Die Zahl der Zecken-Risikogebiete ist in Deutschland weiter gestiegen. Foto: Erik Karitz/pixabay

Spaziergänger aufgepasst, sie sind wieder da in Wald und Feld! Abertausende von blutsaugenden, krabbelnden Spinnentieren sind auf der Suche nach einem geeigneten Wirt: Bei Bodentemperaturen um die acht Grad werden Zecken aktiv und verlassen ihre Verstecke von Laub und Nadeln. Zwar sind diese zähen Biester nur etwa drei bis fünf Millimeter groß, aber ihr Stich ist gefährlich. Daher machen Experten des ARAG-Versicherungskonzerns auf die damit verbundenen Risiken in diesem Beitrag aufmerksam.

Zecken in Zahlen

Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden letztes Jahr 390 durch Zecken ausgelöste FSME-Erkrankungen (Frühsommer-Meningoenzephalitis) gemeldet. Im Vergleich zum Rekordwert vom Vorjahr (712 Fälle) hat sich die Zahl also nahezu halbiert. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung weisen die Experten darauf hin, dass ein Zeckenbiss gefährlich sein kann und das Risiko einer FSME-Erkrankung ab dem Alter von 40 Jahren deutlich ansteigt, vor allem bei Männern. Darüber hinaus können durch die gemäßigten Temperaturen mittlerweile auch tropische Zeckenarten aus Nordafrika und Asien in Deutschland überleben. Die Mehrzahl der FSME-Erkrankungen findet in den Monaten Mai bis Oktober statt.

Zahlen für eine bakterielle Infektion mit Borrelien (Borreliose) liegen laut Borreliose und FSME Bund Deutschland e. V. zwar nicht für ganz Deutschland vor, da nur in neun Bundesländern eine Meldepflicht besteht. Geschätzt werden die jährlichen Infektionszahlen allerdings auf mindestens 340.000.

Zecken-Risikogebiete

Die Zahl der Zecken-Risikogebiete steigt: Aktuell definiert das RKI 175 Kreise in Deutschland, das sind sechs mehr als noch im letzten Jahr. Erstmals sind auch Kreise in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen dabei. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen besteht ein erhöhtes Risiko für eine FSME-Infektion. Es gibt kaum noch eine Region, die als absolut zeckenfrei eingestuft wird. Eine Karte der FSME-Risikogebiete kann auf der Seite des RKI heruntergeladen werden.

Wissenswertes zum Blutsauger

Schildzecken gehören zur Klasse der Spinnentiere und sind außer in der Arktis und Antarktis weltweit verbreitet. Da Zecken Parasiten sind, benötigen sie andere Lebewesen, um sich von deren Blut zu ernähren. Als Wirte dienen Vögel, Reptilien und Säugetiere – und eben auch der Mensch. Viele Zeckenarten sind dabei gefährliche Krankheitsüberträger zwischen den Wirten. Die weitverbreitete Vorstellung, dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist laut ARAG-Experten falsch. Zecken bevorzugen Waldränder und Waldlichtungen in Laub- und Mischwäldern; ebenfalls beliebt bei Zecken sind Bachränder sowie Gebüsche und hohe Gräser an Wegrändern.

FSME

Anders als der etwas sperrige Name Frühsommer-Meningoenzephalitis es vielleicht vermuten lässt, kann man sich nicht nur im Frühsommer mit dem Virus infizieren. Das FSME-Virus löst Erkrankungen aus, die mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und bei einem Teil der Patienten mit einer Meningoenzephalitis, einer Entzündung des Gehirns, einhergehen. Da es sich um ein Virus handelt, lässt sich die Grunderkrankung nicht mit Antibiotika heilen. Es ist nur möglich, einzelne Symptome zu lindern. Und genau das macht FSME so gefährlich.

Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektion in Europa. Das Risiko, eine Infektion mit Borrelien zu bekommen, ist um vieles größer als bei FSME. Durch ein schnelles Entfernen der Zecke unmittelbar nach dem Einstich kann eine Infektion zwar meistens vermieden werden. Das Problem: Da die Zecke beim Stich ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel verabreicht, bleibt der Stich oft lange unbemerkt und wird zu spät oder gar nicht behandelt. Die Symptome sind oft schwerwiegend, es kann laut ARAG-Experten zu Gehirnentzündungen, Lähmungen oder anderen schweren gesundheitlichen Einschränkungen kommen. Immerhin: Eine direkte Übertragung der Borrelien von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt; erkrankte Personen sind also nicht ansteckend.

So kann man sich schützen

Die Experten empfehlen, hohen Gras oder Unterholz zu vermeiden. Wer beim Waldspaziergang geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen trägt, bietet den Parasiten wenig Angriffsfläche. Helle Kleidung ist dabei günstiger als dunkle, denn die Zecken kann man gut darauf erkennen. Insektenabweisende Mittel helfen zumindest eine Weile, stellen aber keinesfalls einen sicheren Schutz vor Zecken dar. Wer sich in der freien Natur aufgehalten hat, sollte anschließend seinen Körper gründlich nach Zecken absuchen. Zecken sind winzig klein und krabbeln auf dem Körper und der Kleidung herum, um eine geeignete Einstichstelle für das Blutsaugen zu finden. Sie bevorzugen dünne und warme Hautstellen. Deshalb sollten die Arme, Kniekehlen, Hals und Kopf sowie der Schritt gründlich nach Zecken abgesucht werden.

Welche Schutzimpfung möglich ist

Gegen die Lyme-Borreliose gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Gegen die gefährlichere FSME hingegen gibt es sehr wohl Impfstoffe, die gut verträglich und hoch wirksam sind. Diese Impfung kann allen empfohlen werden, die in einem Risikogebiet leben oder dorthin reisen und Zecken ausgesetzt sind. Auch wer beruflich gefährdet ist, wie z. B. Forstarbeiter, Jäger und Landwirte, sollte sich unbedingt impfen lassen. Nichtsdestotrotz müssen Ärzte, die Zeckenschutzimpfungen vornehmen, über das Risiko einer entzündlichen Reaktion des Gehirns oder einer Nervenentzündung aufklären. Tun sie dies nicht oder nur unzureichend, können unter Umständen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche seitens des Patienten geltend gemacht werden (OLG Brandenburg, Az.: 12 U 186/06).

Weitere interessante Informationen zu anderen Impfungen unter: https://www.arag.de/krankenzusatzversicherung/impfungen/