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Was kann man gegen Hämorrhoiden tun

Dr. Veronika Zver, ist Expertin für Allgemein-und Viszeralchirurgie. Foto: St. TheresienkrankenhausJeder hat sie, jeder kennt sie, aber darüber zu sprechen, fällt den meisten schwer: Hämorrhoiden. Die gut durchbluteten Gefäßpolster befinden sich am Ausgang des Enddarms in der Nähe des Afters und erfüllen eine wichtige Aufgabe. Zusammen mit den Schließmuskeln dichten sie den Darm ab. Wenn sich aber in diesen Polstern das Blut staut und nicht mehr ungehindert abfließen kann, dann vergrößern sich die ­Hämorrhoiden und machen sich unangenehm bemerkbar. Jucken, Brennen, Nässen, Blutabgang oder Schmerzen sind die Symptome, die auch die Lebensqualität der Betroffenen einschränken. »Hämorrhoiden zählen zu den häufigen Leiden in der Proktologie, über 50 Prozent der Menschen bekommen vor allem mit zunehmendem Alter mehr oder weniger starke Probleme damit. Man kann von einer Volkskrankheit sprechen«, sagt Dr. Veronika Zver, Oberärztin an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg und Ansprechpartnerin für den Fachbereich Proktologie.

Die Beschwerden der Betroffenen rühren quasi von Krampfadern in den Hämorrhoidal-Venen her. »Wenn sich das Blut staut, kommt es zu sackartigen Erweiterungen. Und je größer sie werden, desto mehr Beschwerden machen sie. Mit dem nächsten Stuhlgang können die Aussackungen durch den Analkanal auch nach außen gedrückt werden«, meint Zver.

Hämorrhoidalleiden werden in vier Schweregrade unterteilt:

Grad1: Die Hämorrhoiden sind vergrößert, aber von außen nicht sichtbar. Sie machen den Betroffenen in der Regel kaum Beschwerden.

Grad 2: Die Hämorrhoiden sind stärker vergrößert, sie können beim Stuhlgang oder körperlichen Anstrengungen aus dem After heraustreten, ziehen sich aber von selbst zurück.

Grad 3: Sie haben sich so weit vergrößert, dass sie nicht mehr von selbst zurückgleiten. Sie lassen sich aber noch mit dem Finger wieder an ihren Platz schieben.

Grad 4: die Hämorrhoiden sind sehr stark vergrößert und treten dauerhaft aus dem After heraus. Sie lassen sich manuell nicht mehr zurückschieben.

»Bei Grad eins und zwei ist in der Regel keine Operation nötig, wir können den Patientinnen und Patienten zum Beispiel mit einer Art Verödungstherapie helfen«, sagt Dr. Zver. Bei den höheren Schweregraden wird in der Regel aber ein operativer Eingriff nötig, zum Beispiel nach der sogenannten Stapler-Methode. Ein Nahtgerät, eben der Stapler, trägt zunächst überflüssiges Hämorrhoidal-Gewebe ab, drängt die Hämorrhoiden in ihre natürliche Position zurück und »verschweißt« oder verbindet die Wundränder mit winzigen Titanklämmerchen im Mast- oder Enddarm – die Gewebepolster werden damit dort fixiert, wo sie eigentlich hingehören.

Ein weiteres Verfahren ist die Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur. Mit einer Ultraschallsonde werden die blutführenden Arterien der Hämorrhoiden lokalisiert und abgebunden; anschließend werden die schrumpfenden Gewebepolster an der Innenseite des Enddarms fixiert. Der Vorteil dieser beiden Methoden ist, dass keine äußeren Wunden in der Analregion entstehen. Die Eingriffe werden in der Regel stationär unter Vollnarkose durchgeführt. Um Nachblutungen unter Kontrolle zu haben, bleiben die Patienten kurz im Krankenhaus. Eine Übernachtung reicht aber meist aus. Das klassische Ausschneiden, die sogenannte Exzision einzelner Hämorrhoidalknoten, empfiehlt sich nur in wenigen Fällen. Alle drei Methoden führen zu gleich guten, langfristigen Ergebnissen. »Der operative  Eingriff  sorgt dafür, dass die vergrößerten Hämorrhoiden nicht nach außen treten«, erklärt Zver. Denn, so die Proktologin, Hämorrhoiden erfüllen eine wichtige Funktion – sie unterstützen die Feinkontinenz.

Mit freiverkäuflichen Zäpfchen oder Salben lassen sich nur die lästigen Symptome wie Brennen, Jucken, Nässen oder auch Schmerzen lindern. Wenn die Beschwerden dann zunächst nachlassen, verschieben viele Patientinnen und Patienten den Gang zum Arzt erst einmal. Vor allem aber wenn Blut abgeht, rät die  Expertin dringend dazu, die Scham zu überwinden und dies unbedingt ärztlich abklären zu lassen. Schließlich kann Blut auch ein Anzeichen für bösartige Tumore im Mast- oder Enddarm sein.

In ihrer Sprechstunde stellt die Proktologin fest, dass Patientinnen und Patienten mit ihrer Eigendiagnose Hämorrhoiden nicht selten daneben liegen: »Hinter den Beschwerden können auch Fisteln, sehr schmerzhafte Analfissuren, die den Betroffenen sogar Angst vor den nächsten Stuhlgang machen, Perianal-Thrombosen oder auch harmlose Hautlappen, sogenannte Marisken, stecken.« Nicht zu viel sitzen, sich gesund ernähren und immer wieder Bewegung in den Alltag einbauen – ein gesunder Lebensstil macht auch Sinn bei Hämorrhoidalleiden. Aber, so schränkt Zver ein: »Man kann daraus keine zwingende Vermeidung von Hämorrhoiden ableiten. Wie bei Krampfadern an den Unterschenkeln auch, kommt es mit zunehmendem Alter in den Hämorrhoidal-Venen einfach zu Rückflussproblemen.«

Text: Karin Winkler
Foto: St. Theresien-Krankenhaus

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