Norbert Riedel (rechts) möchte das E-Bike nicht mehr missen. Foto: Michael Matejka

Wenn Norbert Riedl (58) über sein E-Bike spricht, gerät er ins Schwärmen. »Das ist nicht einfach ein Fahrrad mit Motor«, sagt er. Für ihn steht das E-Bike für Spaß und Lebensqualität. Er weiß, wovon er redet. Vor drei Jahren ist er aufs Elektrofahrrad umgestiegen und möchte es heute nicht mehr missen.

Vier bis fünf Stunden an einem Stück radeln – kein Problem. Die Berge rauf und runter – aber sicher. Er hat das Hochgebirge für sich entdeckt, zum Beispiel die Tour von Gossensass über den Jaufenpass nach Meran. »Fünf Stunden bin ich gefahren und habe an diesem Tag 1800 Höhenmeter bewältigt. Und abends bin ich noch Tanzen gegangen und habe später der Veranstalterin geholfen, die Stühle wegzuräumen.«

Dass es so gekommen ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn Riedl lebt seit seiner Geburt mit einer Herzkrankheit und ist deshalb zu 70 Prozent schwerbehindert. Er muss langsam tun, darf sich nicht zu sehr anstrengen. »Ich kann nicht explosionsartig auf Hochtouren laufen«, sagt er.

Das E-Bike ist geradezu ideal für ihn wegen der konstanten körperlichen Belastung. » Dank der Option, den Motor bei Bedarf zuzuschalten, bewege ich mich mit einem gleichbleibenden Puls von 90 bis 100, egal, ob ich gerade den Berg hoch- oder runterfahre.«

Ein E-Bike bringt schon mal von Haus aus deutlich mehr Kilos auf die Waage – mehr als ein normales Fahrrad und erst recht als ein Sportrad. »Ein Rennrad wiegt etwa acht bis neun Kilo. Das E-Bike wiegt allein mit einem zweiten Akku schon mal um die 30 Kilo, dann kommt mein Eigengewicht hinzu und bei längeren Fahrten noch 40 Kilo Gepäck. Und trotzdem kann ich locker und gut gelaunt mit neun bis zehn km/h fahren«, sagt der ehemals passionierte Motorradfahrer.

Diese neue Lust am Radfahren, die Norbert Riedl erlebt, kennt Elke Schmidt aus vielen Gesprächen. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann das Geschäft »Pedelec Schmidt« in Nürnberg-St. Peter. Dass das Lebensgefühl aber nur auf ältere Menschen so zutrifft, möchte sie so nicht stehen lassen, auch wenn diese zur ihrer Hauptklientel gehören.

Manche fahren 45 km/h
Der Name des Ladens erklärt auch das Sortiment. »Ein E-Bike ist alles, was zwei Räder hat und von einem Elektromotor unterstützt wird, also auch Elektroroller und E-Scooter. Pedelecs sind eine Untergruppe, die bis 25 km/h unterstützt wird«, so Schmidt. Dann gebe es auch noch die Speed-Pedelecs bis 45 km/h. Für diese benötigt man jedoch einen Auto- oder Mopedführerschein sowie ein Kennzeichen.

»Wir machen vor allem drei Kategorien Kunden aus: Diejenigen, die nur in der Stadt fahren wollen, die mit sportliche Ambitionen und dann noch jene, die es für ihre Eltern oder Großeltern kaufen wollen, obwohl diese schon seit 20 oder 30 Jahren auf kein Fahrrad mehr gestiegen sind«, sagt Schmidt.

Die Frage nach den individuellen Bedürfnissen spiele beim Kauf eine wichtige Rolle: »Ist der Käufer ein Mensch, der sich durch die Lebensumstände ein neues Transportmittel suchen muss? Oder ist es ein supersportlicher Senior, der bislang Touren gefahren ist und nun in einer jüngeren Gruppe mitfahren und mithalten will?« Wie der 92-jährige Kunde, der nach einem Hüftbruch auch weiterhin mit seinen 60-jährigen Freunden unterwegs sein möchte.

Ein guter Sattel ist viel wert
»Für Stadtfahrten oder nur kurze Strecken brauche ich einfach ein anderes Fahrrad als für Touren.« Kurzfahrer bräuchten etwa weniger Gänge und ein robusteres, weniger pflegeintensives Modell. Das könne auch günstiger sein, was oft mit etwas mehr Gewicht einhergeht. »Allein die tiefen Einstiege, die Senioren bevorzugen, wiegen schon ein Kilo mehr.« Wert legen sollte man auch auf einen guten Sattel. Eine Einführung, worauf beim Fahrradfahren mit motorisierter Unterstützung zu achten ist, bekämen die Kunden im Fachhandel. »Der Fahrradclub ADFC bietet dazu auch Kurse an«, weiß Elke Schmidt. Derart vorbereitet, sei das Fahren mit dem E-Bike auch nicht gefährlich.

»Genuss und Lebensqualität« – das verbindet Norbert Riedl vor allem mit seinem E-Bike. Kein »höher – schneller – weiter«, sondern Freude mit »unvergesslichen Momenten und besonderen Erlebnissen mit Erinnerungswert«. Er radelt zwar allein, lernt aber unterwegs immer wieder nette Menschen kennen.

Im vergangenen Sommer wagte er sich an seine erste E-Bike-Tour in den Alpen. Er war nervös vor der ersten Bergfahrt, hatte Sorge, überhaupt hinaufzukommen. Am Ende der Woche hätte er gern noch eine zweite drangehängt. »Das einzige, was weh tat, war der Hintern«, amüsiert er sich. »Im Prinzip ist es wie Ergometer fahren – nur mit Fahrtwind und in schöner Umgebung.«

Text: Anja Kummerow