header_standort_GPS

Über den Standort und die Standortbestimmung am Smartphone gibt es viel Unklarheit, viele Vermutungen und Befürchtungen. Nicht wenige Smartphone-Besitzer haben sogar Angst, über die Standortfunktion ausgespäht zu werden. Daher möchten wir heute etwas genauer erläutern, was es mit der Standortbestimmung am Handy auf sich hat, wer darauf zugreifen kann, wie man sie ausschaltet und welche Konsequenzen das hat. Das Thema “Standort am Handy” ist sehr umfangreich, daher können wir hier nur einen Überblick geben, der hoffentlich die wichtigsten Fragen beantwortet. Aufgrund dessen werden wir das Thema auf zwei Wochen verteilen. In dieser Woche geht es vor allem um die Apps, die den Standort nutzen.

Wie wird der Standort ermittelt?

Jedes Smartphone hat die Möglichkeit, herauszufinden, wo es sich gerade befindet. Dafür werden in erster Linie die Daten der GPS-Satelliten verwendet, die das Handy empfangen und auswerten kann. Außerdem können auch, je nach Verfügbarkeit, nahegelegene öffentliche WLAN-Netzwerke und Mobilfunkmasten zur Standortbestimmung benutzt werden. Durch die Kombination dieser drei Möglichkeiten wird der Standort noch genauer. Dies bedeutet erst einmal nur, dass das Handy für sich selbst ermitteln kann, wo es sich selbst gerade befindet. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch jede installierte App weiß, wo Sie gerade sind. NUr, weil das Smartpone selbst seine Position kennt, bedeutet das nicht, dass diese Information an irgendjemanden (z. Bsp.: eine Firma) oder an irgendetwas (z. Bsp.: eine App) weitergegeben wird. Ausserdem kann die Standortermittlung auch explizit an- und ausgeschaltet werden. (Hierzu nächste Woche mehr in Teil 2).

Welche App darf den Standort wissen?

ortungsdienste_iphoneManche Apps können den Standort, den das Handy ermittelt, verwenden. Sie als Nutzer können selbst festlegen, welche Apps dies dürfen. Eine App, die den Standort nutzen möchte, fragt normalerweise direkt nach der Installation um Erlaubnis. Wenn Sie dies genehmigen, so darf die App zukünftig immer auf den Standort zugreifen, solange am Handy die Standortermittlung eingeschaltet ist. Sie können aber auch im Nachhinein jeder App den Zugriff auf den Standort wieder verbieten. Unabhängig von den Anbietern der Apps können auch Google und Apple als Anbieter der Smartphone-Betriebssysteme auf die Standortdaten zugreifen und sie auswerten. (Hierzu nächste Woche mehr in Teil 2).

Warum wollen denn die Apps überhaupt den Standort wissen?

regenradar_iphoneEs gibt Apps, bei denen der Zugriff auf den Standort sehr sinnvoll ist, weil dadurch zusätzliche Funktionen genutzt werden können. So liegt es auf der Hand, dass eine Landkarten-App, die man zum Navigieren verwenden möchte, wissen muss, wo Sie und das Smartphone sich gerade befinden. Eine Wetter-App kann über die Standortdaten das Wetter am aktuellen Aufenthaltsort anzeigen, sodass man auf der Wetter-Karte nicht lange suchen muss. Bei manchen Apps ist es nicht ganz so offensichtlich. So greift zum Beispiel auf die Kamera auf den Standort zu. Das hat den Sinn, den Ort, an dem ein Foto gemacht wurde, in den Bildzusatzinformationen mitabzuspeichern. Dadurch können Sie in Monaten oder Jahren beim Durchsichten Ihrer Fotos genau sagen, wo das Bild entstanden ist. Eine nützliche Funktion! Es ist aber demnach nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, warum eine App den Standort verwenden möchte. Und in einigen wenigen Fällen macht es sogar großen Sinn, den Standort für eine App nicht freizugeben. Das hat schlussendlich natürlich jeder Menschen selbst in der Hand.

Wie kann man einer App den Zugriff auf den Standort verbieten?

Sie können für jede installierte App gezielt festlegen, ob sie die Standortinformationen nutzen darf. So kann man bspw. auch rückwirkend kontrollieren, welche App den Standort wissen darf, und bei Bedarf den Zugriff auch wieder verbieten.

Bei Android öffnen Sie auf Ihrem Smartphone die “Einstellungen”, dann tippen Sie auf „Standort“ und danach auf „App-Berechtigung“. Falls “Standort” nicht angezeigt wird, tippen Sie auf „Sicherheit & Standort“ und auf „Standort“. Sie sehen nun unter “Immer zugelassen” und “Zugriff nur während Nutzung zugelassen” die Apps, die auf den Standort Ihres Smartphones zugreifen dürfen. Wenn Sie die Berechtigungen einer App ändern möchten, tippen Sie darauf und wählen gezielt für diese App aus, ob die Standortermittlung erlaubt werden soll.

