Foto: Jasmin Szabo, Klinikum NürnbergIm Kopf fit zu bleiben, das wünschen wir uns alle. Professor Dr. Markus Gosch ist Leiter der Geriatrie-Abteilung am Klinikum Nürnberg und erläutert, was jeder tun kann, um Demenz vorzubeugen. »Auf die genetische Disposition, die man von seinen Eltern mitbekommen hat, hat man keinen Einfluss«, sagt der Mediziner. Umso wichtiger sei daher eine bewusste Lebensweise. »Ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper«, betont der Fachmann. »Die Eckpfeiler sind gute medizinische Versorgung, viel Bewegung, eine mediterrane Ernährung sowie soziale Kontakte.«
Für eine wirksame Demenzprävention sollte man laut Professor Gosch Risikofaktoren minimieren. Was viele nicht wissen: Dazu zählen auch ein schlechtes Hör- und Sehvermögen. »Wer Personen nicht mehr erkennt, einem Gespräch nicht folgen oder bei Restaurantbesuchen die Speisekarte nicht entziffern kann, reagiert oft mit Rückzug«, sagt er. Isolation wiederum führe zu Vereinsamung und Depressionen, die Demenz begünstigen. Er fordert deshalb, ein Nachlassen von Hör- und Sehvermögen nicht als typische Alterserscheinung hinzunehmen, sondern die Mängel mit Hörgerät oder Brille zu kompensieren. Auch Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes steigern das Demenzrisiko. »Betroffene sollten sich regelmäßig bei Spezialisten durchchecken und medikamentös gut einstellen lassen«, sagt Gosch.
Zu einer gesunden Lebensweise gehöre auch der Verzicht auf das Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum. »Beides gilt als Demenz-Treiber«, konstatiert der Mediziner – ebenso wie Kopfverletzungen. Es sei essenziell, den Kopf beim Sport und Fahrradfahren zu schützen. Schon kleine, wiederholte Traumata können sich negativ auswirken. Impfung kann das Demenzrisiko verringern Besonders interessant: Kürzlich hat man entdeckt, dass die Impfung gegen Gürtelrose das Demenzrisiko verringern kann. Sie wird Menschen über 60 Jahren empfohlen, die sich als Kind mit Windpocken infiziert haben. Die Erreger bleiben lebenslang im Körper und können – wenn das Immunsystem im Alter schwächelt – einen schmerzhaften Ausschlag verursachen. Man nimmt an, dass die Impfung gegen Gürtelrose das schlummernde Varizella-Zoster-Virus daran hindert, sich zu reaktivieren und Entzündungen im Gehirn, Neuroinflammationen genannt, zu verursachen, die langfristig gesundes Gehirngewebe schädigen können.
Auch sonst kann jeder eine Menge dafür tun, um kognitive Fähigkeiten lange zu bewahren und Lebensqualität zu sichern. »Freundschaften pflegen, sich um Familienmitglieder kümmern, sich in Vereinen engagieren oder ehrenamtlich tätig sein: Das alles bereitet nicht nur Freude, es hält auch das Gehirn aktiv«, betont Professor Gosch. Wichtig sei, Sport zu treiben oder sich regelmäßig zu bewegen. Die Deutsche Hirnstiftung betont, dass Menschen, die täglich rund 9000 Schritte gehen, ein deutlich niedrigeres Demenz-Risiko haben. Schon ab etwa 4000 Schritten soll sich ein schützender Effekt zeigen.
Bei einer Welt in ständigem Wandel wird immer wieder die Forderung nach »lebenslangem Lernen« laut, um den Anschluss nicht zu verlieren. Es sei aber auch ausgesprochen gut für den Kopf, sagt Gosch und appelliert: »Raffen Sie sich dazu auf, Neues auszuprobieren, fangen Sie an zu tanzen, machen sie ein Seniorenstudium oder eine Fortbildung.« Durch solche Herausforderungen werden neue Areale im Gehirn angesprochen, altersbedingte Schäden können besser ausgeglichen werden. Auch Kreuzworträtsel, Sudoku, Schach oder Logikspiele trainieren die grauen Zellen. Die Tatsache, dass es immer mehr Menschen mit Demenz gibt, liegt laut dem Chefarzt daran, dass aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der älteren Menschen zunimmt. »Dank der Gesundheitsförderung und des gesteigerten Bewusstseins in der Bevölkerung sinkt jedoch das Risiko für das Individuum im Vergleich zu früheren Generationen.« Bis vielleicht irgendwann Medikamente zur Verfügung stehen, die eine Heilung bewirken können, plädiert er dafür, den Fokus vor allem auf eine gesunde, aktive Lebensführung zu legen. »Damit kann man unheimlich viel erreichen.«
Text: Alexandra Voigt





