Wirbelsäulenspezialist Dr. Kurt Wiendieck hat gute Nachrichten für die Patienten.

Ich hab’ Rücken.« Diesen Seufzer, den einst Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer in die Welt gesetzt hat, kennt und nutzt inzwischen fast jeder. Ob alt oder jung, irgendwann im Leben trifft es jeden. Doch Dr. med. Kurt Wiendieck, Chefarzt der Klinik für Konservative und Operative Wirbelsäulentherapie an den DR. ERLER KLINIKEN Nürnberg, hat eine gute Nachricht: »Hinter den allermeisten Rückenschmerzen steckt nicht gleich etwas Schlimmes. Sie vergehen häufig nach Tagen oder Wochen wieder von allein.«
Die »knöcherne Mitte«
Die Wirbelsäule ist ein komplexes Organ. Sie besteht aus einer zusammenhängenden, beweglichen Kette von Wirbeln, die als »knöcherne Mitte« den Körper aufrecht hält, den Kopf trägt und Rumpf, Brustkorb, das Becken, die Schultern, Arme und Beine verbindet. Zusammen mit elastischen Bandscheiben, Muskeln und Bändern ermöglicht sie Bewegungen in fast alle Richtungen. Und sie schützt das Rückenmark, einen Strang von Nervenzellen und ihren Fortsätzen, der für die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem restlichen Körper zuständig ist. Kein Wunder also, wenn bei diesen vielfältigen Funktionen mal ein – oft schmerzhaftes – Problem auftritt.
Zu Dr. Kurt Wiendieck und seinem Team kommen besonders häufig Patientinnen und Patienten, die mit Verschleißerkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose (eine Verengung des Kanals in der Wirbelsäule, in dem die Nerven und das Rückenmark liegen) zu kämpfen haben. »Ein Bandscheibenvorfall verursacht heftige Schmerzen und kann auch zu Lähmungen, Gefühlsstörungen wie Kribbeln und Taubheit oder auch zu Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen führen«, schildert der Chefarzt. Insbesondere bei Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen liegt ein medizinischer Notfall vor, dann ist eine Operation meist unausweichlich. Die meisten Bandscheibenvorfälle müssen aber nicht operiert werden. Mit Krankengymnastik, Medikamenten oder Spritzen lässt sich vielen Betroffenen schon helfen. Wenn aber die konservativen Möglichkeiten nichts bringen und die Lebensqualität der Patienten stark leidet, dann fassen viele doch eine Operation ins Auge.
Es bleiben keine großen Narben
Viele dieser Eingriffe werden inzwischen minimalinvasiv durchgeführt. Durch ein dünnes, starres Rohr wird – kontrolliert durch eine Kamera – mit winzigen Instrumenten zum Beispiel der Bandscheibenvorfall abgetragen. Es bleiben keine großen Narben und die Patienten dürfen schnell wieder heim. Auch bei der Spinalkanalstenose – dem »Klassiker« bei älteren Menschen – können häufig diese schonenden Verfahren eingesetzt werden. Bei der Spinalkanalstenose schaffen die Betroffenen nur noch kurze Gehstrecken. Manchmal müssen sie, ähnlich wie bei der Schaufensterkrankheit, schon nach fünf oder zehn Metern wegen starker Rücken- und Beinschmerzen stehenbleiben. Wiendieck: »Radfahren geht dann noch ganz gut, weil dabei der Körper etwas nach vorne geneigt ist. Ich sage diesen Patienten immer scherzhaft: Sie können noch bei der Tour de France mitmachen, aber der Weg zum Bäcker wird zur Qual.«
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Schmerzsyndromen an der Wirbelsäule, die ebenfalls nicht zwingend operiert werden müssen. Zumeist sind dies Arthrosen in den kleinen Zwischenwirbelgelenken wie etwa das Iliosakralgelenk-Syndrom oder das Facettensyndrom. »Hier versuchen wir durch Infiltration – das sind Spritzen, die wir gezielt unter Röntgendurchleuchtung setzen –, die Beschwerden zu lindern«, erläutert der Chefarzt. Ähnliche Techniken können auch bei Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen eingesetzt werden, um die Nerven so zu beruhigen, dass nicht operiert werden muss.
