Seit ein paar Wochen ist ständig von einer neuen App mit dem Namen Luca die Rede. Sie soll bei der Kontaktverfolgung helfen und dazu beitragen, Restaurants, Cafés, Veranstaltungsorte und Geschäfte wieder öffnen zu können. Die App hat bekannte Kulturschaffende als Fürsprecher, vor allem den Musiker Smudo von der Band “Die Fantastischen Vier”, der zuletzt in verschiedenen Talkshows (unter anderem bei Anne Will und Markus Lanz) für die App Werbung machte. Doch was genau kann diese App? Sollte man sie installieren?

Wie funktioniert die Luca-App?

Die Luca-App ist als Ergänzung zur bereits bekannten Corona-Warn-App zu verstehen und soll vor allem den Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung helfen. Bislang musste man in Restaurants, Cafés etc. seine Adresse auf einem Zettel hinterlassen. Im Falle eines Coronausbruchs sollten dann alle Personen ausfindig gemacht und informiert werden, die sich zur selben Zeit am gleichen Ort aufhielten. Diese “Zettelwirtschaft” soll mit der Luca-App endlich abgeschafft und vereinfacht werden. Die Idee: Man installiert die Luca-App und registriert sich mit seinen Adressdaten. Betreten Sie ein Restaurants oder eine Veranstaltung, so scannen Sie am Eingang einen QR-Code mit der Luca-App auf dem Handy. Bei einem Infektionsfall kann das verantwortliche Gesundheitsamt auf diese Daten zugreifen und ermitteln, wer sich noch alles zur gegebenen Zeit an diesem Ort aufgehalten hat. Betroffene Personen können identifiziert und gewarnt werden. Die Macher der App verhandeln gerade mit verschiedenen Gesundheitsämtern und Restaurants bzw. Veranstaltungsorten. Denn nur wenn möglichst viele davon mitmachen, kann die App überhaupt funktionieren. Bislang wird die Luca-App nur in wenigen Städten und Landkreisen verwendet, es kommen aber regelmäßig neue dazu. Die Luca-App könnte vor allem in einer zukünftigen Phase der Lockerungen hilfreich sein, um größere Veranstaltungen und Besuche in Geschäften und Restaurants sicherer zu gestalten. Sie ist explizit kein Ersatz und keine Konkurrenz zur Corona-Warn-App.

Kritik an der App

Das Konzept klingt im ersten Moment gut, die App steht aber aus verschiedenen Gründen auch in der Kritik. Erster Kritikpunkt ist die Programmierung. Wie mehrere Medien berichten, ist der Programmiercode nicht öffentlich einsehbar. Wie genau die Verschlüsselung der Daten funktioniert und wo diese gespeichert werden, ist daher nicht ganz klar (Quellen: taz / Tagesspiegel ). Außerdem sollen sich die Programmierer der App beim Programmiercode anderer Programmen bedient haben und dort gegen Lizenzen verstoßen haben (Quelle: Focus).

Das größte Problem der App ist aber, dass diese fehleranfällig ist und Falschangaben in der App leicht möglich sind. Das funktioniert so: Über einen QR-Code, den man am Veranstaltungsort erhält, kann man per App “einchecken” und gibt damit an, sich jetzt an diesem Ort aufzuhalten. Solche QR-Codes funktionieren aber überall, ortsunabhängig. Wenn man also ein Foto eines solchen QR-Codes hat, so kann man sich von überall an einem Ort anmelden, auch wenn man dort gar nicht ist. Es ist zwar weitestgehend sinnlos, dies zu tun, zeigt aber deutlich die Schwachstellen der App. Der bekannte Satiriker Jan Böhmermann hat dies beispielsweise vorgeführt, in dem er sich von Berlin aus im Osnabrücker Zoo “eingecheckt” hatte. Dafür brauchte er nur ein Foto des QR-Codes, den der Zoo verwendet, das im Internet zu finden war. Hunderte Menschen taten daraufhin das Gleiche und waren somit virtuell im Osnabrücker Zoo, ohne tatsächlich dort gewesen zu sein. Wird nun tatsächlich an diesem Ort eine Infektion gemeldet, so haben die Gesundheitsämter hunderte Falschmeldungen zu verarbeiten (Quelle: Focus).

Ein weiteres Problem, dass am Beispiel des Zoos deutlich wird: dieser ist im Gegensatz zu einem Café viel zu groß, als dass die App wirklich gut funktionieren könnte. Hunderte Besucher melden sich mit dem gleichen QR-Code an und halten sich danach auf einer Fläche von über 20 Hektar auf. Diese Personen werden also in der Kontaktnachverfolgung genauso behandelt wie 7 Gäste eines Cafés mit 30 qm Ladenfläche.

Fazit

Man kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Einschätzung abgeben, ob die Luca-App sinnvoll ist und ob sie sich als Ergänzung zur Corona-WarnApp durchsetzen wird. Sicherlich wird es in den nächsten Wochen und Monaten noch Anpassungen und Änderungen an der App geben, so wie es bei der Corona-Warn-App auch der Fall war und immer noch ist. Theoretisch kann die Luca-App gemeinsam mit der Corona-Warn-App das Infektionsgeschehen noch besser verfolgbar machen und vor allem neue lokale Ausbrüche schnell identifizierbar machen. Doch ganz sicher wird die Corona-Warn-App auch dauerhaft die wichtigere App bleiben und die erste Priorität haben, wenn es um den breitenwirksamen Schutz vor höheren Infektionszahlen geht.

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