Das war mal schick: die Foto-Negative. Foto: Michael Matejka

Foto: Michael Matejka

Sie waren in den in den vergangenen Jahrzehnten der letzte Schrei, heute liegen sie unbeachtet in Schränken, Schüben, Kellern oder auf Dachböden: älltägliche Dinge, die einmal richtig “schick” waren. Wer sie besaß, war auf der Höhe der Zeit. Doch die Kunst, genüsslich zu leben, schloss auch eine ganze Reihe von Verhaltensweisen mit ein, die heute gar nicht mehr üblich sind. Sie sind überholt, weil wir inzwischen auf andere Dinge Wert legen. Oder sie sind im Zuge der Technisierung überflüssig geworden. Man denke nur an die Entwicklung in der Fotografie.

Der Moment im Urlaub am Strand von Bibione, als die Gischt über unsere Füße schwappte. Die Kinder im Fasching, zum ersten Mal als Prinzessin und Cowboy verkleidet. Tante Hilde, wie sie lauthals an ihrem 80. Geburtstag die “Caprifischer” sang. Das alles lebte vor unseren Augen noch einmal auf, als die Ereignisse schon geraume Zeit vorbei waren. Denn wir hatten sie für die Nachwelt bewahrt in unserer kleinen Fotokamera. Einer Leica oder Contax, Rolleiflex, Zeiss, Nikon oder wie sie alle hießen. Jetzt war der Film voll, ein 36-er Farbfilm von Kodak, manchmal war es auch einer von Afga, weil es den als Doppelpack bei Photo-Porst im Angebot gegeben hatte. Und jetzt waren wir wieder auf dem Weg dorthin, in einen der Porst-Läden, die das Fotografieren zum Hobby von Millionen Menschen machten, weil ihr Angebot an Zubehör gewaltig war und das Personal uns freundlich Auskunft über Blende und Belichtungszeit gab.

Nur dort konnten Karneval und Kinderlachen wieder aufleben: Wir gaben den belichteten Film in eine Papiertasche, die nach rund einer Woche aus dem Labor zurückkam und den entwickelten Streifen enthielt. Millimeterweise zogen wir nun diese schmale Folie aus Polyester über den Leuchttisch im Laden: Hatte Tante Hilde auf der Aufnahme 9A wirklich gelächelt, war unser Auto, das hinter dem Karussell parkte, tatsächlich zu sehen? War die 12A verwackelt? Geduldig beantwortete der Verkäufer unsere Fragen, nicht ohne vorher mit dem Vergrößerungsglas minutenlang unsere Negative zu inspizieren. Erst dann entschieden wir uns, welche Abzüge wir machen lassen wollten. Damals, eine halbe Ewigkeit vor der Erfindung der Digitalkamera, die uns heute in Sekundenbruchteilen das Ergebnis ihrer präzisen Technik aufs Display wirft.

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