
Ob in tropischen Regionen wie Thailand, am Mittelmeer oder an Nord- und Ostsee: An jeder Küste dieser Welt findet man Plastikmüll. Rund 150 Millionen Tonnen schwimmen laut wissenschaftlichen Schätzungen aktuell in unseren Ozeanen. Und jedes Jahr wird die Plastikflut größer – um bis zu 19 Millionen Tonnen. Im Jahr 2050 könnte es laut UN mehr Plastik im Meer geben als Fische. Der Zerfall dauert bis zu 500 Jahre, und Mikroplastik findet sich bereits heute in erschreckender Konzentration in unseren Körpern, warnt unter anderem die Meeresschutz-Organisation »One Earth – One Ocean«.
Diese Problematik bewegt die Nürnbergerin Anke Jung seit Jahren. Ganz unmittelbar und so krass wie nie zuvor wurde sie damit aber bei einem vermeintlich entspannenden Strandurlaub in Thailand konfrontiert. Das war 2023 – als die heute 47-Jährige zwar schon wusste, dass sie eine gemeinnützige Stiftung gründen will, aber noch mitten in der Findungsphase war, was der Stiftungszweck sein sollte. Die eigentlich idyllische Insel Koh Jum wurde zum Ausgangspunkt für die Gründung des Stiftungsfonds »Anke Jung Arten- und Umweltschutz Stiftung« ein Jahr später, im März 2024. Er wird in der HypoVereinsbank Stiftergemeinschaft geführt.
Mit ihrer Stiftung konzentriert sich die frühere Unternehmerin Anke Jung nicht auf Nürnberg, sondern wirkt von Nürnberg aus quasi in die ganze Welt. Der Stiftungszweck geht jeden Einzelnen an, weil er die essenziellen Lebensgrundlagen vor allem dem Schutz der Meere und der darin lebenden Arten in den Mittelpunkt stellt. Er soll alle daran erinnern, welche Verantwortung der Einzelne für den Planeten hat. Die Stiftungsinitiative Nürnberg zeichnet die Umwelt- und Bioingenieurin am 23. Juli 2026 für ihr Engagement mit dem Nürnberger Stiftungspreis aus.
Sie verkaufte das Familienunternehmen
Doch wie kam die Preisträgerin überhaupt dazu, mit noch nicht einmal 50 Jahren eine Stiftung zu gründen? Schon sehr lange unterstützt sie verschiedenste Tier- und Umweltschutzprojekte mit Spenden, aber auch soziale Organisationen, die sich zum Beispiel um Kinder kümmern. Ihr Beitrag fürs Gemeinwohl war ihr persönlich schon immer sehr wichtig. Aber erst als sie die Entscheidung traf, das einst von ihren Eltern gegründete Familienunternehmen zu verkaufen, sah sie eine Chance, noch mehr für unsere Gesellschaft zu tun – und dies auch erstmals aktiv statt wie zuvor passiv. Der Verkauf der Firma, in der sie 14 Jahre als Geschäftsführerin tätig war, fand 2022 statt.
»Schon damals hatte ich das Bedürfnis, der Gesellschaft etwas von meinem eigenen Erfolg zurückzugeben. Ich hatte immer sehr viel Glück im Leben mit allem und all den Menschen, die mir begegnet sind«, sagt Anke Jung, die mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Nürnberger Stadtteil Zerzabelshof lebt. Durch die Veräußerung der Firma sei ein größerer Geldbetrag freigeworden. Gemeinsam mit ihren Finanzberatern bei der HypoVereinsbank entstand die Idee, nicht gleich eine eigenständige Stiftung zu gründen, die einen hohen Verwaltungsaufwand und auch in der Regel ein Stiftungskapital im hohen sechsstelligen Bereich erfordert. Sie hat sich für einen Stiftungsfonds innerhalb der HypoVereinsbank Stiftergemeinschaft entschieden, wobei diese die Verwaltungsarbeit übernimmt.
