Gisela Ryczko mit Mariam und Zinush Belachew Daka und Tochter Shalom im Garten ihres Anwesens. Foto: Cindric

Eines kann sich Gisela Ryczko auf gar keinen Fall vorstellen: überhaupt nichts zu tun. »Ich brauche eine Aufgabe« , sagt die Großmutter von zwei Enkelkindern. Natürlich nimmt sie sich gern für die beiden Zeit; aber irgendwie wollte sie sich auch gesellschaftlich einbringen. Das Angebot des Diakonischen Werks Roth-Schwabach passte da genau zu ihrer Vorstellung von ehrenamtlichem Engagement.

Die 64-Jährige aus Wassermungenau ist Familienpatin. Sie ist ganz einfach für Familien – ob alleinerziehend oder nicht – da, um sie zu begleiten und zu entlasten. Man muss für diese Aufgabe kein sozialpädagogisches »Experten-Wissen« haben, sondern sich schlichtweg in die Situation der Mütter und Väter und auch ihrer Kinder hineindenken können und dann dort einspringen, wo man gebraucht wird.

Freilich, ohne eine kleine Schulung geht es nicht. Gisela Ryczko und ihre Kolleginnen und Kollegen absolvierten bei der Rother Diakonie eine sechstägige »Ausbildung«, bei der beispielsweise Themen wie Scheidung und Trennung oder auch Heimat und Identität behandelt wurden. Dafür und für die Koordination der Familienpaten-Einsätze ist Sozialpädagogin Cornelia Terassa zuständig. Bei ihr melden sich auch jene Familien, die auf Zeit eine begleitende Hilfe brauchen.

Netzwerk ist in 50 Städten und Landkreisen tätig

Eingebunden sind die Roth-Schwabacher Familienpaten in das »Netzwerk Familienpaten Bayern«. Seit 2013 konnten im Landkreis Roth mehr als 30 Familien begleitet und unterstützt werden. In etwa 50 bayerischen Städten und Landkreisen existieren inzwischen solche, vom Bayerischen Familienministerium geförderten Hilfsangebote. Und die Zahl der Familien, die begleitende Hilfe bräuchten, nehme nicht ab, sondern eher zu, beobachtet die 59-jährige Sozialpädagogin Terassa. Dabei handle es sich nicht selten auch um Patenschaften für junge Familien, die sich über Zwillinge oder gar Drillinge freuen können, indes jedoch mehr als dankbar sind, wenn ein Familienpate der Diakonie hie und da entlastend einspringt. Es sind vor allem auch Neuzugezogene, macht Cornelia Terassa die Erfahrung, die ohne die Unterstützung von Angehörigen wie Großeltern ihren Alltag bewältigen müssen. Und auch wenn die meisten Anfragen noch immer von einheimischen Familien kommen, hat das von Kinderschutzbund und Bildungswerk des Katholischen Deutschen Frauenbundes getragene Netzwerk seit geraumer Zeit auch die Probleme von Flüchtlingsfamilien im Blick.

Während es bei den Familien ein Kriterium gibt – mindestens ein Kind darf nicht älter als drei Jahre sein – können sich Menschen von 18 bis 80 als Familienpaten »bewerben«.Cornelia Terassa: »Da das Ehrenamt Kontinuität und Verlässlichkeit erfordert, aber manche Paten pflegebedürftige Angehörige haben oder die eigenen Kinder nach der Geburt eines Enkels unterstützen wollen, beenden bewährte Familienpaten oft nach mehreren Einsätzen dieses Ehrenamt.« Deshalb freut sie sich über jeden, der sich für diese fordernde, wahrlich nicht langweilige Aufgabe interessiert.

Langer Weg in eine neue Heimat

Gisela Ryzcko, die zuvor bei einer Rother Familie mit vier Kindern Patin auf Zeit war, kümmerte sich als nächstes um eine alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Töchtern aus Äthiopien.Die 40-jährige Zinash strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Obwohl es ihr keineswegs danach zumute sein müsste. Vor zehn Jahren war sie aus politischen Gründen aus ihrer Heimat geflohen. Töchterchen Mariam kam in einem Lager in Griechenland zur Welt. Zu Fuß über Ungarn gelangte sie irgendwann nach Tschechien und musste mit Mariam 70 Tage im Gefängnis verbringen, weil sie keine Papiere hatte. Keine Milch für das Kind, keine Windeln. Nach ihrer Entlassung machte sie sich auf den Weg nach Deutschland. Seit 2015 läuft ihr Antrag auf Asyl. Und seit etwa eineinhalb Jahren wohnt sie in Roth, wo vor über einem Jahr die kleine Shalom auf die Welt kam.

Gisela Ryczko ist einmal in der Woche bei den Dreien. Sie holt Mariam, die nahezu perfekt deutsch spricht, vom Kindergarten ab, geht mit ihr ab und zu ins Schwimmbad oder ein Eis essen. Die Familienpatin begleitet Mutter und Tochter zu Informationsveranstaltungen der Schule, die Mariam jetzt besucht. Gisela Ryczko geht mit Zinash zu Behörden, hilft ihr, bestimmte Abläufe hierzulande zu verstehen. Ansonsten kümmert sich Zinash selbst um ihren Haushalt und um ihre Kinder. Die einjährige Shalom lässt ihrer Mutter ohnedies wenig Freizeit. Zinash möchte, wenn sie denn einen Krippenplatz für Shalom hat, sofort mit einem Deutschkurs beginnen. In der neuen Heimat richtig Fuß zu fassen – das ist ihr großes Ziel.

Text: Günter Dehn
Foto: Mile Cindric

Informationen: Wer sich für das Ehrenamt eines Familienpaten interessiert, wendet sich an Cornelia Terassa, Wittelsbacherstr. 4a, 91126 Schwabach, Tel.: 9122/9256-332, E-Mail: cornelia.terassa@diakonie-roth-schwabach.de