In der Lehrpraxis lernen Medizinstudenten den Alltag des Hausarztes kennen. Foto: epd

Die hausärztliche Versorgung ist für Dr. Beate Reinhardt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, die »Königsdisziplin«. Dafür möchte sie möglichst viele angehende Mediziner begeistern und beteiligt sich deshalb an einem Kooperationsprojekt mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Gemeinschaftspraxis Effeltrich, die sie zusammen mit ihrem Mann Gunther (Facharzt für Inneres) und dem Allgemeinmediziner Christian Ehrlicher in dem kleinen Ort im Landkreis Forchheim betreibt, ist eine anerkannte Lehrpraxis des FAU-Lehrstuhls für Allgemeinmedizin.

Hier können die Studierenden die theoretischen Erfahrungen des Studiums durch die praktischen einer typischen ländlichen Praxis ergänzen. »Das ist sehr wichtig«, betont Beate Reinhardt, »denn hier lernen sie auch, wie wichtig in der Hausarztpraxis der vertrauensvolle, ja herzliche Bezug zu den Patientinnen und Patienten ist.« Manche Familien kämen schon in der dritten oder vierten Generation in diese Praxis. Das verpflichtet. Technik in der Medizin sei wichtig, »aber wo das Persönliche und Menschliche fehlt, da stimmt etwas mit der Versorgung nicht«.

Und noch etwas gibt sie mit Blick auf die Zentralisierung durch Medizinische Versorgungszentren (siehe unseren Artikel zu diesem Thema)  zu bedenken: »Bei uns spielen wirtschaftliche Überlegungen keine große Rolle, wir entscheiden selbst, was wie bei den Patienten getan werden muss.« Gesundheit sei schließlich »das einzige Gut, das wir nicht kaufen können«, und das auch kein Wirtschaftsgut werden dürfe.

Um eine der insgesamt 90 Lehrpraxen in der Metropolregion Nürnberg zu werden, mussten sich Beate und Gunther Reinhardt bei der FAU bewerben und unter anderem die Bereiche ambulante Chirurgie, Heimbetreuung und Hausbesuche anbieten. Sie taten es mit Erfolg: Die Uni schickt ihnen nicht nur Studierende zum zweiwöchigen Blockpraktikum, sondern auch für vier Wochen zu dem Famulatur genannten Ausbildungsteil, für vier Monate im Rahmen des Praktischen Jahres und schließlich für zwei Jahre Weiterbildungszeit. Ein junger Arzt und eine junge Ärztin sind gerade in der Gemeinschaftspraxis Effeltrich tätig. Für sie kann es der Start in eine eigene Praxis werden. Wenn sie den ärztlichen Rat von Frau Dr. Reinhardt befolgen, dann am besten auf dem Land. 

Text: Herbert Fuehr