Geschichtsträchtig: Schloss Grünsberg. Foto: Mile Cindric

Geschichtsträchtig: Schloss Grünsberg. Foto: Mile Cindric

von Rainer Büschel
Schon lange schicken Eltern ihre Kinder zum Studieren in die Welt hinaus. Zu Beginn der Neuzeit war die Welt allerdings noch kleiner, es reichte zum Beispiel den Nürnberger Eltern, ihre Sprösslinge ins etwa 25 Kilometer östlich gelegene Altdorf zu entsenden. Die ehemalige Universitätsstadt und ihre waldreiche, leicht gebirgige Umgebung sind der Ausgangspunkt der Herbstwanderung des Magazins sechs+sechzig. Sie führt durch dichte Wälder, das romantische Schwarzachtal, außerdem zu barocken Kleinodien und einigen Kuriositäten.
Der Wanderer erreicht Altdorf von Nürnberg, Fürth und Erlangen aus mit der S-Bahn-Linie 3. Die Stadt blickt auf eine fast 900-jährige Geschichte zurück und wurde 1129 das erste Mal urkundlich erwähnt – war vorher aber über 300 Jahre Königshof. Altdorf geriet schnell in den Einfluss der großen Schwesterstadt Nürnberg. So wurde sie 1360 als Markt erwähnt, als sie der Burggraf Albrecht von Nürnberg erwarb. 1504 ging sie dann in den Besitz der Stadt über.
Die Stadt war aber noch auf andere Weise mit der freien Reichsstadt verbunden: Ab 1575 war sie Sitz des nürnbergischen Gymnasiums, das 1623 das Universitätsprädikat erhielt und bis 1809 existierte. Die Nürnberger Patrizierfamilien ließen es sich nicht nehmen, ihre Kinder auf die Schule zu schicken, deren berühmtester Student der spätere Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) war. Über die Landesgrenzen hinaus anerkannt waren vor allem die medizinische Fakultät der Altdorfer, und hier die Chirurgie sowie die Rechtswissenschaft. Heute ist die ehemalige Uni als »Wichernhaus« bekannt. Die Rummelsberger Anstalten nutzen die Gebäude der ehemaligen Universität als Schule, Wohnung und Internat für junge Körperbehinderte. Wer nach Altdorf kommt, sollte sich die 1407 erbaute Laurentiuskirche anschauen, gleich daneben das im 16. Jahrhundert erbaute Renaissance-Rathaus aus fränkischem Sandstein und die drei mächtigen Türme der ehemaligen Stadtbefestigung.
Wir verlassen die Altdorfer Innenstadt durch das östliche Stadttor, gehen durch den Vorort und unter der Autobahn hindurch. Wer mag, kann seinen Weg nach Grünsberg so legen, dass er einen etwa einen Kilometer langen Umweg zur Prethalmühle macht. Hier ließen die Altdorfer im Mittelalter ihr Brot backen. Das gut erhaltene und restaurierte Gebäude-Ensemble, das noch heute bewohnt wird, liegt an der früheren Handelsstraße von Nürnberg nach Regensburg und damit direkt an der Grenze, die das Reichsstädtische Gebiet von dem der Wittelsbacher Oberpfalz trennte.
Von dort aus geht es etwa 500 Meter hinauf nach Prackenfels, das 1362 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Dominiert wird das Dorf, in dem es weder ein Gasthaus noch eine Bushaltestelle oder einen Laden gibt, von mehreren fränkischen Fachwerkhäusern, die unter Denkmalschutz stehen. Ab hier wandert man im landschaftlich reizvollen Tal der Schwarzach nach Grünsberg. Nach etwa zwei Kilometern wird man mit der jüngeren deutschen Geschichte konfrontiert: Am linken Wegesrand befindet sich ein auf einem Eisenträger befestigter Wehrmachtshelm, von einer Kugel durchschlagen. Hier starb am 19. April 1945 wenige Tage vor Kriegsende ein junger deutscher Soldat. Weiter geht es durch einen dichten Wald nach einer kleinen Flussquerung 200 Meter den Hang hinauf nach Grünsberg.
Gräber für 2000 Haustiere
An jedem ersten Sonntag ist hier das Grünsberger Schloss mit seinen wunderbaren Stuckdecken und anderem Inventar zu besichtigen. Ursprünglich eine Burg aus dem 13. Jahrhundert, wurde die Anlage im 18. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut. Auch hier ist der Einfluss Nürnbergs sichtbar: Ab 1754 gehörte das Schloss der Patrizierfamilie Stromer von Reichenbach. Genau gegenüber befindet sich der liebevoll restaurierte ehemalige Schlossgarten, der »Himmelsgarten«. Er beherbergt seit 1994 die Tiergedenkstätte »Anubis Himmelsgarten«. Hier ruhen etwa 2000 Haustiere – meist Hunde und Katzen – in Einzel- und Sammelgräbern. Viele davon sind liebevoll geschmückt mit Fotos von den Vierbeinern.
Der Wanderer verlässt Grünsberg nach links Richtung Süden. Nach etwa 300 Metern geht es in den Wald. Nach weiteren 300 Metern trifft man auf die Sophienquelle. Dieses Zeugnis barocker Gartenkultur im Nürnberger Land erinnert in seinem Aufbau an ein griechisches Theater. Das Halbrund des Brunnens der Sophienquelle besteht aus rotbraunen Sandsteinquadern und wird von einer Freitreppe auf beiden Seiten umgeben. Das Wasser sprudelt aus dem Sandstein, um dann über gemauerte Steine und Kaskadenbecken in einen Brunnen zu stürzen. Danach wird es in einen kleinen Teich abgeleitet, um zuletzt unterirdisch in die Schwarzach abzufließen.
Danach geht es durch dichten Wald hinauf nach Penzenhofen und von dort aus zur S-Bahn-Station Winkelhaid. Wer mag, kann von dort aus noch etwa fünf Kilometer weiter am Ebenbach entlang durch dichten Wald zur S-Bahn-Station Moosbach oder nach Ochenbruck laufen.
 
Vier Wandervorschläge von Altdorf aus durchs Nürnberger Land
Bei dieser mittelschweren Wanderung ist die Fritsch-Wanderkarte »Fränkisches Seenland« zu empfehlen, da die Markierung häufig wechselt:
Variante 1 führt von Altdorf nach Winkehaid zur S-Bahn-Station (10 Km)
Variante 2 endet in Moosbach bei der dortigen S-Bahn-Station (15 Km).
Variante 3 biegt etwa zwei Kilometer vor Moosbach nach links ab nach Ochenbruck zur dortigen S-Bahn-Station (15 Km)
Alternative: Man kann den Weg auch von der S-Bahn-Station Moosbach aus gehen, um dann in Grünsberg oder in Altdorf einzukehren.