Die Tour beginnt in Solnhofen. Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man Zeit für den Besuch des Ortes einplanen. Berühmt ist Solnhofen für seine Versteinerungen. Die Skelette der »Ureinwohner« dieser Region aus dem Jura und der Kreidezeit (vor 199 bis 65 Millionen Jahren) sind im Bürgermeister-Müller-Museum – schräg gegenüber vom Bahnhof – zu sehen. Sie wurden bei Ausgrabungen in den Steinbrüchen rund um den Ort gefunden. Man stieß auf Überreste von Pflanzen, Skelette von Dinosauriern, Fischen, Schildkröten, Flugsauriern, Insekten und Ammoniten (Kopffüßer). Alle diese Tiere und Pflanzen lebten damals in einer Lagunenlandschaft im ostbayerischen Korallenriffgürtel, der wie ganz Süddeutschland von einem subtropischen Meer umgeben war. Die wichtigsten Funde waren allerdings mehrere versteinerte Skelette des »Urvogels« Archaeopteryx (insgesamt wurden elf Exemplare gefunden). Einen Teil der Versteinerung des Urvogels – 1860 wurde die Feder des ersten Archaeopteryx entdeckt – kann man im Solnhofener Museum besichtigen. Andere befinden sich im Naturkunde-Museum in Berlin, im Paläontologischen Museum in München und in London.
Zeugen der Erdgeschichte
Auch die »jüngere« Geschichte Solnhofens ist interessant. Erstmals in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts n. Chr. als »Husen« urkundlich erwähnt, war der Ort gemeinsam mit Eichstätt ein Zentrum der Christianisierung Ostfrankens durch den angelsächsischen Mönch Sualo. Als Dank dafür erhielt dieser das damalige »Solaehofinum« von Karl dem Großen geschenkt. Sualo starb etwa 794 n. Chr. und wurde im damaligen Solnhofen begraben. Sein Grab wurde dann in einer etwa um 1000 n. Chr. erbauten frühromanischen Basilika untergebracht. Reste eines etwa 21 Meter langen Seitenschiffs dieser Kirche aus Kalkstein mit dem leeren Grab von Sualo kann man besichtigen. Die Grabung befindet sich in einer Kirche, etwa 200 Meter vom Bahnhof entfernt. Nach dem Tod des Mönchs gehörte Solnhofen zum Kloster Fulda. In der Folgezeit versuchten die Solnhofener wenig erfolgreich, sich den Einflüssen des Fuldaer Klosters zu entziehen. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, erlangte Solnhofen erst durch Alois Senefelder, den Erfinder der Lithografie, wieder überörtliche Bedeutung. Er entdeckte um 1798, dass der Solnhofener Plattenkalk sehr gut zum Drucken geeignet war.
Die vorgeschlagene Fahrradtour beginnt am Solnhofener Bahnhof. Von dort aus fährt man in Richtung Osten über die Bahn hinweg etwa einen Kilometer auf der Straße, direkt in den Talgrund zum Radweg an der Altmühl. Nach kurzer Zeit sieht man auf der linken Seite die Felsgruppe der »Zwölf Apostel«. Sie und das beeindruckende Landschaftsbild sind die Zeugen einer Entwicklung im Erdmittelalter, als vor etwa 150 Millionen Jahren das bereits erwähnte warme und flache Meer Süddeutschland bedeckte. Durch den ständigen Zufluss von frischem Meerwasser bildete sich durch Ablagerung in der Region um Solnhofen ein Riff. Gegen Ende des Tertiär (etwa vor 65 Millionen Jahren) wurde die Frankenalb tektonisch gehoben und das Meer verschwand. Nach dem Rückgang des Meeres flossen zwei Flüsse – der Ur-Main und die Ur-Donau – im Gebiet um Solnhofen und Eichstätt. Beide drangen noch nicht tief in den Riffgürtel aus Schwamm-Algen-Kalk vor. Im frühen Quartär, also vor etwa 2,5 Millionen Jahren, wurde der Lauf des Ur-Mains nach Norden zum Rheinsystem verlegt. Danach übernahm die heutige Altmühl das vom Ur-Main hinterlassene Tal und grub sich tief in die Jurakalke ein. Erst vor etwa 70.000 Jahren, nach der Verlagerung der Donau an den Südrand der fränkischen Alb, übernahm die Altmühl dann auch das breite ehemalige Donautal zwischen Dollnstein und Kelheim.
