Ursula Krakenberger hat in der Altenhilfe Erfüllung gefunden. Foto: Kat Pfeiffer

Würde und Wärme in das Leben alter Menschen zu bringen, das haben sich Ursula und Ernst Krakenberger zur Lebensaufgabe gemacht. Mit seinen großzügig ausgestatteten Stiftungen Laurusstern e.V. und Laurusberg e.V. hat das Ehepaar einen bedeutenden Teil seines Vermögens selbstlos eingesetzt und sein Vermächtnis auf den Weg gebracht. Für ihr besonderes Engagement sollen die beiden mit dem diesjährigen Stifterpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet werden. Er wird seit 2014 regelmäßig an Stifter-Persönlichkeiten verliehen, die mit ihrem Einsatz dazu beitragen, Nürnberg noch lebenswerter zu machen. 

Der Zweck der Stiftung Laurusstern – geübte Scrabblespieler finden alle Buchstaben für Ursula und Ernst im Namen – mutet durchaus etwas eigenwillig an: Zu einem Drittel gehen die erwirtschafteten Erträge an den Nürnberger Altenhilfeverein »Leben in Verantwortung (LiV)«, zu einem weiteren Drittel werden verschiedene israelische Umwelt- und Sozial-Stiftungen und auch einige hiesige regionale gemeinnützige Vereine unterstützt. Das letzte Drittel fließt in Rücklagen. 

Wer diesen Mix verstehen will, muss sich mit der Lebensgeschichte der Krakenbergers auseinandersetzen. Ernst Krakenberger entstammt einer Nürnberger jüdischen Familie. Als er kurz vor Weihnachten 1940 im holländischen Exil geboren wird, zeichnet sich bereits ab, dass auch die Niederlande, in die seine Eltern 1939 vor den Nazis flüchteten, nicht mehr sicher sind. Als der kleine Ernst zwei Jahre alt ist, kann er bei einer Deutsch-Niederländischen Familie unterkommen – der ebenfalls ausgewanderten Bankiersfamilie Stockmann. Er wird als der uneheliche Sohn der 17-jährigen Tochter Margret ausgegeben. Die Eltern werden in die Konzentrationslager Vught und Westerbork in den Niederlanden, nach Bergen-Belsen und zum Schluss Biberach deportiert.

Zurück in die Heimat der Vorfahren

Ernst Krakenberger handelte erfolgreich mit Hopfen. Foto: Kat Pfeiffer

Wie durch ein Wunder kommen die Eltern mit dem Leben davon. »Dass mein Vater überlebt hat, hat er wahrscheinlich nur seiner Ehefrau zu verdanken. Sie sah mit ihren blonden Haaren und blauen Augen sehr arisch aus und konnte deswegen in der Küche arbeiten. Ab und zu hat sie dem Vater eine Kartoffel zustecken können«, erzählt Ernst Krakenberger. Als die Eltern 1945 zurückkommen und Ernst zu sich nehmen, sind sie Fremde für ihn. Über ihre Erlebnisse aus diesem dunklen Kapitel geben sie wenig preis.

Die Familie bleibt zunächst in den Niederlanden, wo Ernst Krakenberger eine gute Ausbildung erhält. Seine Eltern sind keine gläubigen Juden; aus Dankbarkeit und auf Bitte der Familie Stockmann lassen sie Ernst katholisch taufen. Ab Ende der 1940er Jahre nimmt der Vater mit seinem Vetter in England den Hopfenhandel, den sein Onkel Samuel um 1860 gegründet hatte, wieder auf. Dafür kommt die Familie regelmäßig nach Nürnberg. Ernst zieht deshalb 1966 schließlich ganz in die Heimat seiner Vorfahren. 

Im Café Bijou funkte es

Nach Nürnberg ist zu dieser Zeit schon wieder etwas Leichtigkeit zurückgekehrt. Die jungen Leute gehen gerne zum Tanz, etwa in den Reichelsdorfer Keller oder ins schicke Café Bijou am Spittlertorgraben. Hier trifft der junge Mann mit dem charmanten holländischen Akzent Anfang der 1970er Jahre auf die sieben Jahre jüngere Ursula.

Sie ist Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Französisch. »Mein Mann war eher konservativ«, erzählt Ursula Krakenberger und schaut ihn mit einem Lächeln an, »er wollte, dass ich aufhöre zu arbeiten. Anders hätten wir uns wahrscheinlich, auch wegen seiner vielen Geschäftsreisen nicht oft gesehen. Aber nur zu Hause zu sein und zu kochen – das war nichts für mich«, sagt Ursula Krakenberger. 

