vignette_mielenzAlbert Wunsch, Erziehungswissenschaftler und Psychologe, sagt: “Verwöhnung ist Vernachlässigung im Glitzerlook”, Vernachlässigung sei offensichtlicher, Verwöhnung sieht netter aus, aber die Schäden sind für die Kinder gravierend (Nürnberger Zeitung v. 13.10.2015).  Aber warum bloß, sollen unsere Enkelkinder denn nicht verwöhnt werden?

Wunsch sagt, dass die Kinder, die in ihrer Kindheit verwöhnt wurden, später eine falsche Selbsteinschätzung hätten, weil sie für Alles und Jedes  gelobt worden seien. Sie könnten als Erwachsene nicht einmal kleinste Konflikte mit Freunden oder Partnern aushalten, sie seien harmoniebedürftig und würden deshalb ihre Meinung zurückhalten, wenn es Widerspruch geben könnte. Sie hätten ein mangelndes Durchhaltevermögen, seien instabil und fühlten sich schon bei geringsten Anlässen angegriffen.

In der Wissenschaft wird weiterhin befürchtet, dass stark behütete Kinder nicht lernen, mit (alltäglichen) Risiken umzugehen, also keine “Risikokompetenz” entwickeln. Risiko wird hier als eine Situation mit ungewissem Ausgang definiert und ist gar nicht so hochtrabend gemeint. Als Beispiele werden angeführt, dass Kinder sich nicht mehr allein auf den Schulweg machen, sondern ganz überwiegend mit dem Auto  zur Schule gebracht werden. Kinder werden auf den Spielplatz begleitet  (Eltern warten an den Spielgeräten, bis das Kind wieder ungefährdet ist) und  sie können draußen kaum noch unbeobachtet spielen und ihre Gegend ohne Erwachsene erkunden. In Kindertagesstätten und Schulen müssen sich Pädagogen immer häufiger gegenüber Eltern rechtfertigen, wenn sie ihre Kinder beim Toben und Raufen vermeintlich nicht genügend beschützt haben.

Sicherlich ist das so, dass Kinder sog. Risikoerfahrungen und entsprechende Kompetenzen brauchen, um sich zu selbständigen, selbstbewussten, eben nicht ängstlichen Persönlichkeiten zu entwickeln. Andererseits brauchen sie aber auch unseren Schutz und sind auf Eltern (und Großeltern) angewiesen, schließlich soll ihnen ja nichts Schlimmes passieren. Es wird wohl darauf ankommen, dazwischen das richtige Maß zu finden, den Kindern Freiräume zuzugestehen und auch ein wenig loszulassen. Aber ein bisschen Verwöhnen kann doch auch nicht schaden?