielen anderen Lesern. Also es lohnt sich doch, wenn man sich zu Wort meldet.