Glück zu zweit: Viele einsame Menschen sehnen sich nach einem Partner. Die Online-Partnersuche blüht deshalb, aber es gibt unzählige Plattformen und auch so manche Tücken.

Wenn das so einfach wäre: Das Alter als neue Freiheit begreifen. Eine glückliche Beziehung finden, flirten, sich verlieben, einen zweiten Frühling erleben. Wie heißt es in dem alten Schlager von Jürgen Marcus: »Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben…« Aber wie schafft man das? Wenn man im Internet unter dem Suchbegriff »Partner ab 60 finden« googelt, erhält man sage und schreibe 24,6 Millionen Ergebnisse. 

Im deutschsprachigen Raum bieten über 5000 Single-Börsen ihre Leistungen an. Für Single-Reisen wird geworben; die Suche über Zeitungsannoncen verspricht das große Glück, und auch Clubs und Vereine haben spezielle Angebote für Menschen, die einen Partner für die unterschiedlichsten Aktivitäten finden möchten. 

Dass es da durchaus Nachfrage gibt, hat auch das Magazin sechs+sechzig auf der Nürnberger Seniorenmesse inviva gesehen. Bei den vergangenen drei Veranstaltungen wurde ein sogenanntes Speed-Dating angeboten. Dabei wurden Menschen zusammengebracht, die auf der Suche nach Partnern für die Freizeit waren. Was erstaunte: Etliche Männer gaben unumwunden zu, dass sie nicht nur wegen einer neuen Freizeitpartnerin gekommen seien, sondern durchaus eine feste Beziehung suchten. Die Damen hingegen interessierten sich mehr für Jemanden, mit dem man Theater- oder Kinovorstellungen besuchen oder auch mal eine kleine Reise machen könnte. Zudem standen Gespräche im Café oder gemeinsame Spaziergänge mit dem Hund auf der Wunschliste.  

Betrüger täuschen Liebe nur vor

Leider geht es bei dem Thema Partnervermittlung nicht immer seriös zu. Betrüger täuschen Liebe nur vor und suchen in Wirklichkeit Opfer mit dem Ziel, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. »Romance Scammer« halten auf Online-Partnerbörsen nach Opfern Ausschau. Sie durchforsten dort die Mitgliederlisten und legen sich bei der ersten Kontaktaufnahme ungewöhnliche Lebensgeschichten zu, die durchaus einen seriösen Eindruck machen. Männer geben sich als Ärzte, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie oder Computerspezialisten aus. Frauen behaupten, sie seien Krankenschwestern, Ärztinnen, Lehrerinnen oder erfolgreiche Unternehmerinnen. Fast immer agieren sie aus dem Ausland. 

Die Bilder, die sie ins Netz stellen, sind meist gestohlen oder einzig für das Scamming fotografiert worden. Die Betrüger schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer durch Mails oder Anrufe unverzichtbar zu machen und irgendwann werden diese gebeten, über einen Bargeldtransfer finanzielle Unterstützung für ein Visum, ein Flugticket oder ähnliches zu leisten. 

Misstrauen bei unglaublichen Angeboten lohnt sich

Wenn man mit solchen Gaunern konfrontiert wird, ist die Anzeige bei der Polizei und der Abbruch jeglichen Kontakts der einzige Weg, um aus dieser Belästigung wieder heraus zu kommen. Grundsätzlich – so die Polizei – sollte man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen eingehen. Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen wollen. Darum der Rat: »Seien Sie immer misstrauisch bei unglaublichen Angeboten bei der Partnersuche.«

Doch bei allem Misstrauen sollte man den Wunsch nach einer neuen Liebe nicht aufgeben. Den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen, fernzusehen und nichts Neues zu planen, das ist sicher kein Rentnerdasein, das glücklich macht. Bei der Suche nach einem Partner, mit dem man Träume in die Tat umsetzen kann, helfen seriöse Partnerportale. Solche Plattformen sind zum Beispiel für ihre Datensicherheit vom TÜV zertifiziert worden. 

Vorsicht mit sensiblen Daten

Sicherheitsexperten raten dazu, bei Dating-Portalen grundsätzlich das Kleingedruckte zu lesen. Dabei sollte man nicht zögern, sich Unverständliches erläutern zu lassen. Auch bei den eigenen, sensiblen Daten sollte man fremden Personen gegenüber vorsichtig sein und diese erst einmal nicht vollständig veröffentlichen. Vertrauenswürdige Plattformen stellen meist Systeme zur Verfügung, die man nutzen kann, ohne Persönliches preiszugeben. 

