Foto: Michael Matejka
Kaum aus dem Berufsleben ausgeschieden, pflegte Fraunholz nicht nur seine Hobbys Tennis, Kegeln und Fußball, sondern er lebte auch die Begeisterung für die Bühne aus. Ideale Partner fand er in Gertrud Kutzberger, seit 25 Jahren Mitglied des Seniorentheaters »Tempo 100«, das in den Kammerspielen des Staatstheaters Nürnberg auftritt, sowie in Peter Heinlein, früheres Mitglied des Thalia-Theaters und der Nürnberger Hans-Sachs-Spielgruppe. Die erfahrenen Amateurdarsteller sind seit Jahren aufeinander eingespielt und brauchen deshalb vor den Aufführungen keine langen Proben. »Nur wenn wir neue Stücke ins Programm nehmen, wird noch mal intensiv geübt. Alle Sketche, die wir bringen, sind gespickt mit lustigen Pointen, und der eine oder andere Zuschauer wird sich bestimmt darin wiederfinden. Wir spielen in der Regel eine Stunde. Sollte es ein abendfüllendes Programm werden, treten wir auch gerne länger auf«, erzählt der Spielleiter. Die Vorstellungen sind meist gut besucht, nur einmal, bei einem Auftritt in Augsburg, hörten ihnen lediglich sieben Gäste zu.
Unter den vielen Geschichten ihres Repertoires ist der subtile Witz von Loriot (»Das Ei«) ebenso vertreten wie der tiefgründige Kalauer eines Peter Frankenfeld (»Papi geht´s gut!«). Der Inhalt ihrer Sketche: Lang verheiratete Eheleute liefern sich zermürbende Dialoge um vergessene Einkaufszettel, einen peinlichen Opernbesuch, einen Arzttermin, um die Stadtwurst oder den Kauf eines Esszimmertisches und anderes mehr. Den Abschluss jeder Aufführung bildet meistens ein Sketch, in dem Schiller und auch ein gewisser Schaller die Zuhörer amüsieren.
Die »Nürnberger Oldiekiste« verkörpert Typen aus dem Rentnerleben, deshalb ist ihre Zielgruppe in der Regel zwischen 50 und 100 Jahre alt. Die Akteure spielen gegen Gage überwiegend in Seniorenresidenzen, wollen es aber künftig stärker auf Kleinkunstbühnen versuchen. Sie hatten bereits erfolgreiche Auftritte bei der »Galerie Gaswerk« in Schwabach oder der »Glückserei« in Lauf an der Pegnitz. Weitere Möglichkeiten, vor einem jüngeren Publikum bei Firmenfeiern oder kleinen Festen aufzutreten, missglückten jedoch. »Bei diesen Anlässen haben wir schnell gemerkt, dass die Jüngeren lieber mit ihrem Smartphone herumspielen als uns zuzuhören«, schildert Fraunholz.
Bei älteren Zuschauern regt sich mitunter auch der Geist der Mitsprache. Im Stück »Die Golfschläger« geht es ums Trauern, die Eheleute unterhalten sich übers Sterben. Als die Frau ihren Mann fragte »Wirst du lange um mich trauern?«, kam aus dem Saal der Zwischenruf »Koane drei Dooch«. Zum Einakter »Der Hypochonder« fällt dem Spielleiter noch eine andere nette Episode ein: »Wir treten in dem Stück mit Schlafanzug und Morgenmantel auf. Einmal stand ich gerade an der Tür zur Garderobe, gegenüber war der Saal mit der Bühne. Als die Pflegekräfte die Senioren zu ihren Plätzen begleiteten, hat mich eine Pflegerin mit einem Heimbewohner verwechselt und besorgt zu mir gesagt: ›Na, wo wollen wir denn hin?‹«
Horst Mayer; Foto: Michael Matejka
Kontakt: Dieter Fraunholz, Telefon 0911 501472,
d-fraunholz@arcor.de, www.nuernberger-oldiekiste.de