Ein aktueller Trend: Viele nähen sich jetzt selbst aus Stoffresten eine Atemschutzmaske. Doch wie wirksam sind diese gegen Infektionen? Und auch falls sie ihre Träger nicht vor Ansteckungsgefahren schützen: Können sie nicht einen Beitrag leisten, damit Infizierte weniger andere Menschen anstecken? Foto: Manfred Richter/Pixabay.

Auch in Bayern werden Atemschutzmasken Pflicht, um die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus einzudämmen. Im folgende Hintergrundbericht fassen wir wichtige Fakten zu den Schutzstufen der einzelnen Maskentypen zusammen. Er basiert auf einem Interview  mit Dirk Lange, Geschäftsführer der Region Zentraleuropa bei 3M. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Anbieter von persönlicher Schutzausrüstung und medizinischen Lösungen, die jetzt als Reaktion auf den Ausbruch von COVID-19 eingesetzt werden. Lange beantwortet darin einige der meist gestellten Fragen zur Wirkung der verschiedenen Arten von Atemschutzmasken, an denen es momentan allerorten mangelt.    

Frage: Ist das Tragen einer Maske zum Schutz vor Ansteckung grundsätzlich sinnvoll?

Dirk Lange: In diesem Zusammenhang sollten stets die Leitlinien der Gesundheitsbehörden befolgt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bisher keine Empfehlung für den Gebrauch von Atemschutzmasken für die allgemeine Bevölkerung ausgesprochen. Insbesondere kann die Belastung durch Atemschutzmasken für Personen mit Grundleiden, z.B. Asthmatiker, ein zusätzliches Risiko darstellen. Wesentlich sinnvoller ist die konsequente Einhaltung der empfohlenen Hygieneregeln wie z.B. Abstand halten und sorgfältige Handhygiene. Dies entspricht auch den aktuellen behördlichen Empfehlungen. 

Wann sollte dennoch eine Atemschutzmaske getragen werden? 

Die Nutzung einer Atemschutzmaske ist zurzeit nur für Personen empfohlen, die in direktem Kontakt mit wahrscheinlich infizierten Personen stehen, z.B. Ärzte und Pflegekräfte. 

Was für Maskentypen gibt es?

Oft werden alle Masken als Schutzmasken bezeichnet. Man sollte jedoch zwischen OP-Masken (Mund-Nasen-Schutz) und Atemschutzmasken unterscheiden. OP-Masken dienen vor allem dem Schutz der Umgebung vor den Keimen, die der Träger durch z.B. Atmen oder Niesen verteilen könnte. Atemschutzmasken hingegen dienen dem Schutz des Trägers vor luftgetragenen Schadstoffen, wie z.B. Viren. 

Bei den Atemschutzmasken gibt es wiederum verschiedene Gruppen. Zum Schutz vor Viren und Mikroorganismen sind grundsätzlich Masken mit einem Partikelfilter geeignet. Dazu zählen unter anderem sogenannte Partikelfiltrierende Halbmasken, besser bekannt als FFP-Masken. 

Welche Schutzstufen gibt es und welche ist notwendig?

Bei den FFP-Masken gibt es drei Schutzstufen: FFP1, FFP2 und FFP3. Die WHO und das Robert-Koch-Institut empfehlen für den medizinischen Bereich mindestens die Schutzstufe 2. 

Was ist bei der Verwendung einer klassischen Atemschutzmaske (FFP) zu beachten?

Eine Atemschutzmaske ist nur dann wirksam, wenn sie korrekt angelegt wird. Vor dem Aufsetzen der Maske sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt werden. Die Maske muss gemäß der ihr beiliegenden Anleitung aufgesetzt werden. Sie muss Mund und Nase vollständig abdecken. Es muss sichergestellt sein, dass keine Lücken zwischen Gesicht und Maske vorhanden sind. Bartträger können keinen Dichtsitz erreichen. 

Um die Atemschutzmaske abzunehmen muss sich der Träger der Maske zunächst in einen gefahrfreien Bereich begeben. Wichtig ist, die Maske schräg nach unten, leicht nach vorne gebeugt vom Gesicht abzunehmen. Sie sollte dann sofort in einen geschlossenen Behälter gegeben werden. Anschließend ist eine Reinigung der Hände mit Desinfektionsmittel oder mit Wasser und Seife nötig. 

Woran erkennt man eine FFP-Maske?

FFP-Masken sind in Europa nach der EN 149 geprüft und zugelassen. Auf der Maske befindet sich ein Hinweis auf diese Norm zusammen mit der Schutzstufe (FFP1, FFP2 oder FFP3) und dem CE-Zeichen, hinter dem sich eine 4-stellige Nummer befindet. 

Wie lange kann man eine FFP-Maske tragen?

FFP-Masken können grundsätzlich so lange getragen werden, bis sie verschmutzt oder beschädigt sind bzw. das Atmen damit schwerer fällt. Angaben, wie man sie öfter in den Medien liest, dass z.B. der Filter grundsätzlich nach 20 Minuten Nutzung seine Funktion verliert, sind sachlich falsch. 

Kann man solche Masken mehrfach verwenden?

Im Normalfall ist eine Wiederverwendung nicht vorgesehen, da beim Ab- und Wiederaufsetzen die Gefahr besteht, dass die Maske auf der Innenseite kontaminiert wird. In ausgerufenen Notfallsituationen ist eine Wiederverwendung jedoch denkbar. 

Kann man sich eine Atemschutzmaske mit anderen Personen teilen? 

Nein. FFP-Masken dürfen aus hygienischen Gründen nicht mit anderen gemeinsam verwendet werden. 

Können Mikrofasertücher oder nasse Taschentücher zum Schutz beitragen?

Mikrofasertücher, Schals, nasse Tücher oder ähnliche Gegenstände sind weder zum Herausfiltern von Schadstoffen wie z.B. Viren ausgelegt noch in dieser Hinsicht geprüft worden. Sie sollten daher nicht zum Schutz vor Viren eingesetzt werden. Auch das Tragen eines selbstgenähten Mundschutzes bietet keinen klar definierten Schutz. Er kann jedoch, ähnlich wie OP-Masken, ggf. dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch die Zurückhaltung von Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern (Schutz der Mitmenschen). 

Sind Atemschutzmasken auch für Kinder geeignet? 

Eine Atemschutzmaske muss am Gesicht gut abdichten, um wirksam zu sein. Grundsätzlich werden Atemschutzmasken für Erwachsene konzipiert. Kindergesichter sind daher möglicherweise zu klein, um eine gute Abdichtung bei einer Atemschutzmaske zu erreichen. Auch kann die Belastung durch eine Atemschutzmaske für Kinder zu hoch sein. Darüber hinaus ist es für Kinder schwierig, die strikten Regeln für einen bestimmungsgemäßen und sicheren Gebrauch der Masken zu befolgen. Säuglinge und Kleinkinder sollten aufgrund von Erstickungsgefahr niemals Atemschutzmasken tragen.