Armenspeisung in der Holy Apostles Church in New York City
 
Foto: epd
Die Veranstaltung “Nürnberger Gespräche” der Bundesagentur für Arbeit unter Federführung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, gemeinsam mit der Stadt Nürnberg mit dem Titel “Trotz Arbeit arm im Alter?” hat interessante Diskussionsteilnehmer auf ihr Podium gebeten: Es diskutieren Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes vdK, Franz Müntefering (SPD), ehm. Vizekanzler und Minister für Arbeit und Soziales, Axel Börsch-Supan, Direktor des Müncher Center for Economics of Aging im Max-Planck-Instititut für Soizialrecht und Markus Promberger, Leiter des Forschunsgsbereichs Erwerbslosigkeit und Teilhabe das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Markus Promberger hat gemeinsam mit Christina Wübbeke und Anika Zylowski den Kurzbericht 15/2012 “Private Altervorsorge fehlt, wo sie am nötigsten ist” erarbeitet.
Die Veranstaltung findet am Mo., 29. April 2013, um 18 Uhr im Historischen Rathhaussaal der Stadt Nürnberg, Rathausplatz 2, Nürnberg statt und kann von allen Interessierten besucht werden.
 

Markus Promberger vom IAB, Leiter des ForschungsbereichsErwerbslosigkeit und Teilhabe. Foto: privat

Markus Promberger vom IAB, Leiter des ForschungsbereichsErwerbslosigkeit und Teilhabe. Foto: privat

Interview mit Markus Promberger:
Magazin66: Sie haben – gemeinsam mit zwei Kolleg/innen – das Verhalten von Empfängern von Arbeitslosengeld II untersucht. Wie verhält sich diese Gruppe bei der privaten Altersvorsorge?
Promberger: Nur eine kleine Minderheit der Leistungsbezieher spart für das Alter in Form von Lebensversicherungen, Sparverträgen und Ähnlichem. Etwas mehr verfügen über selbst genutztes privates Wohneigentum, aber auch das ist noch eine Minderheit. Manche Beobachter tun das als unvernünftiges Verhalten ab, doch das sehe ich anders.
Magazin66: Wie sehen Sie das?
Wer so wenig Geld zur Verfügung hat, dass er oder sie ab der Monatsmitte jeden Cent zweimal umdrehen muss, kann auch nichts für das Alter sparen, sondern ist froh, wenn er über die Runden kommt. Warum eine kleine Minderheit es trotzdem schafft, weiter zu sparen, müssen wir noch genauer erforschen. Als Paar oder Familie in selbst genutztem Wohneigentum zu leben, ist dafür nachweisbar hilfreich. Man kann in Haushalten mit mehreren Erwachsenen vielleicht günstiger wirtschaften, verfügt über eine größere Bandbreite an geldsparenden Fähigkeiten wie Hauswirtschaft und Eigenarbeit, vielleicht sogar über einen Garten. Selbst genutztes Wohneigentum ist auch besser, denn anders als noch in der Sozialhilfe, muss man die Wohnung jetzt nicht mehr verkaufen, sofern sie „angemessen“ ist, um für Hartz IV anspruchsberechtigt zu sein.
Magazin66: Bringt es den Empfängern von Grundsicherung überhaupt etwas bei ihrer Altersicherung, wenn sie von dem wenigen Geld etwas abzweigen?
Promberger: Wenn jemand annehmen muss, dass er auch im Alter aus der Grundsicherung nicht herauskommt, dann rechnet sich die Einzahlung in die private Alterssicherung nicht, weil die Auszahlungen auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden. Kriegt einer 100 Euro Riester-Rente, bekommt er 100 Euro weniger Grundsicherung im Alter.
Magazin66: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat auf die drohende Altersarmut weiter Kreise der Bevölkerung hingewiesen. Wenn Sie die Ergebnisse Ihrer Studie betrachten: Sind die Arbeitslosen und Geringverdienener heute auch die Armen im Alter?
Promberger: Wenn jemand heute für einen längeren Zeitraum gering verdient oder von Unterstützungsleistungen wie Hartz IV leben muss, hat er oder sie jedenfalls ein höheres Risiko, im Alter arm zu sein. Wenn es sich bei Arbeitslosigkeit oder geringem Verdienst nur um ein kurzfristiges Problem handelt, dann nicht. Wie alle derartigen Systeme ist Hartz IV nicht richtig dafür gebaut, dauerhaft auf einem halbwegs akzeptablen Niveau davon zu leben, insbesondere auch was den Aufbau von Alterssicherung betrifft. Ich finde aber, ein großer Teil des Problems liegt in den vielen instabilen und schlecht bezahlten Jobs, die weder ein ordentliches Einkommen noch hinreichende Sozialversicherungsansprüche erzeugen. Ebenso in den schlechten Arbeitsmarktchancen für Geringqualifizierte. Als Betroffener hat man es schwer, sich da herauszuarbeiten.
Interview: Rainer Büschel