Korsett oder Zement
Bei älteren Patienten kommt es häufiger auch zu osteoporotischen Brüchen. Dabei bricht durch den Knochenschwund ein Wirbel ein. Die Behandlung hängt davon ab, wie der Wirbel gebrochen ist. Eine Option kann ein Korsett sein, eine andere Möglichkeit wäre, den Wirbelkörper von innen mit Zement aufzufüllen und so zu stabilisieren. »Das ist keine Versteifung der Wirbelsäule, es wird nur ein Wirbel stabilisiert«, betont Wiendieck. Für die Patienten ist diese Zementeinspritzung ein Segen, so der Arzt. Der minimalinvasive Eingriff dauert nur etwa zehn Minuten und befreit die Betroffenen schnell von ihren Schmerzen. Allerdings ist diese Technik nicht bei allen Wirbelbrüchen möglich, vor allem nicht, wenn sich der Knochen in Richtung Rückenmarkskanal verschoben hat. Manchmal bleibt bei Wirbelbrüchen aber auch nur eine Versteifung der Wirbelsäule, um nervale Strukturen zu schützen. Um weitere Wirbelbrüche zu vermeiden, muss die Osteoporose gut behandelt werden.
Manchmal leiden die Patienten auch seit Jahren unter chronischen Schmerzen, für die sich trotz aller ärztlicher Kunst keine Erklärung oder Ursache finden lässt. Linderung kann hier ein Schmerzgenerator bringen, der ähnlich wie ein Herzschrittmacher funktioniert. Das kleine Gerät wird operativ eingesetzt und sendet über einen dünnen Draht elektrische Signale an die Nerven im Rückenmark. So hindert der Stimulator bestimmte Nerven daran, die Schmerzinformation an das Gehirn weiterzuleiten. In 70 Prozent der Fälle profitiert der Patient davon, so der Chefarzt. Die Schmerzen werden weniger, der Schmerzmittelverbrauch sinkt.
Egal ob Bandscheibenprobleme, Spinalkanalstenose, Wirbelbrüche, Verkrümmungen der Wirbelsäule oder auch Tumore: Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT sichern immer die Diagnose, geben aber nicht automatisch die Therapie vor. »Erst die weiteren ärztlichen Untersuchungen weisen den Weg, ob eine konservative Behandlung möglich ist oder eine Operation ansteht«, erklärt der Wirbelsäulenspezialist. Über die Zeit müsse man dann mit dem Patienten den weiteren Verlauf beobachten. »Das kann auch bedeuten, dass man manchmal eine Therapieentscheidung wieder ändern muss.«
Text: Karin Winkler
Foto: W.M. Photofabrik GmbH / DR. ERLER KLINIKEN NÜRNBERG
Information
Ein Termin zur Sprechstunde in der Klinik für Konservative und Operative Wirbelsäulentherapie der DR. ERLER KLINIKEN Nürnberg kann per E-Mail unter wirbelsaeulentherapie@erler-klinik.de, telefonisch unter 0911/2728-460 oder per Rückrufformular auf der Homepage erler-klinik.de vereinbart werden.
Digitaler GesundheitsTalk: Wenn der Rücken zur Problemzone wird
Früher galten Rückenschmerzen als unangenehmer Begleiter des Alters. Aber heute gibt es zahlreiche Therapiemöglichkeiten. Erst am Ende der Skala steht eine Operation. Dr. med. Kurt Wiendieck, Chefarzt der Klinik für Konservative und Operative Wirbelsäulentherapie an den DR.ERLER KLINIKEN Nürnberg, stellt beim sechs+sechzig-GesundheitsTalk am Mittwoch, 7. Oktober, um 17 Uhr, gängige Behandlungsmethoden vor. In seinem Impulsvortrag beschäftigt er sich intensiv mit der Wirbelsäule, den Ursachen für Rückenschmerzen und beantwortet im moderierten Chat Fragen aus dem Teilnehmerkreis. Die kostenlose Online-Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Magazin sechs+sechzig und den DR.ERLER KLINIKEN. Anmeldung für den GesundheitsTalk bis Montag, 5.Oktober, an info@magazin66.de oder unter service.magazin66.de/gesundheits-talk. Der Zoom Link wird rechtzeitig zugesandt.




