Die 90-jährige Resi Wechsel (Foto) lebt gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth Wechsel im kleinen abgeschiedenen Weiler Walten bei Berghofen im Oberallgäu in einem 300 Jahre alten Bauernhaus (Foto vom 16.09.2013). "Nur zu Festen wie Weihnachten verlasse ich das Haus", sagt Resi Wechsel. Einsamkeitsgefühle sind der 90-Jährigen trotz der Abgeschiedenheit fremd. "Ich beteilige mich am familiären Geschehen, habe hier immer etwas zu tun, mal kommen die Enkel, ich lese Zeitung und erledige schriftliche Arbeiten", sagt die gelernte Buchhalterin. "Einsamkeit kenne ich gar nicht." Die Einsamkeit ist für viele ältere Menschen das Schlimmste. Von den über 65-Jährigen lebt jede zweite Frau und jeder fünfte Mann allein. Aber Frauen können besser damit umgehen, haben Münchner Forscher nun herausgefunden. Frauen und Männer sind im Alter ungefähr gleich häufig von Einsamkeit betroffen, obwohl Frauen deutlich mehr Risikofaktoren aufweisen. Frauen verfügen womöglich über ein höheres Ausmaß an "Resilienz", einer stärkeren psychischen Widerstandskraft. (Siehe epd-Feature vom 26.09.2013)

Von den über 65-Jährigen lebt jede zweite Frau und jeder fünfte Mann allein. Foto: epd

Das Klischee kennt jeder und jede: Eine alte Frau oder ein älterer Mann schaut scheinbar stundenlang aus dem Fenster – einsam und alleine. Ja, solche Menschen gibt es, und ja, auch verstärkt in der Altersgruppe der Menschen ab 75 aufwärts. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: der oder die langjährige PartnerIn ist verstorben, Krankheit fesselt an die eigene Wohnung, körperliche Leiden beeinträchtigen oder niedrige Renten beeinträchtigen die Mobilität. Einsamkeit bedeutet hier also, Ältere haben weniger soziale Kontakte, als sie gerne hätten.

Dass es dieses Phänomen aber auch in anderen Lebensphasen gibt – zum Beispiel bei den um die 30-Jährigen oder den Menschen um die 60 – erstaunt dann schon. Zu diesem Ergebnis kamen die beiden Forscherinnen, Maike Luhmann und Lea Elbart von der Uni Köln, als sie drei gezielt gestellte Fragen zur Einsamkeit aus dem Sozioökonomischen Panel auswerteten und diese im Deutschland Radio vorstellten. Das Panel wird seit 1984 erstellt und befragt Menschen zu verschiedenen sozialen und ökonomisch relevanten Themen. Die spezifischen Fragen zur Einsamkeit wurden erstmals 2013 gestellt und bis heute antworteten darauf ca. 16.000 Befragte.

Maike Luhmann stellte fest, dass die Phase um die 30 für viele Menschen wahrscheinlich eine Phase der Weichenstellungen ist und sie sich von der „Rushhour des Lebens“ leicht überfordert fühlen. Bei den knapp 60-Jährigen könnte es sich eher um das „leere Nest-Syndrom“ handeln, wenn die Kinder das Haus verlassen haben und eine Phase der Neuorientierung beginnt.

Wichtig sind diese Forschungen, weil Einsamkeit – egal in welcher Lebensphase sie Menschen ereilt – der Grund, wie auch die Folge von Depressionen sein kann und man dem altersspezifisch entgegensteuern kann. Aber, das betonen die Forscherinnen auch, fest steht das alles noch nicht, da sie weiterforschen müssen, um gesichertere Ergebnisse zu bekommen. Warum? Weil. z. B. die Befragten in der Regel nur einmal befragt wurden und deshalb nicht feststeht, ob Einsamkeit nur eine Phase im Leben war. Oder der Vergleich mit Daten aus anderen Ländern/Kontinenten steht an, um eine bessere Verallgemeinerung der Aussagen über Einsamkeit zu bekommen. Die Ergebnisse dieser weiteren Forschung können dann vielleicht allen helfen – auch den über 75-Jährigen.