Der Sommer brachte es ans Licht: unsere Enkelkinder haben viel häufiger Tätowierungen an den Armen, an den Beinen, über die Schulter oder sogar den ganzen Hals hinauf als dies noch vor einem Jahr zu sehen war.
So auch unsere jetzt 20-jährige Enkeltochter: Begonnen hat es mit einem Tatoo um den Knöchel herum – so wie man früher ein Kettchen um die Fessel trug (mein Mann findet das auch heute noch schön). Als es so warm wurde und unsere Enkeltochter ein Shirt mit dünnen Trägern trug, glaubte ich es nicht – ihren ganzen Rücken hat sie mit verschiedenen Motiven in bunten Farben tätowieren lassen.
Darauf angesprochen habe ich sie nicht. Mein Entsetzen hat sie aber wohl bemerkt, denn sie erklärte mir, dass diese Tätowierungen “voll in” seien und alle jungen Frauen, die sie kennt, sich auch haben tätowieren lassen.
Dass sie mit diesen Tatoos ihr ganzes Leben leben muss, das weiß sie natürlich.
Nach einer repräsentativen Emnid-Studie trägt in Deutschland jeder Zehnte ab 14 Jahren ein Tatoo. In der Altersgruppe der 30- bis unter 40-jährigen sind es sogar 23 Prozent, ab einem Alter von 60 Jahren haben sich nur 2 Prozent Tatoos stechen lassen. Überdies stand in der Studie zu lesen, dass je ärmer die Leute sind, desto mehr lassen sie sich tätowieren.
Nun, zu den Armen gehört meine Enkeltochter nicht. Gerade deswegen frage ich mich, warum sie einem solchen, nicht mehr reparablen Körperkult folgt? Mit einer “Modeerscheinung” kann das ja nichts zu tun haben, wenn die gestochenen Motive dauerhaft sin?