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Herbstblues, Depression oder Corona-Trauma? 

Der Winter kommt, die Tage werden kürzer, kälter und trüber: Viele Menschen leiden in dieser Zeit unter starken Stimmungsschwankungen.  Foto: cafepampas/Pixabay

Ab November werden die Nächte länger, die Tage trüber, und viele von uns packt der Herbst- oder Winterblues. Missgelaunt und lustlos schleppen sich Betroffene durch den Tag. Was eine Winterdepression ausmacht, wann man von einem Herbstblues spricht, und was beide von der klassischen Depression unterscheidet, dies bringt der Psychiatrie-Chefarzt Prof. Dr. Thomas Hillemacher vom Klinikum Nürnberg, auf den Punkt. Er versucht auch die Frage zu klären, ob dieser Corona-Winter die Menschen anfälliger für Depressionen macht.

Eine Winterdepression klingt im Frühling aus

Die Winterdepression zählt zu den sogenannten saisonalen affektiven Störungen. Bei dieser Form der Depression treten die Symptome nur in einer bestimmten Jahreszeit auf, typischerweise im Herbst und Winter. Mit dem Frühling verschwinden dann auch die depressiven Symptome wieder.

Eine Winterdepression kann sich in den klassischen Symptomen einer Depression wie Freudlosigkeit, Interessensverlust und Antriebsmangel zeigen. Typisch für sie sind allerdings atypische Symptome wie Heißhunger statt Appetitverlust und vermehrter Schlaf statt Ein- und Durchschlafstörungen auf.

Jeder kann selbst etwas tun

Prof. Thomas Hillemacher    Foto: Rudi Ott/Klinikum Nürnberg

„Gegen eine Winterdepression kann man leicht selbst etwas tun“, erklärt Hillemacher. Spaziergänge an der frischen Luft oder eine Lichttherapie mit einer Lampe, die über genügend Lichtintensität verfügt, können über die dunklen Monate helfen. Hillemacher rät zunächst zu täglichen Spaziergängen. Denn bei einem längeren Spaziergang selbst bei trübem Winterwetter wird so viel Licht aufgenommen wie bei der Lichttherapie. Die Kombination aus Licht und körperlicher Bewegung kann nachweislich bei Depressionen helfen. Reicht das nicht, sind psychotherapeutische oder medikamentöse Behandlungen möglich.

Dass man an trüben und nasskalten Herbst- und Wintertagen traurig, missgelaunt und lustlos wird, kommt in Mitteleuropa häufig vor. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung leiden am Herbst- oder Winterblues. Mit einer echten Depression hat diese vorübergehende Stimmung aber nichts zu tun. Stattdessen gilt der Herbst- oder Winterblues als harmlose Variante der Winterdepression. Müdigkeit und Antriebsmangel lassen sich leicht durch Bewegung an der frischen Luft vertreiben. „Runter von der Couch und raus vor die Tür,“ rät der Chefarzt daher.

Nur jede zehnte Depression, die im Winter auftritt, ist eine Winterdepression

Bei den meisten Depressionen, die im Winter auftreten, handelt es sich um die klassische Depression, die unbedingt behandelt werden sollte. Nur jede zehnte Depression ist eine Winterdepression. Damit zählen Winterdepressionen zu den eher seltenen depressiven Erkrankungen.

Hellhörig werden sollte man immer dann, wenn die schlechte Stimmung den Alltag maßgeblich beeinträchtigt, sich die oder der Betroffene sozial zurückzieht und den Alltag nicht mehr wie zuvor bewältigen kann. Andere Warnsymptome sind ein erhöhter Alkoholkonsum oder das Auftreten von Suizidgedanken. Tritt eines oder mehrere der genannten Symptome auf, sollte man gleich zum Arzt gehen, rät Hillemacher. „Wird eine Depression frühzeitig erkannt, kann sie in der Regel gut behandelt werden. Und auch das Risiko, dass aus einer Depression eine chronische Krankheit wird, ist dann gering.“

Steigt mit Corona das Risiko für eine Depression?

„Auf jeden Fall ist damit zu rechnen, dass dieser Herbst und Winter für viele Menschen besonders schwierig werden wird“, betont Hillemacher. Die Einschränkungen der sozialen Kontakte, die Unsicherheit und Sorgen wegen der eigenen Gesundheit oder der Gesundheit der Angehörigen sind ein idealer Nährboden für psychische Probleme jeglicher Art – vor allem aber für das Auftreten von Depressionen. Hier ist es wichtig frühzeitig gegenzusteuern, z.B. mit einer klaren Tagesstruktur und Bewegung im Freien. Trotz der Einschränkungen sollte man auf keinen Fall auf soziale Kontakte verzichten. Auch über Telefon und Video lassen sich Gespräche mit der Familie und den Freunden führen. Wenn man mit der Situation nicht mehr zurechtkommt, sollte man sich unbedingt Hilfe holen.

Tipp: Beim Krisendienst Mittelfranken finden Menschen in seelischen Notlagen schnell und unkompliziert Hilfe, Tel. 0911 4248550 täglich von 9:00 bis 24:00 Uhr.

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