Meiner Kollegin Brigitte Lemberger ist ein großen Wurf gelungen. Sie hat in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag geschrieben, der wohl das Lebensgefühl eines Teils unserer Leserschaft sehr genau trifft. Sie hat ihren Artikel nicht nur mit den Worten überschrieben: In Würde vertrotteln. Nein, Sie hat sich dann auch noch die Freiheit herausgenommen und ist gegen die hyperaktiven Rentner zu Felde gezogen, die sie ganz nervös machen.
Es ist wohltuend zu wissen, dass man sich auch einmal zurücklehnen kann. Das Wort Ruhestand ist ja schon länger zu einem Unruhestand verkommen. Die Folge sind immer dreistere Forderungen nach einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Dabei arbeitet man ja nicht nur in einem Job, sondern auch noch zu Hause. Anders wären die vielen hochbetagten Menschen gar nicht zu versorgen. Aber von dieser Leistung, die sehr viele stillschwiegend übernehmen, spricht man häufig nur in Sonntagsreden. Deswegen ist das hohe Lied auf das Recht auf Faulsein nichts Ehrenrühriges, sondern die Aufforderung, sich Zeit zu nehmen für die Dinge, die einem wirklich wichtig sind und die in früheren Lebensjahrzehnten zu kurz gekommen sind.
Vielleicht ist das ja ein neuer Trend: Dass sich Senioren das Recht auf Müßiggang zurück erobern. Wer trotzdem einen Terminkalender benötigt, der darf dann eben öfter mal “Ruhetag” eintragen.