Klara Günther möchte dazu beitragen, ihren Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Fridays for Future«, kurz FFF, machte den Anfang. Das Engagement der überwiegend jugendlichen Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten wirkt ansteckend auch auf jene, die nicht mehr ganz so jung sind oder auf ihre eigene Weise »for Future« aktiv werden wollen: Scientists, Christians, Parents, Grandparents und inzwischen auch »Omas for Future«. Sie sind bundesweit vernetzt und haben viele Regionalgruppen gegründet. Besonders aktiv sind Großmütter in Forchheim.

Klara Günther ist ihre Sprecherin und treibende Kraft. Die 65-Jährige gehörte der lokalen Gruppe von Transition (deutsch: Übergang) an, einer Vereinigung, die unter dem Motto »Alltag FairÄndern« unter anderem regionale Wirtschaftskreisläufe fördert. Daraus und unter dem Eindruck von »Fridays for Future« sei im September 2019 der Gedanke der »Omas« entstanden, erzählt Klara Günther. Eine kleine Gruppe von Frauen baute die regionale Gruppe auf und entdeckte im Februar 2020, dass es eine deutschlandweite Koordinationsstelle gibt. Dort ließen sich die Frauen als Regionalgruppe Forchheim aufnehmen, trugen und tragen aber weiterhin auch den Namen »Transition« und treten bei allen Aktivitäten zumeist mit diesem Logo und dem der »Omas for Future« auf – deren Wahlspruch heißt »Handeln aus Liebe zum Leben«.

Viele handfeste Aktionen

Das sei ihnen das Wichtigste, sagt Klara Günther, und das erkläre auch, weshalb es eine eigene Organisation der Großmütter gibt. »Wir Omas bringen Lebenserfahrung mit und die Liebe zu Kindern, Enkeln und zur Natur.« Sie nähmen die Sorge um die künftigen Generationen ernst, und dabei spiele auch die emotionale Ebene eine wichtige Rolle. »Wenn ich meinen fünfjährigen Enkel anschaue, dann frage ich mich oft, wie die Welt aussehen wird, wenn er 25 ist. Wird sie dann noch lebenswert sein?«, sagt sie. Das soll sie sein, und dafür will Oma Klara eintreten. 

Die Forchheimer Gruppe verfolgt ihre Umwelt-Ziele auf verschiedenen Wegen. Erst Mitte Oktober waren sie (natürlich zusammen mit »Transition«) bei der Klimawoche aktiv. Sie sammelten – wie schon in den Monaten zuvor – Abfall aus der Grünanlage im Stadtpark, gaben im Reparatur-Café Hilfestellung, um Geräte vor der Abfalltonne zu retten, informierten an einem Stand und in einem Zoom-Meeting über ihre Ziele und Aktivitäten. 

Schon im Frühjahr hatte die Urban-Gardening-Gruppe Beton­kübel mit insektenfreundlichen Blumen und mit Gemüse bepflanzt. Jeder, der vorbeikam, durfte dann für den Eigenbedarf ernten. Zwei Mal im Jahr beteiligen sich die Omas an einem Verschenkebasar. Müllsammeln und das Reparatur-Café wird es weiterhin regelmäßig geben, auch die Zoom-Meetings, möglicherweise eines sogar auf Bundesebene. 

Das Engagement hängt natürlich immer davon ab, ob sich genügend Aktive finden. Das ist bei den Omas und bei »Transition« nicht anders als bei vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum die Regionalgruppen (im Raum Nürnberg) so dünn gesät sind. 

Mit 85 Jahren mittendrin

Mit einem selbstgemachten Schild beteiligte sich Rainer Klar am Klimastreik auf dem Erlanger Schlossplatz.

Und wer sich die Frage stellt, wo denn »Opas For Future« zu finden sind: Es gibt sie offenbar kaum. In Forchheim jedenfalls nicht, und in Erlangen ist ein »Einzelkämpfer« aktiv. Beim Klimastreik am 24. September hielt Rainer Klar, umringt von vielen sehr viel jüngeren Leuten, auf dem Erlanger Schlossplatz sein Schild hoch und erntete viel Aufmerksamkeit und Zustimmung. Der 85-Jährige ist in der Umweltbewegung kein Unbekannter: Als langjähriges Mitglied des Bunds Naturschutz und der Bürgerinitiative »Umweltfreundliche Mobilität im Schwabachtal« hat er sich in den 1990-er Jahren gegen eine Monster-Umgehungsstraße im Erlanger Osten und für den Bau einer Stadt-Umlandbahn eingesetzt – die jetzt ja Wirklichkeit werden könnte. In seinem Heimatort Buckenhof bei Erlangen sitzt er für die Wählergruppe UBB-Grüne-Liste-Buckenhof im Gemeinderat; und nun engagiert er sich mit der gleichen Leidenschaft fürs Klima. 

Früher, sagt er, hätten sich die jungen Leute kaum politisch engagiert. Umso erfreulicher sei es nun, dass sie auf die Straße gehen, das Bewusstsein für die Bedrohung der Erde wecken und Politikern wie Behörden Druck machen. Das wolle er unterstützen, bei »Omas/Opas für Zukunft«, wie er sagt, oder anderswo, wie es überhaupt alle unterstützen müssten. Also marschierte er, das »Opa for Future«-Schild in den Händen, zusammen mit knapp 1000 Klimaaktivisten durch Erlangen. Tatsächlich reihten sich dann immer mehr Passanten ein. 

Was hat das mit meinem Lebensstil zu tun?

Dass auch viele Erwachsene einst die Warnungen nicht ernst nahmen, will Rainer Klar ihnen nicht zum Vorwurf machen. Da ist er mit Karla Günther ganz einer Meinung. Sie gibt zu, dass sie zwar das vor 50 Jahren erschienene Buch des Club of Rome (»Grenzen des Wachstums«) und andere Veröffentlichungen gelesen, aber nicht begriffen habe, »was das mit meinem Lebensstil zu tun hat«. Heute könne man sich sehr viel besser informieren. Deshalb müssten alle Generationen gemeinsam aktiv werden. Niemand könne die Vergangenheit ungeschehen machen, und »Schuldzuweisungen an uns Alte bringen nichts«, betont Günther, »sie sind nur Energieverschwendung.« Und sie fährt mit einem Appell fort: »Lasst uns diese Energie gemeinsam einsetzen, um enkeltauglicher zu leben. Wir brauchen die Erfahrung der Alten und die Energie und Kreativität der Jungen, um gemeinsam das Problem zu lösen.«

Text: Herbert Fuehr
Fotos: Herbert Fuehr, privat

Information:

Wer mehr über die »Omas for Future« wissen will, kann sich gerne an die Forchheimer Transition-Regionalgruppe wenden: info@transition-forchheim.de oder an die Bundesorganisation der »Omas for Future«, die auch eine Liste aller regionalen Gruppen führt.