Die junge Generation der Messegesellschaft AFAG bringt neuen Schwung in die inviva. Foto: Kat Pfeiffer

Wie gestalte ich mein Leben im Alter? Dieses Thema bewegt nicht nur Menschen im Ruhestand, sondern immer häufiger auch die jüngere Generation. Das beobachten Henning Könicke und sein Cousin Thilo Könicke, die jungen Chefs der Messegesellschaft AFAG, die die Seniorenmesse »inviva –mitten im Leben« in Nürnberg veranstaltet. Um dies zu unterstreichen, kommt frischer Wind in das bewährte Konzept. Das Ziel aller Veränderungen soll eine größere Attraktivität des Messeformats für Besucher und Aussteller sein. Wie die Neuerungen ankommen, wird sich vom 27. Februar bis 3. März 2019 zeigen. Denn das ist die größte Veränderung: Die inviva dauert nun fünf Messetage und läuft damit genauso lange wie die parallel dazu veranstaltete »Freizeit, Touristik + Garten«.

»Wir möchten, dass der Besucher einen schönen Tag bei uns verbringt«, sagt Henning Könicke, zuständig für die strategische Ausrichtung bei der AFAG und somit auch bei der inviva. Durch die engere Anbindung an die traditionelle Frühjahrsmesse ist es dem Besucher möglich, interessante Angebote aus beiden Veranstaltungen zu nutzen. Die Einbeziehung des Wochenendes ermöglicht Berufstätigen stärker als bisher, die inviva zu besuchen und beispielsweise die Eltern beim Rundgang zu begleiten.
Bei der konzeptionellen Neuausrichtung setzt die junge Generation der AFAG stark auf Ergebnisse der Marktforschung. Mit einem Angebot »für alle Sinne« möchte Henning Könicke beim Publikum punkten. Dazu zählt die Ausweitung des Gastronomieangebotes. Darüber hinaus wandelt sich das Themenspektrum der Aussteller. Durch die Verlängerung auf fünf Messetage seien nun Anbieter vor Ort, die bei der bisherigen zweitätigen Laufzeit abgewunken haben. Sie gehören u.a. zur Kosmetik- oder Modebranche, sind E-Bike-Spezialisten oder Gesundheitsexperten.

Außerdem ist der Messemanager davon überzeugt, dass das Live-Erlebnis vor Ort ebenfalls Publikum anzieht. Schließlich gilt es, gegenüber dem Onlinehandel zu bestehen. Denn inzwischen ist es längst keine Frage des Alters mehr, wer bequem vom Sofa aus bestellt. Das tun Senioren in zunehmendem Maß. Zwar kämen die Besucher in der Regel mit ganz klaren Vorstellungen, worüber sie sich informieren möchten, doch durch die Vielfalt der sonstigen Produkte und Dienstleistungen entdeckten sie noch weitaus mehr für sich. Das sei ein Vorteil gegenüber dem Online-Handel, der exakt das anbietet, was gerade gesucht wird, vergleicht Könicke.
Natürlich habe es auch Bedenken gegen die längere Messelaufzeit gegeben, räumt der 30-jährige AFAG-Chef ein. Verbände und Vereine, die bisher beim jährlichen Markt der Verbände präsent waren, haben Schwierigkeiten, ihre Ehrenamtlichen für fünf Tage freizuschaufeln. Aber Könicke ist zuversichtlich, dass der Besucherzuspruch überzeugt und die Verlängerung 2020 für viele Organisationen kein Thema mehr sein wird.

Große Themen statt großer Stars

Neu definiert wurde für 2019 die Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Seniorenamt, das bisher den inhaltlichen Part der inviva mit viel Gespür für die Interessen der Zielgruppe organisiert hat. Ganz wegfallen wird durch die neue Ausrichtung der Vortragsteil in den separaten Messeräumen. Diese hätten zu weit weg vom eigentlichen Geschehen gelegen, erläutert Könicke. Nicht mehr im Programm sind die Gastauftritte von Stars wie Gitte und andere Schlagergrößen. Auf einer zentralen Bühne und auf zwei kleineren Präsentationsflächen ist künftig Platz für Diskussionen und Vorführungen. Aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen Gesundheit, Absicherung im Alter, Engagement und Sport sollen dort vorgestellt werden.
Natürlich sind Henning Könicke und sein Cousin Thilo, zuständig für den operativen Teil, gespannt, wie sich das neue Konzept bewährt. Schließlich ist die inviva 2019 die erste, die komplett unter der Regie der jungen Generation im Familienunternehmen läuft. Henning Könicke hat eine gewisse Nähe zur Zielgruppe, denn er absolvierte einst seinen Zivildienst beim Seniorenamt. Außerdem haben die beiden jungen Unternehmer selber erfahren, wie viel Fingerspitzengefühl nötig ist, um den Austausch unter den Generationen gut zu gestalten. Schließlich haben ihre beiden Väter Heiko und Hermann Könicke das Messegeschäft ebenfalls mit Leib und Seele betrieben.
Die Herausforderung, die AFAG in digitalen Zeiten erfolgreich in die Zukunft zu führen, haben die Söhne angenommen. Henning Könicke sieht in der Internationalisierung von regionalen Messeformaten große Chancen. Vielleicht wird die inviva mit neuem Konzept einmal ein Exportschlager? Der demografische Wandel ist jedenfalls nicht nur in Deutschland stark ausgeprägt, sondern auch in anderen Ländern zu beobachten.

Text: Petra Nossek-Bock
Foto: Kat Pfeiffer