Im Herbst lockt das Markgräflerland mit schönen Wandertouren. Auch für Radfahrer gibt es lohnende Ziele mit einer Weinprobe als Höhepunkt.

Als herbstliche Entdeckungstour besonders empfehlenswert ist die ÖkoRegio-Tour durchs Markgräflerland. Denn dann kommt in die Keller, was den Sommer über vor der Kulisse des Schwarzwalds gereift ist: Trauben, aus denen leichte und elegante Weißweine – allen voran der Gutedel – sowie aromenreiche Spätburgunder Rotweine erzeugt werden. Und immer öfter stammt dieses Lesegut aus dem ökologischen Weinbau. Das Markgräflerland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum des umweltschonenden Weinanbaus entwickelt: Mehr als 30 Weingüter bewirtschaften ins-gesamt rund 100 Hektar Rebfläche nach den Richtlinien des Bundesverbands ökologischer Weinbau (ECOVIN). Nirgendwo sonst gibt es in Deutschland so viele Öko-Winzer in einer Weinregion. Sie laden auf der ÖkoRegio-Tour zu interessanten Einblicken in ihre Arbeit ein. Darüber hinaus gilt es malerische Winzerdörfer, alte Weinberge und geheimnisvolle Hohlwege zu entdecken.
Die ÖkoRegio-Tour, die das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium, der Naturschutzbund NABU und ECOVIN entwickelt hatten, erstreckt sich über eine Länge von 45 Kilometer für Radler und rund 20 Kilometer für Wanderer. Auch für eine umweltfreundliche Anreise sind alle Voraussetzungen geschaffen worden. Wer von Freiburg aus mit dem Zug ins Markgräflerland fährt, kann nach Belieben an den Bahnhöfen Heitersheim, Buggingen oder Müllheim aussteigen und wird von dort über das ausgebaute Netz der Wegeschilder mit den bunten Fußstapfen auf die Route gelotst. Den Tourenplaner zur ÖkoRegio-Tour gibt es bei den örtlichen Touristinformationen oder bei ECOVIN Baden.
Wein und Kultur liegen im Markgräflerland dicht beieinander. Entlang der Route präsentiert sich an rund 30 Stationen ein breites Spektrum an Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die römischen Ausgrabungen in der „Villa Urbana“ in Heitersheim und das Naturschutzgebiet Castellberg bei Ballrechten-Dottingen mit seinen sanierten Trockenmauern und Steintreppen sowie mit den besten Weinsteil-lagen des Markgräflerlands. Das ehemalige Bergwerkstädtchen Sulzburg überrascht mit historischem Marktplatz, mit der ehemaligen Synagoge im Weinbrenner-Stil und der ottonischen Pfeilerbasilika St. Cyriak. Ein weiteres Kleinod sind zwei idyllische Weiler mit malerischen Winkeln und Kirchen: Betberg, wo sich eine der ältesten Kirchen der Region befindet, und St. Ilgen, das sich mit einer gotischen Wallfahrtskirche schmückt. Weitere interessante Stationen sind das Weinetiketten-Museum in Zunzingen sowie das Markgräfler Museum in Müllheim, das einen eindrucksvollen Einblick in die Kultur und die Geschichte der Region und des Weinbaus gibt.
Ökologischer Weinkulturpfad
Weinkenner kommen auf dem Ökologischen Weinkulturpfad, der in die ÖkoRegio-Tour integriert ist, auf ihre Kosten. An 13 Stationen erfahren sie auf der 15 Kilometer langen Strecke, wie Biowinzer im Weinberg arbeiten und was die Qualität von Bioweinen auszeichnet. Wer es noch genauer wissen will, wie es im ökologischen Weinbau zugeht, kann dies hautnah bei der Weinlese miterleben. Das Weingut Zähringer in Heitersheim bietet zum Beispiel am 1. Oktober eine Kundenweinlese an. Der erlebnisreiche Tag umfasst neben der Lese auch ein warmes Mittagessen im Weinberg, eine Kellerführung und zum Abschluss des Tages eine gemütliche Weindegustation mit Vesper. Der Preis pro Person beträgt 30 Euro. Eine Anmeldung isterforderlich. Darüber hinaus laden auf der Tour mehrere Weingüter zu einer kleinen Verkostung ein. Darunter auch das Weingut Wendelin Brugger im malerischen Weinort Laufen, wo die Öko-Pioniere zuhause sind. Seit rund 30 Jahren betreiben die Bruggers ökologischen Weinbau in Reinform.
Auch die irdischen Genüsse kommen auf dieser Tour nicht zu kurz. Wer sich von den Anstrengungen am Tag erholen will, findet in den nahen Thermen in Bad Bellingen und Badenweiler ein modernes und breit gefächertes Wellnessangebot. Und was die kulinarische Seite betrifft, läuft das Markgräflerland gerade im Herbst zur Bestform auf. So locken Feste auf Weingütern und die Straußenwirtschaften entlang der Strecke wie etwa die „Sulzbachstraußi“ auf dem Ecovin-Weingut Fritz Lampp in Heitersheim zu den typischen Spezialitäten der Saison ein. Der Klassiker: „Zwiebelewaihe“ (Zwiebelkuchen) mit „Neuem Süßen“. Spätestens danach wird jeder Wanderer und Radler wahrscheinlich noch genauer als Johann Wolfgang Goethe wissen, warum er gerade Urlaub in einem glücklichen Land macht.