Kommt es dann zu einem ersten Treffen, sollte man das an einem öffentlichen Ort machen. Auch auf Enttäuschungen muss man gefasst sein. Hinter einem Traumprofil kann auch mal etwas ganz anderes stecken.  

Solche Gedanken gingen auch Renate (70) und Gerhard (74) durch den Kopf, als sie vor einigen Jahren beschlossen, einen neuen Partner im Raum Nürnberg über das Internet zu suchen. »Ich war schon immer sehr offen für moderne Technik«, erzählt der diplomierte Elektrotechnik-Ingenieur. »Nach dem Tod meiner Frau fiel mir nach und nach die Decke auf den Kopf.« Als er mal wieder alleine eine Tour mit dem Wohnmobil nach Weltenburg machte, dachte er beim Blick auf die Donau und eine herrliche Blumenwiese, wie schön es wäre, dieses gute Gefühl mit einer Partnerin zu teilen. »Mein großes Glück war, dass ich schon zwei Wochen nach meiner Anmeldung auf dem Partnerschafts­portal Renate getroffen habe und es uns sehr schnell klar war, dass wir zusammenbleiben wollen.« Inzwischen sind die beiden glücklich verheiratet. 

Renates Suche nach einem Partner gestaltete sich zunächst wenig intensiv, denn sie wollte nicht unbedingt gleich einen neuen Mann fürs Leben finden. Ihr war wichtig, einmal wieder zu zweit in den Urlaub zu fahren, ohne bei Freunden das »Anhängsel« zu sein. Sie hoffte, einen Freund für gemeinsame Theaterbesuche und Freizeiterlebnisse zu finden. »Es ist doch etwas anderes, wenn man das zusammen erleben kann«, sagt Renate, die nach einer Scheidung zunächst allein gelebt hatte. »Ich hatte auch keinen Wunsch nach einem Versorger oder nach Jemandem, mit dem ich gleich zusammenziehe.« Dass dann nach einigen nicht so angenehmen Begegnungen – ein Herr schickte ihr sogar Nacktbilder von sich, bei einem anderen Kandidaten klafften Foto und Realität weit auseinander – doch sehr schnell Gerhard in ihr Leben trat, bezeichnet auch sie als großes Glück. 

Aufrichtigkeit ist das A und O

»Das Ganze steht und fällt mit der Aufrichtigkeit bei der Kontaktsuche«, sagt Renate. Man müsse schon seine Antennen ausfahren und auch das Eine oder Andere hinterfragen. Wenn sich bei einer älteren Frau ein deutlich jüngerer Mann meldet, dann sei Vorsicht geboten. Ebenso wenn sich bei der ersten Begegnung herausstellt, dass das im Internet angegebene Alter offensichtlich falsch war.

Den Herrn mit den nicht jugendfreien Fotos hat Renate übrigens dem Portal gemeldet; sein Profil wurde daraufhin vom Provider gelöscht. Auch bei Hinweisen auf offensichtlich betrügerische Absichten reagieren die Betreiber seriöser Portale sofort.

Zum Glück meinen es die meisten Menschen doch immer noch gut, selbst im anonymen Internet. Für sie kann es dann doch eine neue Liebe geben. Und ein neues Leben.

Text: Karin Jungkunz
Foto: Flügelfrei / photocase.com

Zusatzinformationen: 

Die Dating App Tinder stand vor einiger Zeit wegen Altersdiskriminierung in Kalifornien vor Gericht. Damals akzeptierte die mobile Partnervermittlung einen Vergleich in Höhe von 23 Millionen Dollar, weil Nutzer über 29 Jahren für ein Tinder-Abo doppelt so viel bezahlen mussten wie jüngere Leute.

Jetzt schwappt der Streit nach Australien, wie das Fachblatt W&V berichtet. Die Verbraucherorganisation Choice legte eine offizielle Beschwerde ein, nachdem eine Mystery-Shopper-Umfrage ergeben hatte, dass die Preise für ein einmonatiges Abonnement von Tinder Plus ohne ersichtlichen Grund zwischen 6,99 (lesbische Frau unter 30) und 34 australischen Dollar (heterosexueller Mann über 50)  schwanken. Herausgekommen ist die variable Preisgestaltung bei Gesprächen unter Freunden.

Bild Homepage:  Tumisu/Pixabay