Warum funktonieren manchmal die Beziehungen zwischen eigentlich fremden, also nicht “blutsverwandten” Menschen so viel besser als in unserer Familie, in der wir doch alle (richtig) verwandt sind? Unsere Enkelkinder leben in der Nähe, aber wir sehen sie kaum – und wenn, dann sind unsere Zusammentreffen eigentlich immer etwas angespannt. Wir werden kaum begrüßt, Freude uns zu sehen wird so gut wie nie ausgedrückt, wir werden nichts gefragt, nicht einmal wie es uns geht, was wir so machen oder welche Pläne wir für den Sommer haben.
Ganz anders ist es mit unseren “Nachbarenkeln”. Zwischen ihnen und uns hat sich ein gutes Verhältnis und sowas wie Nähe entwckelt. Angefangen hat es mit unseren “Großelterndiensten”. Wenn die Eltern, also unsere Nachbarn, was vor hatten, ein Elternteil auf Reisen war oder einfach spontan auf die Kinder aufgepaßt werden mußte, haben wir diese Aufgaben gerne übernommen. Daraus hat sich mit der Zeit eine “Wahlverwandtschaft” entwickelt. Mit den Kindern was zu unternehmen, macht uns (und ihnen) großen Spaß, die Eltern hin und wieder zu entlasten, tut denen auch gut und am Abend mal beieinander zu sitzen und über Alltägliches zu reden, gibt uns Leih-Großeltern das Gefühl der Zugehörigkeit.
Warum stellt sich dieses Gefühl in unserer Familie nicht ein? Vielleicht liegt es daran, dass unsere Kinder (und damit auch die Enkelkinder) und wir in unserer Familiengeschichte doch ein paar unausgesprochene Probleme haben?
In unserer Wahlverwandtschaft gibt es keine langen gemeinsamen Lebensphasen und von möglichen Familiengeschichten sind wir ganz unbelastet. Egal – wir freuen uns jedenfalls darüber, dass unsere wahlverwandten Enkelknder freudig und zugewandt mit uns umgehen.