Kirchen im Überfluss
Über Eßlingen geht es immer an der Altmühl entlang nach Altendorf. Dort kann man die Wallfahrtskirche Maria End besichtigen, in der ein Gnadenaltar aus dem 16. Jahrhundert steht. Er stellt den Tod Mariens im Beisein der Jünger dar. Ein paar Kilometer weiter erreicht man Dollnstein. Im Jahr 1007 erstmals als Tolunstein in einer Urkunde Heinrichs II. erwähnt, lag der Ort strategisch günstig an einer Straße. Bereits in der Römerzeit führte diese nach Weißenburg und Treuchtlingen. Außerdem lag der Ort an der Altmühlfurt, die einen Übergang zur Donau markierte. Diese strategische Bedeutung des Ortes blieb bis etwa in das 16. Jahrhundert erhalten.
Für Liebhaber alter Kirchen ergeben sich noch mehrere Gelegenheiten zur Besichtigung am Altmühlweg nach Eichstätt: die Pfarr- und Klosterkirche St. Johannes in Rebdorf, die im 12. Jahrhundert im Stile einer romanischen Pfeilerbasilika erbaut wurde und im 18. Jahrhundert nach barockem Vorbild ihr heutiges Aussehen erhielt; die St.-Anna-Kirche in Marienstein mit einem spätgotischen Flügelaltar (1520) und einer Holzfigur der heiligen Anna (um 1510). Zur Besichtigung dieser Kirchen muss man allerdings den Weg am Fluss verlassen und ins jeweils wenige Meter entfernte Dorf radeln. Lohnend ist auch ein Besuch der Ende des 15. Jahrhunderts erbauten Kirche zur Gottesmutter Maria in Wasserzell mit einem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Tafelbild der 14 Nothelfer. Die Kirche erreicht man auf einer Abzweigung hinter dem Ortschild von Eichstätt auf einer schmalen, wenig befahrenen Straße.
Der 740 vom heiligen Willibald gegründete Bischofssitz, die heutige Universitätsstadt Eichstätt, ist ein lebendiges Mittelzentrum. Im Dreißigjährigen Krieg von den schwedischen Truppen 1634 zerstört, erlebte die Stadt in der Folge ihre Blütezeit. Die Graubündner Baumeister Gabriel de Gabrieli und Maurizio Pedetti leiteten den barocken Wiederaufbau, der sich noch heute im Stadtbild niederschlägt. Sehenswürdigkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte, sind der Dom, die fürstbischöfliche Sommerresidenz mit dem Hofgarten, die Kapuzinerkirche mit einer Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem (12. Jahrhundert) und die 1353 bis 1365 erbaute Willibaldsburg mit ihren Museen. Bevor man den Zug nach Hause nimmt, sollte man sich bei einer ausgiebigen Brotzeit vom fast südländischen Flair der Stadt anstecken lassen.
Rainer Büschel, Fotos: Mile Cindric
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Anfahrt: Von Nürnberg aus mit der R 6 (bis Treuchtlingen), umsteigen in die R 63 bis Solnhofen.
Rückfahrt: Eichstätt über Ingolstadt nach Nürnberg (Achtung: kein Verkehrsverbund!)
Bürgermeister-Müller-Museum: Bahnhofstr. 8, Solnhofen, Tel. 09145/8320-30 oder -20, April bis Oktober, tägl. 9 – 17 Uhr, November bis März nur sonntags, 13 – 16 Uhr.
Sportliche Radler können weiter an der Altmühl fahren, bis zum etwa 30 Kilometer entfernten Zufluss der Schwarzach bei Kinding. Von dort aus geht es dann noch etwa 15 Kilometer bis nach Greding (kein Verkehrsverbund).