Gibt es den Menüpunkt „Standort“ bei Ihnen gar nicht, so wählen Sie in den “Einstellungen” bitte den Menüpunkt „Apps“. Sie sehen jetzt alle installierten Apps, durch Antippen öffnen sich ein neues Menü zur jeweiligen App, dort gibt es einen Punkt mit dem Namen „Berechtigungen“. Hier können Sie nun sehen, ob die App den Standort verwendet, und können dies auf Wunsch ausschalten.
(Hier geht es zur offiziellen Anleitung von Google).

Beim iPhone ist es deutlich einfacher. Hier öffnen Sie “Einstellungen”, tippen Sie dann auf “Datenschutz”, danach auf “Ortungsdienste”. Nun sehen Sie für jede App, ob und wann die jeweilige App den Standort nutzen darf. Tippen Sie eine App an, um die Einstellungen zu ändern. Sie können festlegen, ob die App den Standort “gar nicht” oder “immer” oder nur “beim Verwenden der App” (also solange die App geöffnet ist) nutzen darf.
(Hier geht es zur offiziellen Anleitung von Apple).

Was macht der Anbieter einer App mit meinen Standortdaten?

gps_positionDiese Frage lässt sich leider nicht allgemein beantworten. Hierfür müsste man erstens die Nutzungsbedingungen jeder einzelnen App genau durchlesen und zweitens darauf vertrauen, dass sich der Anbieter der App auch tatsächlich an das hält, was in den Nutzungsbestimmungen vereinbart ist. Für den normalen Nutzer ist es leider so gut wie unmöglich, dies zu überprüfen. Das ist die Aufgabe der Datenschützer und Sicherheitsexperten. In der Regel läuft bei den großen bekannten Herstellern hier aber alles korrekt ab.

Im schlimmsten Falle kann es passieren, dass App-Anbieter auf Basis von Standortdaten unerlaubterweise ein anonymes sogenanntes “Bewegungsprofil”* erstellen und dieses Profil an Werbetreibende verkaufen. Das bekannteste Beispiel war eine Taschenlampen-App, die den Standort nutzen durfte, obwohl dies für die Funktion der App überhaupt nicht notwendig war. Daraus wurden Bewegungsprofile der Nutzer erstellt und diese wurden an andere Firmen verkaufte. Mittlerweile ist diese Taschenlampen-App nicht mehr auf dem Markt, sie dient aber als anschauliches Beispiel einer unseriösen Standortnutzung. Überlegen Sie daher bei jeder App gut, ob sie den Standort nutzen darf. Überlegen Sie außerdem, ob Sie dem Anbieter einer App vertrauen. Wenn Sie Bedenken haben, so verweigern Sie den Zugriff auf den Standort oder löschen Sie die App. Gleichzeitig müssen Sie sich aber auch darauf vorbereiten, dass die entsprechende App zukünftig entweder nur noch eingeschränkt funktioniert oder sogar gar nicht mehr nutzbar ist.

(* Bewegungsprofil: Dabei handelt es sich um die anonymisierte Aufzeichnung der täglichen Pendelstrecken und Laufwege eines Smartphones. Wenn das betroffene Smartphone zum Beispiel täglich an einem ALDI vorbei fährt oder vorbei läuft, dann wird auf dem Smartphone in den Werbeplätzen vermehrt ALDI-Werbung angezeigt oder sogar auf spezielle ALDI-Angebote in exakt dieser Filiale hingewiesen.)

Nächste Woche in Teil 2

In der nächsten Woche sprechen wir darüber, was die Hersteller der Handy-Betriebssysteme (Google und Apple) mit den Standortdaten machen (Stichwort Datenschutz!), wie ortsabhängige Werbung funktioniert, wie man die Standortermittlung komplett ausschalten kann und wie man den eigenen Standort mit anderen Personen teilt. Verpassen Sie also nicht den Beitrag nächste Woche und informieren Sie am besten auch Ihre Bekannten, da das Thema Standort für jeden Smartphone-Nutzer wichtig ist.

Hat Ihnen dieser Beitrag von Levato gefallen?

Die Levato-Mitgliedschaft bietet über 900 hilfreiche Erklärfilme zu Computer, Internet und Smartphone.

Hier erhalten Sie einen Gutschein, um die Mitgliedschaft einen Monat lang kostenfrei zu testen – ohne Abonnement, ohne Risiko.

https://levato.de/magazin66

In einer Zusammenarbeit zwischen diesem Magazin und Levato verfassen Andreas Dautermann und Kristoffer Braun regelmäßig Beiträge für diesen Blog. Ihre Themen: Computer, Internet und Smartphone. Auf www.levato.de helfen sie älteren Menschen beim Umgang mit neuen Medien und Technologien. Dafür wurden sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

Weitere Hilfestellungen zu Computer, Internet und Smartphone gibt es auf www.levato.de.

Dieser Beitrag stammt von:

WWW.LEVATO.DE

facebook-icon-previewLevato bei Facebook