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Gute Impfwirkung trotz Immunerkrankung

Die Corona-Impfung ist für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen laut einer Studie der Uni-Erlangen sogar verträglicher als für GesundeFoto: DoroT Schenk/Pixabay
Wie gut Patientinnen und Patienten mit einer Immunerkrankung auf eine Corona-Impfung ansprechen, hat die Universität Erlangen-Nürnberg untersucht und erfreuliche Ergebnisse für die Betroffenen herausgefunden. Rheuma, Darmentzündung und Schuppenflechte sind Beispiele für Erkrankungen, bei denen das Immunsystem falsch und überschießend reagiert und Betroffene einer intensiven Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten bedürfen. Die gute Nachricht zuerst: Die Corona-Impfung ist für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen sogar verträglicher als für Gesunde. So kamen Reaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Gelenkschmerzen bei Patienten mit Immuntherapien deutlich seltener vor als bei Gesunden. Mit diesem Studienergebnis können die Erlanger Experten das Gerücht entkräften, dass Patienten mit Rheuma, Darmentzündung und Schuppenflechte aufgrund ihres veränderten Immunsystems vielleicht eine überschießende Reaktion auf die Corona-Impfung erleiden. Fazit: Bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen spricht nichts gegen eine Corona-Impfung.

Patienten sprechen allerdings weniger gut auf Impfung an

Die weniger gute Nachricht ist, dass nicht alle Patienten mit entzündlichen Erkrankungen auch ausreichend auf die Corona-Impfung mit einem m-RNA-Impfstoff ansprechen und einen Immunschutz gegen SARS-CoV-2 entwickeln. Während von knapp 270 Probanden nur einer von hundert Gesunden (1:100) keine neutralisierenden Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt, ist es bei Patienten mit einer Immuntherapie hingegen einer von zehn (1:10). Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass die allermeisten Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen gut auf die Impfung ansprechen. Interessanterweise sind die entzündungshemmenden Therapien offensichtlich gar nicht die Ursache für das verminderte Ansprechen mancher Patienten, sondern die Erkrankung an sich. Somit gibt es auch keinen Grund dafür, mit der Einnahme dieser Medikamente zum Impftermin zu pausieren, sagen die Leiter der Erlanger Studie.

Ein anderes Impfpräparat kann helfen

„Nicht alle reagieren gleich!“, meint PD Dr. David Simon, Assistenzarzt der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen, der die Studie von Wissenschaftler*innen des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Universitätsklinikum Erlangen betreut. Sie zählt zu den weltweit ersten Forschungsarbeiten, die sich mit dieser Thematik befassen und Ergebnisse erbracht haben und von der Universität in einer Pressemitteilung zusammengefasst. Simon weiter: „Deshalb ist es bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen ratsam, die Impfantwort zwei Wochen nach der zweiten Impfung zu bestimmen.“ Im Falle eines Nicht-Ansprechens sind grundsätzlich verschiedene Wege denkbar, wobei der wohl beste eine neuerliche Impfung ist – idealerweise dann auch mit einem anderen Impfpräparat. Während aktuell ein starres Impfregime für die Eindämmung der Corona-Pandemie von zentraler Bedeutung ist, wird es in Zukunft in gewissen Fällen sicherlich notwendig sein, die Impfstrategie individuell anzupassen, eine neuerliche (dritte) Impfung durchzuführen bzw. auch das Impfpräparat zu wechseln.

Die Studie wurde am Deutschen Zentrum Immuntherapie am Universitätsklinikum Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. med. univ. Georg Schett (Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie), Prof. Dr. Markus F. Neurath (Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie), Prof. Dr. Carola Berking und Prof. Dr. Michael Sticherling (Direktorin und stv. Direktor der Hautklinik) durchgeführt. Unterstützt wurden die Forscher durch Mittel des Freistaats Bayern, der Schreiber Stiftung sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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