Drei Varianten einer Radtour gehen durch das Erlanger Oberland. Sie führen an reizvollen Obstplantagen und historischen Baudenkmälern entlang. Foto: Mile Cindric

Mit diesem Radwander-Vorschlag werden viele Wünsche gleichzeitig erfüllt: Er ist stadtnah und gleichzeitig führt er durch viele kleine, reizvolle, fränkische (Bilderbuch-)Dörfer; er ist für Genussradler genauso geeignet wie für stramme Radfahrer; er ist landschaftlich reizvoll und bietet Einkehrmöglichkeiten – der Ausflugs-tipp des Magazins sechs+sechzig für einen schönen Herbsttag führt von Erlangen über Neunkirchen am Brand, Hetzles und Effeltrich bis nach Baiersdorf.
Damit wir alle Versprechungen auch einhalten können, haben wir drei Möglichkeiten für die Radtour erarbeitet, die sich sowohl von der Länge als auch vom Schwierigkeitsgrad her unterscheiden (siehe Information). Alle Varianten beginnen am Bahnhof in Erlangen. Von dort geht es Richtung Osten zum Lorleberg-Platz, hier führen Hinweisschilder durch Erlangens grüne, beschauliche Vorstädte bis nach Uttenreuth.
Hier und da führt der Weg kurzzeitig an einer größeren Straße entlang, im Großen und Ganzen radelt man aber auf ebenen Nebenstraßen. Nach Uttenreuth (Landkreis Erlangen-Höchstadt) geht es (leider) an der Hauptstraße entlang, danach meist auf separaten Radwegen bis Dormitz. Böse Zungen behaupten, es handle sich um eine (Schlaf-)Vorstadt Erlangens, weil sich die Einwohnerzahl in den letzten 50 Jahren nahezu verdoppelt hat, vorwiegend aufgrund eines Zuzugs aus der Hugenottenstadt. Das ist aber, wenn überhaupt, nur die halbe Wahrheit. Denn Dormitz, das heute zum Landkreis Forchheim gehört, kann auf eine über 800-jährige Geschichte zurückblicken. So wurde es in zwei Urkunden erwähnt – in einer aus dem Jahr 1142 und in einer vier Jahre später. Die längste Zeit seiner Geschichte gehörte es zum Hochstift Bamberg (bis 1803). Erwähnenswert ist die Kirchenburg aus dem Jahr 1400. Von ihr existiert heute nur noch die Kirche »Zu unserer lieben Frau« mit einigen gotischen Kunstwerken.
Hübsche Dörfer, kleine Seen
Hinter Dormitz beginnt der Teil der Strecke auf wenig frequentierten Straßen und einigen wenigen landwirtschaftlich genutzten Wegen durch Dörfer, vorbei an mehreren kleinen Seen, die vom Kiesabbau herrühren und heute im Sommer als Badegelegenheiten genutzt werden. Zunächst führt der Weg bis Kleinsendelbach. Dort folgt man der wenig befahrenen Straße bis nach Neunkirchen am Brand. Wer kann, dem sei der etwas schweißtreibende, weil mit zwei kleinen Steigungen verbundene, zirka elf Kilometer lange »Umweg« über Etlaswind, empfohlen (siehe Variante 2, Abstecher).
Das Erzbistum Bamberg hat Neunkirchen am Brand (Kreis Forchheim) um das Jahr 1050 gegründet. Der Name leitet sich von der »Neuen Kirche« ab, die nach Brandrodungen dort errichtet wurde. Der Namenszusatz am Brand kann sich auf den dort verlaufenden Brandbach und die Rodung beziehen. Schon bald wuchs dem Ort mit dem Augustiner Chorherrenstifts-Kloster (1314) und dem Marktrecht (1410) überörtliche Bedeutung zu. Dies drückt sich auch im Bau der Wehrmauer im frühen 16. Jahrhundert aus. Sie ist noch heute im alten Stadtkern sichtbar. Genauso wie die drei wuchtigen, gut erhaltenen Stadttore, durch die man die Altstadt betritt: das Erlanger, das Forchheimer und das Erleinhofer Tor. Die Wehranlage verhinderte aber nicht, dass Neunkirchen am Brand im ausgehenden Mittelalter und in der neueren Zeit sowohl in den Bauernkriegen (1525) als auch im Markgrafen- (1551) und im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) Schauplatz heftiger, kriegerischer Auseinandersetzungen war.
Die letzte Zuzugswelle, prägte die Stadt nachhaltig: Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich dort viele Heimatvertriebene an. Zusammen mit den »Siemensianern«, die nach Erlangen pendelten, suchten sie nach ausreichend Wohnraum. Dies führte zu zahlreichen Neubaugebieten, die den eigentlichen (Klein-)Stadtkern beinahe dahinter verschwinden lassen.
Auf der wenig befahrenen Straße und einem parallel dazu verlaufenden Radweg erreicht man ein fränkisches Bilderbuchdorf, Hetzles. Das im Jahr 1109 erstmals urkundlich erwähnte Dorf glänzt durch seine zahlreichen Fachwerkhäuser älteren und jüngeren Datums und die knorrigen Bäume, die die Hauptstraße samt dazu gehöriger Wirtschaften säumen. Bekannt geworden ist Hetzles aber auch durch einen Ringwall und einige Abschnittsbefestigungen aus der Hallstatt- und der Latènezeit auf dem Hetzleser Berg. Interessant ist das Dorfwappen, das über einen silbern und blau geteilten Schildfuß in Rot einen schräg gestellten Bischofsstab aufweist. Daneben sieht man gestielte Kirschen und ein silbernes Ammonshorn. Die Darstellung verweist mit dem Schildfuß auf die Familie Breitenstein, die im 14. Jahrhundert in Hetzles ansässig war, der Stab auf Michael von Deinlein, Erzbischof in Bamberg von 1858 bis 1875. Sein Geburtshaus befindet sich im Dorf.
In der Dorfmitte geht es links ab nach Honings, in dem es ebenfalls malerische Fachwerkhäuser gibt. Von Honings aus geht es bergab etwa vier Kilometer auf einer viel befahrenen Landstraße nach Effeltrich, dessen Namen so viel bedeutet wie »Ort mit vielen Äpfeln« oder »Apfelreich«. Die 1174 erstmals urkundlich erwähnte und bis 1802 zum Hochstift Bamberg gehörende Siedlung weist auch heute noch eine ausgeprägte Obstbaumzucht auf. Im Lauf seiner Geschichte wurde der Ort im Hussiten- (1430) und im Markgrafenkrieg (1449/50) – hier von Nürnberger Truppen – zerstört. Aus diesem Grund baute man zwischen 1470 und 1490 eine imposante Wehrkirche. Einen guten Eindruck von der ursprünglichen Befestigungsanlage gibt der noch an der Ostseite erhaltene Torbau. Die Kirche selbst vermittelt, obwohl ihre Bauten älteren Datums sind, einen barocken Eindruck. Dies sieht man auch an der bunten Figurengruppe Laurentius-Georg-Sebastian, die den Wehrgang schmückt. Entstanden ist sie im frühen 16. Jahrhundert. Darüber hinaus sollte man sich auf jeden Fall die wohl über 800 Jahre alte Linde im Ortskern und die Kirchenburg ansehen. Danach bleibt nur noch der Heimweg, entweder zum fünf Kilometer entfernten Baiersdorfer Bahnhof oder über Adlitz nach Erlangen (Variante 3 Abstecher).
Rainer Büschel; Fotos: Mile Cindric