Kein Glück mit den Vätern. Kurt, der Erzeuger von Martha, machte sich aus dem Staub, als sie noch ein Kind war, vergaß sie so ziemlich, bis ihm plötzlich wieder einfiel, dass er sie dringend brauchte. Betty, Marthas Freundin seit zwanzig Jahren, hatte mehrere »Väter«, darunter einen, Ernesto, den sie mit kindlicher Hingabe liebte und der ebenfalls Knall auf Fall verschwand.

Beide Frauen, jetzt um die vierzig, ringen sich zu einer Autofahrt durch, die sie ganz und gar nicht wollen. Denn Kurt, todkrank, hat sich zum Sterben in der Schweiz angemeldet, und Martha soll ihn begleiten. Betty chauffiert. »Na, dann wollen wir mal«, sagt Kurt, und überlegt es sich unterwegs wieder anders. Eigentlich möchte er gar nicht nach Chur, sondern lieber an den Lago Maggiore, wo eine alte Freundin ihn erwartet, mit der er per E-Mail Kontakt aufgenommen hat.

Die Story wird immer turbulenter, doch alle halten durch, auch der Leser, der diese beiden fabelhaften Frauen begleitet auf ihrer Reise mit und zu den Vätern. Denn auch Betty will mit Ernesto endlich ins Reine kommen und hat sich auf Spurensuche begeben.

Die Autorin Lucy Fricke, 1974 in Hamburg geboren, scheut sich nicht, eine halbwegs wahnwitzige Geschichte zu schreiben, doch dabei sind ihre Personen immer unpathetisch und echt. Sie sagen Sätze, die man sich als Leser am liebsten merken möchte – eine der großen Stärken dieses Buches. Spannend ist es ohnehin bis zur letzten Seite mit einem großen Finale auf einer griechischen Insel.

Lucy Fricke, »Töchter«, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018,
20 Euro. Auch als Hörbuch erhältlich.

Brigitte Lemberger