Organisationen in Deutschland im Fokus
Sie selbst hat einen substanziellen Betrag eingebracht, der im Stiftungsvermögen bleibt. Mit den jährlichen Erträgen daraus sowie mit privaten Spenden, für die sie künftig verstärkt werben möchte, wählt sie selbst einmal im Jahr Organisationen mit Sitz in Deutschland aus, die Projekte entsprechend den Förderschwerpunkten der Stiftung vorantreiben. Diese sind breit gefasst: der Schutz der Artenvielfalt in den Ozeanen, insbesondere der Schutz mariner Ökosysteme, die Bekämpfung globaler Umweltbelastung, zum Beispiel durch Projekte gegen Plastikmüll, sowie das Engagement für terrestrischen Umweltschutz. Dadurch ist in Zukunft vieles möglich.
Im Moment hat sich die 47-Jährige mit der noch jungen Stiftung auf die Bekämpfung des Plastikmülls in den Meeren fokussiert und unterstützte im ersten Stiftungsjahr die Organisation »One Earth – One Ocean« mit Sitz in München. Die mehrfach ausgezeichnete Organisation reinigt mit speziellen Katamaranen Meere und Binnengewässer weltweit vom Plastikmüll, vor allem aber in Südostasien – der Ausgangspunkt für den Stiftungszweck.
Jeden Tag wurde neuer Müll angeschwemmt
Anke Jung war mit ihrer Familie und der ihrer Schwester mit insgesamt sechs Kindern 2023 auf der erwähnten Insel Koh Jum vor der Küste von Krabi. Ihr Strandhotel war sauber, der Strand davor ebenfalls. »Doch als ich ein bisschen weitergewandert bin, kam mir das ganze Übel entgegen«, erinnert sie sich noch heute mit einem Schaudern. Jeden Tag wurde neuer Müll angeschwemmt. »Mich hat das enorm geschmerzt, ich konnte den Urlaub überhaupt nicht genießen und wollte abreisen«, erzählt die sonst sehr lebensfroh wirkende Ingenieurin. »Es war wirklich deprimierend, das hat mich in ein tiefes Loch gezogen – vor allem zu sehen, wie selbstverständlich Plastikmüll inzwischen vielerorts geworden ist.« Sie wurde aktiv, sammelte jeden Tag in angeschwemmten Kisten den Müll und gab ihn im Hotel ab. Auch die Kinder sammelten irgendwann mit.
Da sie zu dieser Zeit schon auf der Suche nach möglichen Organisationen war, die sie mit einer Stiftung unterstützen könnte, fiel die Wahl auf »One Earth – One Ocean«, eine Art »Müllabfuhr der Meere«. Die Auswahl der geförderten Projekte kann sich künftig ändern, auch die Unterstützung mehrerer Organisationen ist denkbar. So hat Anke Jung etwa bereits die Meeresschutz-Initiative Sea Shepherd im Blick. Derzeit hält Jung den Kampf gegen den Plastikmüll für sehr wichtig. »Denn die Ozeane machen 90 Prozent unseres Lebensraums aus, sind wichtige Sauerstofflieferanten und bestimmen letztlich unser Klima«, sagt sie.
Dazu gehöre es auch, den eigenen Konsum zu überdenken, ohne gleich sein ganzes Leben umwerfen zu müssen. »Jeder kann seinen Teil zum Meeres- und Artenschutz beitragen«, ist Jung überzeugt. Sie hat sich auch in ihrem neuen Beruf der Umwelt verpflichtet: Sie ist heute selbstständig im Bereich Gebäudesanierung tätig, möchte möglichst viel alte Substanz erhalten und nachhaltig bauen. Doch egal, ob durch den Kauf von Bio-Produkten, weniger Plastikmüll und/oder Spenden an Organisationen oder ehrenamtliche Mitarbeit in diesem Bereich: Möglichkeiten gibt es viele, Anke Jung hat ihren Weg gefunden und inspiriert jeden dazu, auf seine Weise einen eigenen Beitrag zu leisten.
Text: Stephanie Rupp
Fotos: Michael Matejka; privat




