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Sollen ältere Menschen ein Vorrecht auf Parklätze bekommen wie Schwerbehinderte oder Frauen? Über diese Frage wird derzeit in Berlin nachgedacht. Nach dem CDU-Bundesvorstandsmitglieds Otto Wulff hat sich auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) prinzipiell dafür ausgesprochen – und gleichzeitig der Diskussion Grenzen gesetzt.
Für Otto Wulff, Professor und Vorsitzender der Senioren-Union, mit 57.000 Mitgliedern zweitgrößte CDU-Bundesvereinigung, waren die sich häufenden Überfälle auf ältere Menschen der Anlass für seinen Vorschlag. Er verwies auf mehrere positive Beispiele in deutschen Städten und forderte eigene Stellplätze für Rentnerinnen und Rentner in Tiefgaragen und auf öffentlichen Stellflächen. Vor dem Hintergrund des jüngsten Demografieberichts der Bundesregierung, wonach bereits jeder zehnte Raubüberfall Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren trifft, mahnte der CDU-Politiker mehr Sicherheit in Tiefgaragen und auf öffentlichen Parkplätzen an: “Ähnlich wie für Behinderte und Frauen sollte ein bestimmtes Kontingent an Stellplätzen möglichst nahe im Bereich von frequentierten Einfahrten und Kassen älteren Menschen vorbehalten sein. Diese fühlen sich in vor allem in der Abgeschiedenheit dunkler Tiefgaragen oft unsicher. Einige Parkhäuser wie unter anderem in München gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran. Reservierte Senioren-Parkplätze sollten nicht nur in Tiefgaragen, sondern auch vor öffentlichen Gebäuden gesetzliche Norm werden. Eine entsprechende Verordnung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer würde ich sehr begrüßen.”
Ramsauer schloss sich bald darauf dem Vorschlag an und appellierte an Parkhausbetreiber, für Rentner Extra-Stellplätze zu reservieren. Das wäre neben Frauen- oder Mutter-Kind-Parkplätzen “ein besonderer Service für ältere Menschen”, sagte Ramsauer der Bild-Zeitung. Der Verkehrsminister schränkt allerdings auch ein, dass Extra-Parkplätze für Senioren im öffentlichen Verkehrsraum nicht in Betracht kommen. Hier hätten nur Behinderte und Anwohner Sonderrechte.
In der öffentlichen Diskussion hat der Vorschlag unterdessen mehr für Erheiterung gesorgt denn für eine seriöse Diskussion. Unter anderem nahm der Spitzenkolumnist der Zeitung “Die Welt”, Hans Zippert, die Idee in seiner Kolumne ironisch mit weitere Gruppen aufs Korn, denen Sonderparkplätze zustünden: “Auch Hundebesitzer sollten doch möglichst nahe am Parkhausausgang stehen dürfen, damit die Tiere nicht so lange den giftigen Abgasen ausgesetzt sind. FDP-Mitglieder sind vom Aussterben bedroht und sollten ihre wertvolle Restlebenszeit nicht mit Parkplatzsuchen vergeuden. Müsste es nicht auch Sonderparkplätze für Ostdeutsche geben, die ja sonst oft genug stark benachteiligt sind? Ostdeutsche Angehörige der Linkspartei brauchen ihr Auto dann noch nicht mal abzuschließen, denn das wird kostenlos vom Verfassungsschutz überwacht.”

Den Originalbeitrag von Hans Zippert finden Sie hier.
Die Pressemitteilung der Senioren-Union finden Sie hier.