Sozialreferent Reiner Prölß möchte die Situation für Pflegebedürftige verbessern.

Nürnbergs Sozialreferent Reiner Prölß sieht Handlungsspielraum bei der Verbesserung der Pflege in stationären Einrichtungen. Deswegen hat er die Initiative »PflegeQualitätsOffensive Nürnberg« ins Leben gerufen. Was motiviert den Sozialpolitiker, auf diesem schwierigen Feld gegen Probleme wie schlechtes Image, Personalknappheit, Ängste und Kritik aktiv zu werden? Darüber spricht er mit dem Magazin sechs+sechzig.

sechs+sechzig: Warum macht sich Nürnberg hier auf den Weg und was ist dabei besonders wichtig?
Reiner Prölß: Die Nürnberger PflegeQualitätsOffensive umfasst im Wesentlichen drei Bausteine. Transparenz, Kundenzufriedenheit und Beratung. Wir wollen etwas gegen die negative Darstellung von Pflege tun. Es gibt bestimmte Betrachtungsweisen, beispielsweise durch die Heimaufsicht oder den Medizinischen Dienst, mit dem Auftrag, die Pflegeleistung zu überprüfen. Dem möchten wir positive Aspekte entgegenstellen. Außerdem ist die Frage, was trägt dazu bei, die Arbeit noch besser zu machen? Das sind die beiden Intentionen, die bei mir dahinterstehen.

Inwieweit kann die Kommune im Bereich Pflege gestalten, wo doch vieles durch Landesgesetze und Bundesgesetze geregelt wird?
Es ist nicht nur die Frage der Personalausstattung in den Einrichtungen allein, sondern auch die der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Es wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den drei Bausteinen intensiv beschäftigt haben. Mehr Transparenz könnte beispielsweise entstehen, wenn die Auswertungen der Prüfberichte von der Fachsprache in eine allgemein verständliche Sprache umformuliert würden. So werden auch die anderen Bereiche danach durchforstet, wie man dem Normalbürger eine Orientierung und Bewertung der einzelnen Einrichtungen und Leistungen erleichtern könnte. Natürlich werden die geplanten Maßnahmen mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium abgestimmt.

Es erfolgt ein deutlicher Wechsel bei den Strategien zur Qualitätssicherung. Was kennzeichnet ihn?
Eines der Hauptprobleme entsteht durch die Defizitorientierung bei der Qualitätskontrolle. Das verfestigt den schlechten Ruf. Wichtig ist es, ein Stimmungsbild zu bekommen, was in der Pflege läuft. Dafür benötigen wir Rückmeldungen aus den Heimen, aber auch von den Angehörigen.

Wie sieht es mit den Anreizen für Einrichtungen aus, die Initiative zu unterstützen?
Etwa 50 bis 60 Einrichtungen müssen wir mit unserem Konzept überzeugen, damit sie sich an dem Verfahren beteiligen. Bei den allermeisten ist das der Fall.
Warum sollten sich die Angehörigen an Bewertungsaktionen beteiligen? Im Prinzip geht es darum, uns eine Rückmeldung zu geben, ob man mit der Situation im Heim zufrieden ist oder unzufrieden. Wie das geschehen soll, darüber denkt die Arbeitsgruppe Kundenzufriedenheit nach. Das Feedback sollte so einfach wie möglich erfolgen. Die Idee, eine schöne Karte mit einigen Symbolen darauf zu gestalten, gefällt mir gut.

Welche Maßnahmen haben eine längerfristige Perspektive?
Wir wollen einen Pflegepreis für vorbildliche Praxis noch in diesem Jahr vergeben. Außerdem sind eine engmaschigere Marktbeobachtung und ein regelmäßiges Bedarfsmonitoring vorgesehen. Somit wollen wir Fehlentwicklungen frühzeitig sehen und gegensteuern. Unsere Initiative ist eine Einladung an alle, sich zu beteiligen mit dem Ziel, die Versorgung der Bürger bestmöglich sicherzustellen.

INTERVIEW: PETRA NOSSEK-BOCK FOTO: KAT PFEIFFER

Befragung: »Leben in Nürnberg ab 60«
Wie zufrieden sind die Bürgerinnen und Bürger ab 60 Jahren mit ihrem Leben in Nürnberg? Wo lässt sich ansetzen, um die Voraussetzungen für eine hohe Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren strukturell weiter zu verbessern? Um Antworten auf diese Fragen zu gewinnen, startet das Seniorenamt erstmals eine groß angelegte Befragungsaktion. In dem Fragebogen, der ab Mitte Juni per Post an 10.000 zufällig ausgewählte Haushalte verschickt wird, geht es unter anderem um die Bereiche »Freizeitgestaltung« und »Pflege«. Außerdem werden Ältere gefragt, was älter werden für sie bedeutet, und welche Erwartungen sie an die Stadt Nürnberg haben. Fürs Mitmachen gibt es ein kleines Dankeschön von der Stadt Nürnberg.