Was soll mit dem Vermögen geschehen?

So beginnt ihr soziales Engagement. Erst im Martha Maria als sogenannte »Grüne Dame«, die Besuchsdienste in Krankenhäusern, Altenhilfe-Einrichtungen und in häuslicher Umgebung leisten und den Menschen Wünsche erfüllen. Über dieses Ehrenamt kommt sie schließlich zum Altenhilfeverein »Leben in Verantwortung e.V.« (LiV), bei dem Ursula Krakenberger über zwei Jahrzehnte wirkt. »Ältere Menschen lagen mir schon immer sehr am Herzen.« Sie pflegt auch ihre eigenen Eltern und kümmert sich um die Schwiegereltern, die ihren Lebensabend in der Schweiz verbringen.

Vor gut zehn Jahren beginnen Ernst und Ursula Krakenberger sich darüber Gedanken zu machen, was mit dem ererbten und von ihnen vermehrten Vermögen geschehen soll. Längst ist der einst drittgrößte Hopfenhandel Deutschlands und der Welt an ehemalige Mitbewerber verkauft. 2010 gründen sie die mit 6,5 Millionen Euro ausgestattete Stiftung Laurusstern e.V. – und es liegt auf der Hand, dass Ursulas Herzensverein LiV bedacht wird. Die Hilfe in Israel ist dem 80-Jährigen Ernst Krakenberger besonders wichtig im Gedenken an seine Mutter, eine geborene Kissinger. Konkret unterstützt das Ehepaar die israelischen Stiftungen »Keren Hayesod«, den »Jüdischen Nationalfonds« sowie das »Israel National Council for the Child«. Letzteres hilft vor allem arabischen und jüdischen Kindern, die mit dem Gesetz in Israel in Konflikt geraten sind. 

Die Stiftung Laurusstern, eine Ertragsstiftung, arbeitet mit von der Nürnberger Sparkasse sowie der Privatbank Hauck & Aufhäuser erwirtschafteten Renditen. Vor zwei Jahren verstärken die Krakenbergers ihr Engagement noch einmal und gründen die Stiftung Laurusberg e.V. – eine Verbrauchsstiftung. Mit einer beträchtlichen Summe sollen über zehn Jahre hinweg verschiedene Projekte unterstützt werden. Ein Grossteil soll allein in den von der Stadt Nürnberg durchgeführten Um- und teilweise Neubau des Seniorenheims am Platnersberg fließen, dessen Fortbestand ohne diese Unterstützung in Gefahr gewesen wäre.

Das Vermächtnis eines ereignisreichen Lebens

Für sich selbst wünschen sie sich, ihren Lebensabend »in Eigenverantwortung« gestalten zu können. Dafür haben sie erste Weichen bereits vor 13 Jahren gestellt, zogen aus dem größeren Haus – »gebaut für das 1000-jährige Reich nach holländischer Art mit roten Klinkersteinen«, wie Ursula Krakenberger liebevoll spöttelt – in eine großzügige Wohnung in einem Häuserblock am Wiesengrund an der Pegnitz. 

Überbordenden Luxus beanspruchen beide nicht. Seinen Platz im Cockpit einer kleinen Cessna oder Piper hat Ernst aus Altersgründen gegen einen Passagiersitz eingetauscht. Noch immer ist er gerne in der Luft, sie lieber auf dem Wasser. Er würde – wenn es Corona zuließe – noch viel reisen: zu seinen Verwandten in die USA, nach England und zur Wahlfamilie in die Niederlande. Die mittlerweile 96-jährige Margret Verhaak, die ihn einst im holländischen Exil beschützte, zieht heute aus Altersgründen statt »Pflegemutter« jedoch den Ausdruck »Schwester« vor. Ursula bevorzugt eher Ziele in Autoentfernung. Auch wenn das Paar nicht in allen Dingen übereinstimmt; uneingeschränkt einig sind sich beide darin, dass es ein großes Glück ist, mit ihrem Geld helfen zu können.

Text: Anja Kummerow
Fotos: Kat Pfeiffer

Weiterführende Informationen

Info-Broschüre aus Anlass 10 Jahre Stifter-Initiative Nürnberg: Exemplare der Broschüre können an Interessierte gerne per Post zugeschickt werden: Stifter-Initiative Nürnberg, Finanzreferat Stadt Nürnberg, Theresienstr. 7, 90403 Nürnberg, info@stifterinitiative.nuernberg.de.