Baum und Tafel ehren die edlen Stifter: Dana Becker, Sandra Bührke-Olbrich und Andreas Daig bilden gemeinsam den ehrenamtlichen Vorstand der Rizzo-Stiftung.

Ganz bestimmt hätte es sich das Ehepaar Hildegard und Toby Rizzo genauso gewünscht, als es vor 20 Jahren seine Stiftung ins Leben rief. Die beiden sind längst gestorben, doch von ihrem Wirken profitieren bis heute Jugendliche und Kinder in der Region. Die Mäzene hatten im Gründungsvertrag ihrer Stiftung nur einige allgemeine Ziele festgelegt und notiert. Sie wollten Kindern und Jugendlichen helfen und Projekte im Bereich Umwelt- und Naturschutz fördern.

Doch was bedeutet das konkret, wohin sollen die Mittel fließen, die das Ehepaar der Allgemeinheit hinterlassen hat? Das herauszufinden, ist die Aufgabe von Dana Becker, Sandra Bührke-Olbrich und Andreas Daig, die gemeinsam den ehrenamtlichen Vorstand der Rizzo-Stiftung bilden. Alle drei arbeiten bei der HypoVereinsbank und wurden von ihrem Arbeitgeber in das Amt berufen. Für alle drei ist das Engagement für die Stiftung längst viel mehr als ein Job. „Da steckt viel Leidenschaft drin“, sagt Sandra Bührke-Olbrich, Direktorin Stiftungsmanagement und Testamentsvollstreckerin. Auch Dana Becker, Leiterin Vermögensnachfolge und -Planung, geht „mit anderen Augen durch die Welt“, seitdem sie als Stiftungsvorstand tätig ist. „Ich lese die Zeitung ganz anders und halte ständig nach geeigneten Projekten Ausschau.“ Ihr Ziel ist es, Initiativen zu finden, die dem Stiftungsgedanken entsprechen. Andreas Daig hat dabei einen kleinen Vorteil gegenüber seinen Mitstreiterinnen: Der Vermögenskundenbetreuer ist der einzige, der dem Ehepaar noch persönlich begegnet ist. Als die Gründung der Stiftung vor 20 Jahren angebahnt wurde, war es „mein erstes derartiges Projekt“, sagt der 53-Jährige. „Bis heute ist das etwas Besonderes für mich.“

„Sie hingen sehr an der Stadt“

Daig kann deshalb auch ein paar biografische Informationen über die beiden Stifter geben, von deren Lebensweg nicht allzu viel überliefert ist. Hildegard Rizzo, geborene Brater, stammte aus einer Nürnberger Gastronomenfamilie, besaß aber die österreichische (und später die amerikanische) Staatsangehörigkeit. Toby Rizzo hatte eine Führungsposition bei der US-Armee inne; seine Frau lernte er wahrscheinlich nach Kriegsende in Franken kennen. Das Paar lebte lange im Ausland, verbrachte aber seinen Ruhestand in Nürnberg. „Sie hingen sehr an der Stadt“, so Daig. Und obwohl keiner der beiden deutscher Staatsangehöriger war, wollten sie, dass ihr Erbe in der Region bleibt. Mit einem kleinen Grundkapital wurde die Stiftung im Jahr 2000 gegründet, Toby Rizzo starb wenige Jahre später. Nach dem Tod seiner Frau vor acht Jahren fiel dann ein beträchtliches Vermögen „im mittleren siebenstelligen Bereich“ an die Stiftung.

Geld, mit dem der ehrenamtliche Stiftungsvorstand schon einiges bewirken konnte. Besonders gern unterstützt das Trio Projekte, bei denen sich Umweltschutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen verbinden, denn das hätte den Stiftern wohl besonders gut gefallen. Das gilt zum Beispiel für das Regenwaldhaus im Kindermuseum Nürnberg und den Walderlebnispfad im Stadtteil Zerzabelshof. Weitere Mittel flossen in die musikalische Ausbildung von Kindern, zum Beispiel an „Klasse im Puls“. Aktuell investiert die Rizzo-Stiftung viel Geld in das so genannte Museumscurriculum: Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst allen Nürnberger Grundschülern fünf Museumsbesuche zu ermöglichen. Entwickelt wurde das Projekt vom Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum (KPZ), es greift in Kooperation mit Stadt und Staatlichem Schulamt aktuelle Inhalte des Lehrplans auf und nutzt die gezeigten Exponate als Anschauungsmaterial.

55 Klassen nehmen bereits teil

Erstklässler lernen zum Beispiel, sich auf ein Bild zu konzen­trieren, Zweitklässler befassen sich mit dem Spielzeug ihrer Großeltern, Dritt- oder Viertklässler machen die Kinderrechte zum Thema. Für viele Jungen und Mädchen ist es der erste Museumsbesuch überhaupt, weiß Dana Becker. Manche sogar waren noch nie zuvor in ihrem Leben in der Innenstadt. Gerade bildungsferne Familien profitieren von diesem Projekt, das damit einen weiteren Stiftungszweck erfüllt, Maßnahmen der Bildung und Erziehung zu fördern. Mit 34 Klassen ging das Museumscurriculum vor drei Jahren an den Start, mittlerweile nehmen 55 Klassen teil – ein schöner Erfolg, wie Becker findet. 5000 Euro investiert die Stiftung pro Jahr, und weil die Nachfrage so groß ist, sammelt die HypoVereinsbank weitere Spenden. Denn alle Mittel lediglich in ein Projekt zu stecken, das würde aus Sicht des Vorstandes dem Willen der Stifter widersprechen. Auch deren Mittel sind zudem begrenzt, denn das Vermögen wird nicht angetastet. Nur die Überschüsse werden investiert, damit im Namen der Rizzos noch lange Positives entstehen kann. „Wir wollen nachhaltig wirken“, sagt Sandra Bührke-Olbrich.

Bei einem anderen Projekt hatte der Vorstand übrigens die Stifter höchstpersönlich im Blick: Im Nürnberger Stadtpark wurden zu Ehren der Rizzos zwei Bäume gepflanzt und ihnen eine Gedenktafel gewidmet. So sind die beiden Wohltäter wenigstens ein Stück weit sichtbar in der Stadt – auch das, so glaubt der Vorstand, hätte ihnen gefallen.

Text: Silke Roennefahrt
Foto: Rizzo-Stiftung