Wieder einmal hat ein Forschungsunternehmen, nämlich die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, in einer repräsentativen Umfrage (veröffentlicht im Januar 2013) wissen wollen, wie kinderfreundlich Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist. Was dabei herausgekommen ist, hört sich für Großeltern nicht gut an: Nur 15% der Befragten geben Deutschland gute Noten in Sachen Kinderfreundlichkeit. Das ist auch ein ziemlicher Schlag gegen alle, die sich professionell und nicht-professionell um Verbesserungen für Familien und Kinder bemühen. Nach dieser Umfrage und der Einschätzung der Befragten ist Europa insgesamt nicht besonders kinderfreundlich (z.B. Spanien 49%, Österreich 31%, Polen 21%), nur in Dänemark wird mit 90% ein Spitzenwert erreicht.
Um diese Umfrage präzise zu deuten, müßte man die zugrunde gelegten Kriterien und die Fragen genauer kennen, denn am Geld, das für Kinder und Familien in Deutschland aufgewendet wird kann es wohl nicht liegen, schließlich werden Jahr für Jahr rd. 200 Milliarden Euro für Familien und Kinder ausgegeben. In diesem Betrag enthalten sind viele Maßnahmen und Unterstützungen für Familien und (Enkel-)Kinder, Kindergeld, Kindertagesstätten, Frühförderung, Bildung, Famlien- Krankenversicherung, Steuererleichterungen und vieles andere mehr. Es scheint so, dass diese familienunterstützenden Angebote nicht unbedingt zum Maß an Kinderfreundlichkeit gehören. Oder sehen die Befragten immer nur das, was noch fehlt und nicht das bisher Erreichte? Oder fehlt es einfach an Transparenz und Information in diesem Wirrwar an Familien- und Kinderpolitik? Vielleicht meinen die Befragten aber auch, dass die falschen Maßnahmen gefördert werden, die zudem noch Ungerechtigkeiten zwischen den Familien befördern und bei ihnen nicht „ankommen“?
Vielleicht aber geht es einfach auch „nur“ um Kinderfreundlichkeit im Alltag, um Wertschätzung und Anerkenung und um Geduld, wenn es im Wohnhaus eine Etage höher mal wieder reichlich Kinderlärm gibt, wenn an der Kasse im Supermarkt Kinder lauthals kreischen, wenn sie nicht die Gummibärchen bekommen oder wenn im Flugzeug ein kleines Kind sich ganz und gar nicht beruhigen lassen will? Das zu ändern, dazu bedarf es kein Geld und kein neues Gesetz, das geht schon gleich morgen!